In den letzten Artikeln habe ich hier immer und immer wieder meine Gefühle und meine Beziehung zu Retro-Spielen vor Augen gehabt und habe mit euch in Erinnerungen und tollen Klassikern aus verschiedenen Sphären geschwelgt. Von Zelda bis Subnautica, von Amiga bis PS5, von Pixelgrafik-Krachern bis hin zu den ersten 3D-Abenteuern war so ziemlich alles vertreten insbesondere auch durch eure Beiträge in den Kommentaren. Aber mir ist beim Abtauchen in diese längst vergangene Welten etwas aufgefallen und darüber möchte ich heute mit euch „reden“.
Am Anfang war das Spiel
Wenn ihr hier Videospielgeschichten lest oder schreibt oder beides tut, dann seid ihr wie ich auch mit Games mehr oder weniger groß geworden. Jeder von uns hatte mit einem bestimmten Spiel eine Initialzündung und ist danach an und mit seinen Lieblingsspielen gewachsen.
Für mich waren die Anfänge am PC so alte Dinger wie Traders welches ich an einer Tastatur mit meinem Kumpel stundenlang gesuchtet habe, nur damit Fat Mike seine Schnecken bekommt. Es waren Spiele wie Descent von der Heft-CD, die mir klar gemacht haben, wohin unsere Reise mit diesen Systemen gehen kann und es waren unfassbar viele Spielstunden Black & White die mir bis heute voller Humor und Zuneigung zum Spielen im Gedächtnis geblieben sind.
Ich bin mir sicher, am Ende könnte mir jeder von euch hier eine sehr komplette Liste mit Spielen abliefern (gerne in den Kommentaren ^^), zu denen er oder sie eine besondere Verbindung bis in den heutigen Tag hat.
Bei mir sind das zum Beispiel auch immer wieder drei Spieleklassiker aus alten Tagen, die ich nicht weglegen kann, bei denen ich auch unzählige Stunden in die Konfiguration von Emulatoren oder Umgebungen zum Spielen gesteckt habe. Da wäre zum einen das unfassbar fantastische Erben der Erde, eines der humorvollsten und fantastischsten Point & Click Adventures aller Zeiten und bis heute erinnere ich mich mit einem dicken Lachen im Bauch daran, wie man die Ratten in der Bibliothek überlistet.

Genauso lebendige Erinnerungen habe ich an Titel wie Jagged Alliance, mit seiner strategischen Komponente des modifizerens von Waffen mit Kleber und Stahlklumpen und einer witzigen Sprachausgabe. Es war unfassbar gut und hat mich ebenso lange beschäftigt wie das dritte Spiel dieser Kategorie.
In Conquest of the New World bin ich in die Eroberung Amerikas voll rein, habe den Ureinwohnern ihr wertvolles Land gegen ein paar Glasperlen eingetauscht und ihnen die Gegend unter dem Hintern wegkolonialisiert.

Es war fantastisch, es war 3D, es war strategisch, es macht mir heute noch eine unfassbare Laune. Also rein theoretisch zumindest, denn es gibt einen gewaltigen Haken und so kommen wir denn zu des Pudels Kern.
Die Verbindung zum Gefühl
Natürlich (!) habe ich mir all diese geilen Spiele aus meiner Jugend genauso versucht wieder auf meinem Rechner zu installieren, wie ich mir einen Game Boy Classic gekauft und wieder alte Cartridges zocke.
Wie ich da so sitze und wieder versuche mit Ivan in Jagged Alliance Bombenfallen zu entschärfen oder meine Truppen mit genügend Kavallerie in Conquest of the New World zu versorgen um den ganzen Nordamerikanischen Kontinent zu wipen, ist mir etwas aufgefallen. Ich habe keinen Spaß mehr daran. So. Jetzt ist es raus, ich habs gesagt und fühle mich instant schlecht dabei. Aber warum ist das so?
Nun, ich habe das ein wenig an mir selbst beobachtet und ich habe gesehen, dass es mehrere Gründe gibt. Zum einen kann man sich die alte 3D-Grafik, für die man damals ein halbes Auge gegeben hätte weil sie neu, innovativ und einfach geil war, nicht mehr wirklich angucken. Der Augenkrebs lässt grüßen. Ein weiterer Bitterstoff in der Limo ist die teilweise katastrophale Steuerung. Damals kannte man es einfach nicht anders, war froh drum einfach zocken zu können. Heute, wo es Spiele wie Duskfade gibt, dessen Steuerung sich anfühlt als würde man höchstpersönlich durch Zeit und Raum gleiten, kann man sich den Blödsinn gar nicht mehr antun. Und es macht traurig.
Ich habe also festgestellt, dass ich ein alter Mann bin, der am Ende des Tages nur noch eine Verbindung zu dem Gefühl von damals empfindet. Ich denke und fühle mit Genuss an die alten Zeiten, die alten Spiele und die alten Gefühle zurück. Aber das wars leider auch. Ich weiss nicht ob es euch auch so geht. Ich meine, NATÜRLICH begeistert es mich, wenn man zum Beispiel auf der Gamescom in der Retro-Ecke alte Games mal eben an einem richtig coolen Arcade-Stand suchten kann. Aber wenn ich mich heutzutage mit dem Game Boy Classic auf die Couch setze um eines der guten alten Spiele noch mal komplett zu Ende zu spielen, verliere ich nach einer Weile die Lust.

Auf der einen Seite ist das natürlich traurig und ich fühle mich irgendwie schlecht mit dieser Erkenntnis. Aber es gibt auch etwas Positives daran. Denn der Grund dafür, den ich anfangs irrtümlicherweise als eine Art Gaming-Burnout identifiziert habe, hat sich als etwas ganz anderes entlarvt.
Wir leben in einer fantastischen Gaming-Ära und der Grund für meine Verdrossenheit damit, die alten Granaten anzupacken, ist schlichtweg meine Begeisterung für unzählige hammerharte, supergute Megaspiele aus der heutigen Zeit. Ich LIEBE es mich in der Grafik von Final Fantasy VII Remake zu verlieren und feiere es in Forza Horizon 6 die Karossen über die Straßen Japans donnern zu lassen. Es sieht einfach unfassbar spektakulär aus, alles macht einfach Spaß und das ist Angebot so breit gefächert, dass für jedes Gusto ein Tellerchen zu schnabulieren ist.
Was war und was wird
Am Ende dieses Artikels habe ich mich mit euch von dem Schuldgefühl entledigt, dem Retro-Gaming ein wenig entwachsen zu sein. Das heisst nicht, dass ich nicht hin und wieder auch mal einen alten Klassiker wie Loom für mich daddeln werde, aber ich werde meine Zeit hauptsächlich wieder in die neuen Titel stecken ohne mich dabei mies zu fühlen. Das Gefühl für die alten Spiele, die Liebe zum Retro-Gaming, sie ist für mich noch nicht tot. Aber sie ist zumindest aktuell nicht mehr als meine Verbindung zum Gefühl, zurück in die alte Zeit, in die guten alten Tage meiner Jugend.
Wie ist das bei euch? Spielt ihr ausschließlich Retro Spiele oder mischt ihr bunt durch? Oder geht es euch mit den Klassikern vielleicht auch so ein bisschen wie mir? Lasst es mich in den Kommentaren gerne wissen.






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