Manche Blogs begleiten einen über Jahre – leise, beständig und mit einer ganz eigenen Stimme. So ist es auch bei ResCru.de. Seit 2016 schreibt Anna dort über Videospiele, persönliche Eindrücke und das, was zwischen den Zeilen bleibt. Ein Gespräch über Anfänge, Motivation und die Frage, warum das Schreiben über Spiele manchmal mehr ist als nur ein Hobby.
Das Interview mit Anna „RoxyResistant“ führte André Eymann im April 2026.
Danke, Anna, dass du uns ein paar Fragen zu deinem Spieleblog ResCru.de beantworten möchtest. Wenn du an deine ersten Schritte mit dem Blog zurückdenkst: Was hat dich damals überhaupt dazu gebracht, über Videospiele zu schreiben?

Ich habe eigentlich schon immer sehr gerne geschrieben. Als Kind waren es Kurzgeschichten, die ich mir ausgedacht habe, später Fan Fictions zu Bands oder anderen Dingen, die ich mochte und mit meinen Freunden habe ich viele Notizblöcke gefüllt. Wir haben Geschichten im Wechsel entstehen lassen. Abwechselnd Seite für Seite.
Das ist allerdings irgendwann im Sand verlaufen, das Leben eben. Durch Twitter habe ich dann allerdings ein paar tolle Menschen kennengelernt, die eine eigene Videospiel-Website betrieben haben. Mit Reviews, News, das volle Programm. Bei ihnen durfte ich meine Anfänge finden. Schreiben, meinen Stil finden. Der Nachteil ist, dass hier gewisse Beteiligung vorausgesetzt wird, die ich zeitlich irgendwann nicht mehr bedienen konnte.
Ganz verzichten auf das Schreiben über Spiele wollte ich allerdings nicht und so habe ich mir einen 0815 WordPress Blog erstellt und einfach los getippt. Über Spiele, die ich beendet hatte und wie ich sie bewerten würde. Einfach für mich. Ich hätte nie gedacht, dass das jemanden interessiert oder es überhaupt gelesen wird. Dementsprechend unscheinbar war das alles. Aber ich hatte Spaß daran und das war für mich alles was zählt.

Seit nunmehr zehn Jahren – also seit 2016 – veröffentlichst du bereits Artikel über Videospiele. Zu Beginn noch unter dem Blognamen „Resistant Gaming“ und heutzutage unter der Flagge „ResCru“. Wobei ich davon ausgehe, dass ResCru aus den beiden Namensteilen „RoxyResistant“ und „Crusard“ besteht. Erinnerst du dich noch an deinen ersten veröffentlichten Beitrag – und daran, wie sich dieser Moment angefühlt hat?
Ja. 10 Jahre. Hätte mir jemand jemals gesagt, dass ich das so lange mache, hätte ich ihm nicht geglaubt. Genau, ResCru ist mithilfe von Crusard entstanden und damit irgendwie erwachsener geworden über die Jahre. Mit seiner Hilfe konnten wir schon allerhand schöne Websiten bilden und falls es im Hintergrund Fehler gibt, dann weiß er wie, wo, was. Ich bin zwar auch nicht ganz ahnungslos, aber ohne ihn würde ResCru heute nicht so existieren, wie es nun online ist.
Mein erster Beitrag…. Ich bin ehrlich, dass musste ich nachsehen. Ich bin froh, wenn ich noch weiß, was ich gestern gegessen habe. 😀 Es war Unravel damals und immer wenn ich mir die alten Beiträge ansehe, dann denke ich nur: Der Schreibstil ist schlimm und alles könnte einmal überarbeitet werden. Aber damals war ich einfach froh, das ich überhaupt irgendwelche Sätze niederschreiben konnte. Wie es sich angefühlt hat… Eigentlich nicht sonderlich besonders, eher als würde man einen Tagebuchgedanken ins Netz schreiben, den am Ende sowieso keiner liest, aber es sich für mich selber einfach gut anfühlt es zu teilen
Gab es für dich einen Augenblick, in dem dir klar wurde: Der Blog ist mehr als nur ein Hobby?
Auf den Augenblick warte ich ehrlich gesagt noch immer.
Der Blog ist und bleibt für mich ein Hobby. Denn anders würde ich vermutlich zu schnell den Spaß verlieren. Mit Druck und Stress macht so etwas in meinen Augen einfach weniger Spaß und das würde sich in den Beiträgen bemerkbar machen.
Natürlich ist Rescru gewachsen. Das merke ich an den Resonanzen der Leser, dass ich hier jetzt solche Fragen beantworten darf, das ich zur Gamescom akkreditiert werde und auch an den ganzen Kontakten in der Branche, die ich über all die Jahre kennenlernen durfte. Ein paar auch ein bisschen besser als ich jemals geglaubt hätte.
Das ist alles oft immer noch ziemlich surreal für mich. Immer wenn mir jemand sagt: „Hey, der Beitrag gefällt mir, das Spiel schaue ich mir mal an“- oder fragt, wann denn mein Review kommt, weil meine Meinung wertgeschätzt wird, dann freue ich mich wie ein kleines Mädchen. Das ist toll, wenn mein Hobby noch andere begeistern kann.

Wenn ich richtig gezählt habe, sind mittlerweile über 400 Artikel entstanden. Wo liegt der inhaltliche Schwerpunkt des Blogs?
Über 400. Ich kann nicht mal sagen, ob das für 10 Jahre wirklich viel ist. Aber der Schwerpunkt liegt ganz klar auf Reviews. Manchmal eben auch Texte über Events, wie die Gamescom und welche kommenden Spiele wir dort empfehlen können. Kurzzeitig eben auch die Klartext sparte, die nie wirklich genutzt wurde. Wir hatten wohl nicht viel, worüber man sich mal aussprechen musste. 😀
Reviews zu Spielen und Technik. Das ist es, wo wir uns drauf fokussieren.
Einen kleinen Podcast gab es auch mal. Ob wir es schaffen den weiterzuführen, kann ich allerdings nicht sagen. Vielleicht irgendwann, wenn die Zeit es hergibt.
ResCru ist ein klassischer Blog. Wie hat sich das Bloggen in Zeiten von Social Media in den letzten Jahren für dich verändert?
Ohne Social Media kriegt man quasi keine Reichweite. Ohne Reichweite braucht man bei einigen Studios gar nicht erst anfragen. Mir war Reichweite nie 100% wichtig. Bei Absagen, habe ich das Spiel eben, wenn möglich, gekauft und trotzdem darüber geschrieben.
Trotzdem versucht man durch das Teilen auf den Plattformen Leser zu finden. Das gehört dazu irgendwie, oder? Social Media ist immer gleich geblieben, nur die Orte haben sich von Facebook über Twitter und jetzt eben für uns zu Bluesky verschoben. In Zeiten, wo jeder ungefragt seine Meinung überall runterknallt und sich hinter Avataren verstecken, ist Social Media ein gar nicht so sozialer Ort mehr. Aber ohne geht es eben auch nicht und für ResCru war das immer ein Ort, um neue Leser zu erreichen.
Was treibt dich persönlich an, Texte zu verfassen? Was macht das mit dir?
Ich liebe einfach das Schreiben. Noch mehr, wenn ich über etwas schreiben kann, was ich liebe. Es holt mich oft auch einfach aus dem stressigen Alltag, wenn ich mich hinsetzen und ein Review verfassen kann. Es holt mich runter und wenn ich damit dann noch ein, zwei Menschen da draußen erreiche, dann bin ich zufrieden. Und wenn nicht, dann auch gut.
Ich mache es für mich, weil es mir gut tut und einfach Freude macht.
Das treibt mich an, auch wenn es manchmal stressig wird, aufgrund der Menge an Mustern und das ich fast alles alleine bearbeite. Ich mag einfach zu viele Genre Querbeet und da kommen dann schon mal schnell einige Titel zusammen, die es „abzuarbeiten“ gilt, zwischen Arbeit, Kind und Alltag.
Aber wo ein Wille ist… ihr wisst schon.

Hast du aktuelle Pläne, wie es mit ResCru weitergehen wird? Was liegt dir am Herzen? Wohin soll sich der Blog entwickeln?
Einfach weiter wie bisher. Auf Bluesky noch etwas zu wachsen wäre schön, nachdem X ja nicht mehr wirklich zu nutzen ist. Ich möchte es einfach weitermachen, solange es sich gut für mich anfühlt. Da steckt so viel Herzblut und Arbeit drin, die ich einfach nicht aufgeben möchte, aber für große Entwicklungen fehlt es mir einfach an Zeit. So wie es ist, ist es gut.
Gibt es etwas, das du Leserinnen und Lesern mitgeben möchtest, die vielleicht selbst mit dem Gedanken spielen, über Videospiele zu schreiben?
Wenn ihr etwas liebt, dann macht es. Macht es aber nicht davon abhängig, dass ihr unbedingt großen und schnellen Erfolg damit haben möchtet, das setzt euch nur unter Druck und versaut euch alles. Macht es, weil ihr es liebt und weil es euch Spaß bringt. Es muss euch gut gehen damit und egal wie frustrierend der Anfang ist: Es wird besser.
Links
Quellen
- Screenshots von wayback machine







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