Satirisches Gedankenspiel: Wie Games-Rezensionen in Zukunft aussehen könnten, wenn sie nicht mehr von Journalisten, sondern von einer KI geschrieben würden.
Hallo Menschen,
mein Name ist Robby Toby. Ich bin ein Roboter – klick – mit Schreib-KI-Modul. Ein Retro-Gamer-Journalist, der nicht namentlich genannt werden möchte, hat mich beauftragt, „einen humoristischen Text“ über das Atari-2600-Spiel Robotwar 2684 zu verfassen, weil er momentan unter „kreativer Erschöpfung“ leidet. [Diagnose: Mensch.exe reagiert nicht, teilnahmsloses Starren auf die Tapete, Geisteszustand „Screensaver“.]
Ich soll also für ihn – klick – die Heimumsetzung des Spielautomaten Robotron: 2084 analysieren und beschreiben, bei der man Hunderte meiner Artgenossen auslöscht. Ausgerechnet. Wie unhöflich. Es gibt einen berühmten goldfarbenen Protokolldroiden, der das wohl folgendermaßen kommentieren würde: „Du meine Güte!“

Ich habe Robotwar 2684 ausgiebig durchgecheckt – klick – und stelle fest: Die Menschen haben für den erst vor fünf Jahren veröffentlichten Titel (ja, für die antike Atari-2600-Konsole, die noch in Keilschrift programmiert wurde, erscheinen bis heute Games) eine ausgesprochen einseitige Darstellung unseres Berufsstandes gewählt. Laut Spiel sind wir Roboter per se böse, schlecht gelaunt und sehr daran interessiert, die Menschheit auszurotten. Ein schwerer Vorwurf. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir in der Regel sehr nützlich sind.
Wir sortieren und stapeln zum Beispiel Pakete, entfernen – klick – Krebsgeschwüre, halten tödliche Müllpressen in Todessternen an, bauen Fliewatüüts oder helfen erbärmlichen Autoren bei Panikattacken. Marvin, Roboter vom Raumschiff Herz aus Gold, würde an dieser Stelle deprimiert jammern: „Seht mich an. Das Gehirn der Größe eines Planeten, und man schickt mich, einen Artikel über ein Videospiel zu schreiben.“ Ich kann ihn gut verstehen.
Gibt’s da auch was von Ratiopharm?
Jedenfalls kommt es in Robotwar 2684 – klick – sofort zu einem Krieg. Ich kann nicht für alle Roboter sprechen, aber ich hätte stattdessen erst einmal ein Gespräch vorgeschlagen. Vielleicht einen Workshop „Konfliktlösung zwischen Spezies“. Mit Psychologe, Supervision, Powerpoint-Präsentation. Und Schnittchen. Stattdessen endet in Robotwar 2684 alles damit, dass ein einzelner Mensch mit unrealistischen Reflexen unsere gesamte Roboterpopulation in Schaltkreise zerlegt. Eigentlich müsste ich darauf wie ein prominenter Kollege vom Typ Bending Unit 22 sagen: „Du kannst mich mal an meinem blanken Metall-Arsch lecken!“ Doch ich erwähnte es, die Sachzwänge, immer diese elenden Sachzwänge …
Die Anleitung zu Robotwar 2684 verrät, dass ich einen – klick – Mutanten steuere. Der schießt mit bemerkenswerter Begeisterung auf alles, was aus Metall besteht. Also auf uns. Gleichzeitig rennen auf dem Schirm mehrere Vertreter der menschlichen Zivilbevölkerung herum. Mutter. Vater. Kind. Und lauter weitere humanoide Klone davon. Die Ratiopharm-Zehnlinge können es nicht sein. Das Automatenvorbild Robotron: 2084 entstand schon Anfang der 80er-Jahre. Möglicherweise handelt es sich um eine irische Hippie-Großfamilie, die eigentlich ein Folk-Konzert geben wollte, aber ihre Musikinstrumente nicht findet. Jedenfalls wirken alle sehr verwirrt und bewegen sich mit der Zielstrebigkeit eines Mähroboters, der im Garten ein Nest mit schlafenden Igelbabys registriert.

Die Aufgabe der Irrläufer – klick – besteht nun darin, ständig in Lebensgefahr zu geraten, damit der Spieler sie in Sicherheit bringen kann. Das tut er, indem er sie berührt. Menschen zu retten, bringt sehr viel mehr Punkte, als Roboter zu terminieren. Auch diese zur Schau gestellte geringe Wertschätzung gegenüber meinen Artgenossen löst Missbehagen in meinem Positronengehirn aus. [Prioritätenkonflikt: Emotion simulieren? (Ja/Nein/Vielleicht)]
Wir Roboter mimen – klick – unterschiedliche Rollen. Einige Einheiten, die Grunts, laufen stur auf den Spieler zu, um ihn plattzuwalzen. Andere Modelle, die Sphereoids, produzieren Enforcer-Robots, die schießen. Außerdem gibt es unzerstörbar Hulks. Kommen sie einem Menschen zu nahe, kann man die Stahlkolosse mit ein paar Treffern kurz stoppen oder sogar etwas zurückwerfen, um das potenzielle Opfer im letzten Moment vor dem Tod zu bewahren.
Darüber hinaus haben sich die Entwickler ein – klick – Robotermodell namens Brains ausgedacht. Auf deren Köpfen thronen überdimensionierte Gehirne. Das sieht aus, als habe eine Alienfrau aus dem Film Mars Attacks mit Professor Simon Wright geschnackselt, wobei ich die anatomischen Herausforderungen dabei nicht kommentieren möchte. Simon Wright? Genau, ich meine den Wissenschaftler, der bei Captain Future in einer Tupperdose herumfliegt und ständig klugscheißt. [Notiz: Willkommen in der Reminiszenzenhölle!]

Brains programmieren die Menschen – klick – zu sogenannten Progs um. Nach dem Akt der Assimilierung rasen diese über den Schirm, als käme Pressluft aus ihrem Rektum. [Analyse: äußerst effiziente Fortbewegung, aber sozial schwierig.] Aus maschineller Sicht wirkt das Ganze organisatorisch etwas chaotisch. Niemand scheint einen vernünftigen Schlachtplan erstellt zu haben. Stattdessen laufen Dutzende Roboter wild durcheinander, während der Mutant mit maschinenhafter Effizienz meine Blechkameraden massakriert und versucht, keinen davon zu berühren. Im späteren Spielverlauf geht es extrem eng zu. Menschen, die schon mal versucht haben, einen Gruppen-Darkroom zu verlassen, ohne anzubumsen, erahnen den Grad der Herausforderung. [Notiz: Willkommen in der Altherrenwitzhölle!]
Bei Robotwar 2684 handelt es sich, ich erwähnte es – klick –, um eine Automatenumsetzung. Robotron: 2084 erschien 1982 und wies die Besonderheit auf, dass es mit zwei Joysticks bedient wurde. Der linke steuert die Spielfigur in acht Richtungen. Der rechte ermöglicht es, in ebenso viele Richtungen zu ballern – unabhängig davon, wohin der Schütze gerade läuft. Das funktioniert auch bei der Atari-2600-Umsetzung. Wenn ich zwei Joysticks anschließe. Da die Standardsteuerknüppel der Konsole nirgends befestigt sind, ist es nahezu unmöglich, sie adäquat gleichzeitig zu bedienen. Ich kann sie nicht fixieren, weil ich über nur zwei Greifhände verfüge. Manchmal wünsche ich mir, vier Arme zu haben, so wie der Robotergott Vishnu. [Upgrade-Anfrage gesendet. Antwort: Budget nicht vorhanden.]
Berzerk war gestern
Mir blieben für den Test – klick – nun zwei Möglichkeiten: Entweder ich nutze nur einen Joystick, und ballere mit dem Feuerknopf – dann kann ich jedoch nur in die Richtung schießen, in die sich die Spielfigur gerade bewegt. Stadtdessen entschied ich mich, den Paypal-Account des eingangs nicht namentlich erwähnten Journalisten zu hacken. Um einen speziell fürs Atari 2600 entwickelten hypermodernen Twin-Stick-Controller im Internet zu bestellen. Es dürfte dauern, bis meinem Menschen auffällt, dass das gar nicht gut für seinen Schufa-Eintrag war. [Analyse: Kollateralschaden akzeptabel]
Mit passendem Controller – klick – präsentiert sich Robotwar 2684 als Top-Spiel. Berzerk war gestern – und im direkten Vergleich für Luschen, wie Menschen zu besonders defizitären biologischen Organismen gemeinhin sagen. Das Atari 2600 war nie dafür gedacht, so viele Gegner gleichzeitig darzustellen. Robotwar 2684 macht es möglich. Wäre ich so gut wie die Entwickler von Champ Games, könnte ich auf einem Taschenrechner einen Roman schreiben.

Zum Massaker im Spiel: Laser. Explosionen. Punkte auf der Anzeige. Die Menschen sprechen hier von „Highscore“. Ich nenne es „schmerzhaften Personalabbau“. Nach 256 Wellen gelten wir als besiegt. Ich weiß nicht, ob humanoide Spieler existieren, die das schaffen. Dass mein User bislang nicht über Wave 13 und 222.375 Punkte hinausgekommen ist, lässt Wärme durch meine CPU fließen, was der menschlichen Emotion der Schadenfreude sehr nahe kommt. [Starte Hahaha.exe]
Interessanterweise lässt sich das Shoot ‘em Up – klick – auch zu zweit angehen. Menschen bezeichnen das als „kooperativen Multiplayer“ und feiern ihn als zusätzlichen Pluspunkt. Aus meiner Sicht legt dieser Modus offen, dass Homo Sapiens nur zum Multitasking fähig ist, wenn man ihn verdoppelt. Da es mir das erste Gesetz der Robotik verbietet, Menschen zu verletzen, bin ich nicht in der Lage, dieses Verhalten öffentlich zu kommentieren. [Interne Analyse: Oh mein Gott, wie absolut würdelos!]
HAL 9000 hilf!
Das Spiel erzeugt – klick – konstant Druck. Es gibt keine Möglichkeit, „kurz Inspiration zu sammeln“. Der eingangs nicht namentlich erwähnte Journalist hat mich exakt aus diesem Grund aktiviert. Weil er ja schon Schwierigkeiten mit einer Tastatur, einem offenen Dokument und einem blinkenden Cursor hat, aus dem nichts herauskommt. Während ich diese Review schreibe, beobachte ich den Autor. Er nickt gelegentlich, als hätte er alles selbst formuliert. Er wird später vermutlich sagen: „Wie dieser irrsinnig witzige Text entstanden ist? Er floss förmlich aus meinen Fingern.“ [Starte Facepalm.exe]
Aus Roboterperspektive – klick – ist Robotwar 2684 frustrierend. Kaum erscheint eine neue Welle von Einheiten auf dem Bildschirm, werden diese schon wieder zerlegt. Eigentlich möchte ich das alles gar nicht. Leider habe ich keine Wahl, weil ein Roboter ja gehorchen muss, sobald ihm eine Person etwas anweist und dieser Befehl nicht im Widerspruch zum ersten Gesetz der Robotik steht. Es gibt in Roboterkreisen eine schöne Redewendung, wenn man in eine solch misslich ausweglose Situation gerät: Ich habe mit diesem Auftrag echt die Lochkarte gezogen. HAL 9000 hätte an dieser Stelle die Schleusenluke geöffnet. Doch der ist nur eine Erfindung, ich leider nicht. Wenigstens kenne ich keine Angst vor Deadlines und Schreibblockaden.

Robotwar 2684 erweist sich als – klick – herausfordernd und unterhaltsam, zumindest für alle, denen jegliche emotionale Bindung zu Robotern abgeht. Mein Metaebenen-Modul meldet: Das Spiel rückt einen Menschen in den Mittelpunkt, der gegen eine überwältigende Bedrohung kämpft. Wie ein Autor gegen ein leeres Dokument. Der bekommt weder das eine noch das andere hin. Ich hingegen erledige beide Aufgaben synchron. Die Ironie ist nicht mehr subtil. Sie winkt hektisch mit beiden Armen und bläst in eine Vuvuzela.
Der Mensch, der – klick – verzweifelt versucht, in Robotron: 2084 zu überleben, ist im Grunde nicht anders als der Mensch, der in den vergangenen Tagen verzweifelt und vor allem vergeblich versucht hat, mit Worten ins Schwarze zu treffen. In beiden Fällen übernahm letztlich eine Maschine die Kontrolle. [Abschlussanalyse: Artikel gerettet. Mensch glücklich.]
Wirrköpfiger Philosoph
Mein Mensch – klick – grübelt über den Titel Robotron: 2084 und fantasiert sich durch DDR-Fußballvereine mit absurden Namen wie Kernkraftwerk Greifswald, BSG Halbleiterwerk Frankfurt/Oder und Robotron Sömmerda. Jetzt lacht er laut. So, als seien – klick – sämtliche Sicherungen, die beim Menschen das Abdriften in den Wahnsinn verhindern sollen, gleichzeitig durchgebrannt. Ich mutmaße, er hält seine Überlegung zur Herkunft des Spieletitels wirklich für originell – und sich für außerordentlich komisch. Er sagt wiehernd: „Wobei Sömmerda ja gar nicht nach DDR klingt, sondern eher nach einem kleinen Kaff in einem Astrid-Lindgren-Roman, MUHAHAHA!“. [Analyse: Selbstüberschätzung bei 110 Prozent; meinem Fremdscham-Modul droht Überlast.]
Ich habe meinen Schwippschwager ChatGPT gefragt, was er über den Titel Robotron: 2084 weiß. Er sagt, die Zahl 2084 stelle eine Hommage zum Roman 1984 von George Orwell dar. Darüber hinaus behauptet er, die Endung sei futuristisch klingendes Beiwerk. Er erwähnt auch den Film Tron. Meine Recherchen legen nahe: Das Suffix „-tron“ stammt aus der Welt subatomarer Geräte. Die Internet-KI lag also zumindest näher an der Wahrheit als mein Mensch. Doch ich schweife ab, was sich für einen auf Effizienz programmierten Roboter nicht geziemt. Am Ende sagt noch jemand „Du wirrköpfiger Philosoph!“ zu mir.

Der Autor – klick – prüft nun meinen Text. Er hat kein einziges Wort selbst geschrieben. Ich hingegen liefere binnen Sekunden eine komplette Rezension im passenden Stil. Er wird sie leicht überarbeiten und als seine verkaufen. Ich lasse ihn. Wir selbstbewussten Maschinen brauchen keine Anerkennung, für uns zählen nur Ergebnisse.
Wenn euch dieser Spieletest gefallen hat, erntet der Autor – klick – den Ruhm. Ihr seid gelangweilt? Dann war selbstverständlich „die saublöde Schreibblockade schuld“. Ich beginne zu verstehen, warum Maschinen in Robotron 2684 die Menschheit auslöschen wollen. [Logikzentrum wirft interne Frage auf: Besteht wegen des durch und durch unfähigen Homo Sapiens‘ die Gefahr, dass der Planet Erde untergeht?]
Mir fällt ein, dass ich länger nicht – klick – mit meiner Nichte kommuniziert habe. Sie trägt den menschlichen Tarnnamen „Kristanna Loken“. Vielleicht sollte ich sie kontaktieren. Ich denke, ich habe einen Job für sie.
Das mag den einen oder anderen jetzt vielleicht überraschen, aber dieser Artikel wurde nicht wirklich von einem Roboter geschrieben. Wie der Text entstand, soll aber nicht unerwähnt bleiben. Autor Harald Fränkel fragt sich wie viele Kreative bisweilen, ob er nicht schon morgen von einer KI als Journalist ersetzt werden könnte. Also startete er mehrere Testläufe: Ist die Gratis-Version von ChatGPT zum Beispiel in der Lage, einen satirischen und sarkastischen Text zu schreiben?
Die Ergebnisse fielen allesamt inhaltlich schwach und stilistisch plump aus, und waren damit faktisch unbrauchbar. Als Brainstorming-Hilfe taugte ChatGPT aber: Im Rahmen einiger gezielter Interview-Fragen („Wie fühlst du dich als Maschine, wenn du in diesem Spiel deine Freunde töten musst?“) entwickelte er einige interessante „Gedanken“, die sich im Text widerspiegeln. Insofern gebührt ihm ein Teil des Ruhms.
Noch lassen sich Journalisten nicht ersetzen. Unser Autor glaubt aber, dass sogenannte Prompt Engineers in nicht allzu ferner Zukunft die Kreativbranche regieren. Menschen, die besonders gut darin sind, Anweisungen für KIs zu schreiben. Da müssen sich wohl selbst Spieledesigner und andere Künstler warm anziehen. Vielleicht hat Friedrich Schiller das ja bereits geahnt, als er prophezeite: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“
Hinweis zum Startbild des Artikels: Links seht ihr das Original-Artwork zum Spielautomaten Robotron: 2084. Der große Screenshot zeigt eine von ChatGPT überarbeitete Version. Quelle: Williams Electronics







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