Es gibt keine schlechten Spiele

Es gibt keine schlechten Spiele

André Eymann

169 Beiträge · 1.132 Kommentare · tragende Stimme der Community

Es ist Zeit mir etwas von der Seele zu schreiben. Seit Jahren höre ich immer wieder, wie Spiele als „Fail“ oder „Flop“ bezeichnet werden. Meine Meinung ist: es gibt keine schlechten Spiele!

Als ich meine Gedanken für diesen Text zu sortieren begann, wusste ich gleich, dass sich der Beitrag fast von allein schreiben würde. Denn das Thema berührt mich sehr persönlich und triggert mich stark.

Als ich mit dem Videospielen begann, schrieben wir das Jahr 1983. Ich stand im Imbiss meiner Eltern und zockte das Automatenspiel Galaga von Namco. Kurze Zeit später zog das Atari VCS bei meinem damals besten Freund ein. Dort lernte ich dann Phoenix und Centipede kennen. Es waren die „goldenen Zeiten“ des Gamings. Was immer das auch bedeuten mag.

Seitdem spiele ich Videospiele und denke (fast) täglich an sie. Ich habe die gesamte Heimcomputerzeit (Atari, Commodore, Sinclair usw.), sowie die ersten Spiele-PCs und Konsolen miterlebt und unzählige Spiele gespielt. Ich habe sprichwörtlich alles gezockt. Große Titel, kleine Titel, selbst-abgetippte Listings, billige Kaufspiele, kaputte Spiele, einfach alles. Schon damals hatte ich das Gefühl, dass kein Spiel „besser“ als das andere wäre.

Natürlich habe ich auch Spielzeitschriften von der ersten deutschen Publikation (Telematch) an konsumiert. Habe den anarchischen Beginn der Abtipphefte über die ersten Magazine bis zum sogenannten Niedergang der Print-Spielepresse miterlebt. Wertungskästen, Meinungskästen, das Dilemma mit den „gekauften“ Redakteuren und vermeintlich neutralen Reviews miterlebt.

Und immer habe ich gespielt.

Dabei fiel mir damals schon im Freundeskreis eines auf. Oft hatte ich große Freude an Spielen, die andere doof oder „schlecht“ fanden. Ich hatte mich rettungslos in so manches BASIC-Spiel verliebt und habe selbst viel abgetippt oder modifiziert.

Ich erinnere mich beispielsweise an Pimania (ZX81) mit dem ich Stunden verbrachte, obgleich es als sehr sperrig und wenig zugänglich bewertet wurde. Mich hat es dennoch fasziniert, weil ich unbedingt herausfinden wollte, was das Geheimnis des Spiels war. Auf diesem Weg wurden das Spiel und ich zu Freunden. Oder auf dem C64 das Spiel „Oel“, das auf den ersten Blick eine langweilige Wirtschaftssimulation war, die meinem Buddy und mir damals aber viele Monate Spielfreude schenkte.

Es lag auch sicher daran, dass ich mit einem kleinen Rechner namens ZX81 in die Computerwelt gestartet bin. Für den gab es nicht viel kommerzielle Software. Also spielte ich, was es gab oder schuf mir eben selbst meine Welten.

Der Konsum verführte mich also nicht, sondern die Demut und Leidenschaft für Exoten und (begrenzten) Möglichkeiten trieben mich an und wuchsen in mir. Daraus ist eine Grundeinstellung, ein unausgesprochenes Mantra, wenn man so will, geworden. Seit damals pflege ich die Liebe zu kleinen oder sagen wir mal einfachen Dingen zu schätzen.

Das manifestiert sich darin, dass ich es grundsätzlich nicht mag, Dinge abzuwerten oder meine Meinung über andere Meinungen zu stellen. Was anderen gefällt, muss mir nicht gefallen. Gleichwohl kann es dem anderen Freude bereiten.

Gerade heute Morgen habe ich wieder in einem Podcast gehört, wie sich ehemalige Spieleredakteure an einem vermeintlichen Spiele-„Fail“ abgearbeitet haben. Ich konnte dem Gespräch nicht lang zugehören. Ich kann verstehen, dass man mit Berichterstattung über Produkte Geld verdienen möchte. Aber im Kontext von Videospielen funktioniert das bei mir nicht. Ich brauche niemanden, der ein Spiel für mich derart einordnet. Ich kann selbst entscheiden, was mir gefällt und was nicht. Und selbst wenn ein Spiel mir nicht gefällt, dann gefällt es vielleicht einem anderen. Es wird dann nicht automatisch „schlecht“ in meinen Augen.

Auch weil ich schon so lange Spiele, wird mir immer klarer, wie sehr Videospiele Kunst sind und immer schon waren. Dass man sich über Kunst austauschen kann und sollte, finde ich natürlich und nachvollziehbar. Aber sie „objektiv“ zu vermessen oder gar abzuwerten macht aus meiner Sicht keinen Sinn. Kunst wird immer individuell betrachtet und löst sehr persönliche Bezüge aus. Und genau so sollte es bei Videospielen auch sein.

Es gibt aber natürlich Spiele, die technisch kaputt oder unfertig sind. Oder welche, die ständig abstürzen. Das aber meine ich nicht. Mir geht es darum, wie Videospiele berühren und wirken.

Ich halte es für sehr anmaßend „objektiv“ über ein Spiel zu werten. Und genau deshalb gibt es für mich auch keine schlechten Spiele. Jedes Spiel sollte vom Individuum aus betrachtet werden. Dahinter steht auch die noch größere Botschaft mit Demut und Offenheit durch das Leben zu gehen. Sich in Toleranz und Respekt zu üben und die Ansichten anderer zuzulassen.

Was ist eure Meinung dazu? Wurdet ihr auch schon einmal belächelt, weil ihr ein vermeintlich „schlechtes“ Spiel gemocht habt? Wie denkt ihr darüber? Ich freue mich auf den Austausch mit euch.

Reaktionen

So wurde diese Geschichte aufgenommen:

Hat dir diese Geschichte gefallen?

Dann hinterlasse ein Herz – oder diskutiere in den Kommentaren mit.

Andreas a.k.a. PoeSven StyleszMario SommerMichaelTobiLucamore

Stimmen aus dem Fediverse

Kommentare

Hier wird diskutiert — vielleicht auch von dir? 👉 Jetzt mitreden!

36 Kommentare zu „Es gibt keine schlechten Spiele“

  1. Avatar von Andreas a.k.a. Poe
    VSG-Autor

    Ich musste lange für mich überlegen, was eigentlich ein schlechtes Spiel ausmacht. Die Story, das Genre, die Steuerung oder die Grafik? Ich kann darauf tatsächlich keine Antwort geben. Selbst wenn ich ein Spiel generell nicht mag, ist es nicht unbedingt schlecht.

    Ich nenne hier einfach mal Shaq Fu, ein Prügelspiel für das SNES. Es gehörte wirklich lange Zeit zu meinen am meisten gehassten Spielen, dass ich sogar darüber nachdachte an dem Onlineaufruf teilzunehmen, der es sich zum Ziel gesetzt hat, alle Module auf dieser Erde zu vernichten. Doch ich habe es nicht getan. Ganz im Gegenteil – ich habe mich wieder auf das Spiel eingelassen und Aspekte für mich dabei entdeckt, die wirklich Spaß machen.

    Es ist mir dabei ziemlich egal, ob Spiele in Reviews zerrissen oder schlechtgeredet werden. Oftmals habe ich genau solchen Spielen eine Chance gegeben und wurde kaum bis selten enttäuscht. Wenn man sich wirklich auf ein Spiel einlässt, findet man immer Aspekte für sich, die dem Ganzen auch etwas Gutes abgewinnen. Und nur weil man ein Spiel nicht mag, ist das bei weitem kein Grund, anderen die Meinung aufdrücken zu wollen, es sei schlecht.

  2. Avatar von Uli Hacke
    VSG-Autor

    Ich sag‘ mal so: es gibt keine schlechten Spiele – aber es gibt Spiele die mir nicht gefallen 🙂

    André Eymann
    1. Avatar von André Eymann

      Ok. Das ist on point 😂

      Da gehe ich natürlich mit Uli.

  3. Avatar von DocOwer
    VSG-Autor

    Oh André, ich mag deinen harmonischen, nachgerade liebevollen und so optimistischen Blick auf die Branche, aber in kaum einem Artikel hätte ich dir mehr widersprechen können als in diesem 😀

    Nicht, dass ich deine Erfahrung grundsätzlich nicht als Valide anerkennen würde – ganz im Gegenteil. Ich bin selbst jemand, der oft die Spiele in der zweiten Reihe auch mal gern mag, und an manchem (zumindest zeitweise) verpönten Spiel auch viel Spaß hatte. Final Fantasy: Crystal Chronicles sei genannt, das als Hoffnung für das Wiedererscheinen dieser großartigen Serie auf dem Gamecube gefeiert wurde, und dann so ganz anders wurde, als die meisten Spieler es sich erhofft hatten. Oder Bloody Roar 4, ein wunderbares Prügelspiel, das von den Fans in einem niedergehenden Genre quasi ignoriert und von der Fachpresse abschätzig bewertet wurde.

    Auch gibt es Journalisten, die unter dem Deckmantel scheinbarer Objektivität ihre Meinung in jeder Zeile durchscheinen lassen, und sich dabei wie unerreichbare Helden der Szene betrachteten. Deren Artikel waren oft genauso durchschaubar wie die Spiele gut, die sie in flott geschriebenen Glossen als „Review“ abgekanzelt hatten.

    Aber schlechte Spiele? Die gibt es. In ganz vielen unterschiedlichen Kategorien, sogar.

    Mal ganz offensichtlich gibt es die moralisch schlechten Spiele. Spiele, die so ausgelegt sind, dass sie räuberische und süchtig machende Spielmechaniken ins Kern-Gameplay einbauen und darauf ausgelegt sind, Spieler an sich zu binden, ihre süchtigmachenden Features so auszuspielen, dass Spieler, einmal angebissen, dabei bleiben und Geld nachwerfen. Gacha Spiele, oder Spiele, die einerseits hochkompetitiv sind und andererseits „Pay to Win“ / „Pay to Progress“-Mechaniken anbieten, sind verderbt und schlecht. Die kann man nicht schön reden. Ich kenne Leute bei einem Entwickler, die ein ziemlich „räuberisches“ MMO anbieten und vertreiben. Die wissen genau wie ihr Spiel die Menschen aussackelt. Und denen ist es egal. Die freuen sich dafür über einen dicken Bonus im Jahr.

    Dann gibt es aber auch spielerisch schlechte Spiele. Nicht bei allen Spielen steckt so viel Liebe und Passion von Entwicklern drin. Manche sind einfach nur abgelieferte Arbeiten, für welche die Leute Geld verdienen. Andere sind schlampig gemacht, sitzen mit einem ähnlich klingenden Titel im Fahrwasser erfolgreicher Spiele. Oder manche Spiele sind einfach nur Scam – grade auf der Switch im Nintendo eShop gibt es unfassbar viele unfertige, schlechte und billig gemachte „Spiele“, die einfach nur rausgehauen werden, um irgendeinen Dummen mit einem Angebot und paar schönen Screenshots anlocken zu können.

    Und man kann Spiele durchaus auch Objektiv beurteilen. Es gibt manche Spiele, die kommen unfertig auf den Markt. Manche Spiele sind verbuggt. Manchen Spielen fehlt der Feinschliff, weil sie ein µ zu früh veröffentlicht wurden. Releasedruck, Managemententscheidung, was auch immer. Natürlich muss man sowas auch beurteilen können. Die unfairen Spielmechaniken in Infinite Undiscovery machen das Spiel einfach teilweise schlecht. Die vielen belanglosen Quests zum Ende von „Xenoblade 2 Torna: The Golden Country“ sind reingepackt worden um die etwas magere Spielzeit zu strecken. Da gibt’s kein Cover von „liebevollen Entwicklern“ – das sind einfach oft nur Entscheidungen der Publisher oder Producer, die einem Spiel manchmal den Spaß nehmen. Ein „Lunar: Dragon Song“ kann in keinster Weise als gutes Spiel angesehen werden und ist für alle Spieler verschwendetes Geld, wenn sie es kaufen würden. Das kann man durchaus beurteilen.

    Natürlich war ich jetzt etwas harsch auf deinen wirklich gut gemeinten und in vielen Teilen auch wahren Text. Aber es wäre meiner Meinung nach falsch, die Augen vor schlampigen, räuberischen oder bewusst mit Fehlern oder Bloat content bestückten Spiele deswegen zu ignorieren. 🙂

    André Eymann
    1. Avatar von André Eymann

      Lieber Flo, was für ein wunderbarer Kommentar von Dir! Ich freue mich sehr über Dein Feedback und Deine Gedanken.

      Es wundert mich nicht, dass Du meinen Beitrag als harmonisch oder optimistisch betrachtest. Denn in meiner Argumentation gehe ich von einer etwas anderen Betrachtung aus als Du. Ich glaube allerdings nicht, dass sich unsere Sichtweisen grundsätzlich widersprechen.

      Mir geht es vor allem darum, was Spiele für Menschen bedeuten können. Welchen persönlichen Wert sie haben können. Weniger um „harte“ Kriterien wie wirtschaftlichen Erfolg, technische Qualität oder defekte Spielmechaniken.

      Auf den Punkt der moralisch oder ethisch problematischen Spiele bin ich in meiner Antwort auf Boris bereits kurz eingegangen. Und da bin ich durchaus bei Dir: Natürlich kann man Spiele oder bestimmte Geschäftsmodelle absolut als „schlecht“ bewerten – gerade dann, wenn sie bewusst manipulativ oder ausbeuterisch funktionieren.

      Ich glaube aber, dass wir das Wort „schlecht“ unterschiedlich betrachten.

      Mir geht es im Beitrag eher um die Vorstellung, dass ein Spiel, das jemanden persönlich berührt oder begeistert, nicht automatisch wertlos wird, nur weil andere Menschen es ablehnen oder weil es objektive Schwächen besitzt.

      Denn gerade in der Kunst und Kultur fällt es mir schwer, ein Werk als Ganzes endgültig abzuschreiben. Dafür sind Wahrnehmungen und Erfahrungen zu subjektiv.

      Das schließt selbstverständlich nicht aus, dass es schlechte Mechaniken, schlechte Entscheidungen oder schlechte Absichten geben kann. Da bin ich ganz bei Dir. Ich glaube nur, dass ich den Blick stärker auf die individuelle Spielerfahrung und die persönliche Bedeutung eines Spiels gelegt habe.

      Wolfgang
      1. Avatar von DocOwer
        VSG-Autor

        Interessanter Punkt! Aus der Sichtweise heraus sind natürlich meine Punkte etwas aufgehoben, denn wenn jemand z.B. durch ein Spiel bestimmte Erfahrungen sammelt, die im Leben grade durch eine schwere Zeit helfen, dann ist es natürlich egal aus welcher faktischen Beurteilung heraus man ein Spiel „schlecht“ bewerten würde.

        Dass man sich von anderen Leuten die eigenen, positiven Erfahrungen nicht abstreiten lassen sollte, ist dabei absolut selbstverständlich.

        Wobei, ein klein bisschen bleibt in der Diskussion noch ein gefährliches Moment. Es gibt ja die „bösen“ Spiele (nennen wir sie mal so, um das Stigma „schlecht“ zu umgehen). Diejenigen, die Spieler binden wollen. Die bewusst und absichtlich süchtigmachende und manipulative Mechaniken haben. Diese Spiele können Spieler unfassbar gut binden und auch eine scheinbar positive, wohlige Erfahrung vermitteln.

        Ich denke in diesem Zusammenhang sollte man als Freund oder Partner in dem Sinne auch dann versuchen können, auf die Leute einzuwirken, vom „bösen“ Spiel abzulassen. Aber das trifft ja auch nicht deine Beschreibung von „schlecht“ – sondern eben „böse“. Das wär auch schon wieder ne eigene Story wert 🙂

        André Eymann
        1. Avatar von André Eymann

          Beitragsidee: „Ich mag keine bösen Spiele!“ 😂

  4. Avatar von Michael Kokemor
    VSG-Autor

    Toller Beitrag, lieber André, der mir (ähnliche Videospielhistorie wie bei Dir) komplett aus der Seele spricht.

    Es gibt für mich nichts schlimmeres, als Kunst, zu der ich natürlich auch Videospiele zähle, vermeintlich objektiv mit Noten zu bewerten, in Listen zu packen, in Excel zu sortieren, was weiß ich. Hat noch nie geklappt, wird es auch nie.

    TobiAndré Eymann
    1. Avatar von André Eymann

      Danke Michael für Dein Feedback! Du hast absolut recht. Das wird ja auch nur aus „Geldgründen“ gemacht denke ich. In der individuellen Rezeption macht es null Sinn.

  5. Avatar von Jo
    Jo
    Gast

    Ich spiele gerade zum ersten Mal mit großer Freude „Home Alone“ in der SNES Version. Den Film habe ich damals geliebt und wenn (!) einer meiner Freunde das Spiel damals besessen hätte, hätten wir es vermutlich auch gesuchtet. Hatte aber niemand 😂 Obwohl es als typische Filmumsetzung natürlich objektiv viel „falsch“ macht, finde ich total spannend wie man versucht hat Elemente aus dem Film einzubauen. Wenn man nicht wüsste, dass es das „Home Alone“ Spiel ist, wäre es vermutlich auch schwer zu erkennen. In den zeitgenössischen Tests wurden die MD und GB Versionen ziemlich abgestraft. Zu der SNES Version konnte ich keinen Test finden.
    Aber klar, die Steuerung ist überladen und unpräzise, meist weiß man nicht warum man eine Aktion ausgelöst hat und es ist dann doch sehr repetitiv. Witzig finde ich es trotzdem. Jetzt muss ich nur noch alle Haustiere der Familie McAllister finden, um Level 3 abzuschließen….

    André EymannWolfgang
    1. Avatar von Wolfgang
      VSG-Autor

      Auf Vintage Gamers gibt es einen kurzen Beitrag dazu. Ist allerdings kein „klassischer Test“. https://www.thevintagegamers.com/2021/12/home-alone-for-the-snes/

      Ich hatte die Mega Drive Version von dem Spiel, dazu hat Kultboy Scans der damaligen Magazine. Ist jetzt nicht Super Nintendo, aber beide Versionen waren recht ähnlich, soweit ich weiß. https://www.kultboy.com/index.php?site=t&id=8993

      Danke für das Beispiel! Zeigt toll, welche unterschiedlichen Dinge einem ein Spiel geben kann.

      André Eymann
      1. Avatar von Jo
        Jo
        Gast

        Cool! Danke für die Links.
        MD und SNES Versionen scheinen nach dem Videogames Test allerdings sehr unterschiedlich zu sein. Angefangen vom „Kevin-Sprite“ welches auf dem SNES gar nichts mit seinem Vorbild zu tun hat. Auf dem SNES fährt man auch nicht mit dem Schlitten zwischen den Häusern umher. Die MD Fassung klingt auf jeden Fall auch echt interessant.

        André EymannWolfgang
        1. Avatar von Wolfgang
          VSG-Autor

          Da muss ich jetzt auch nochmal genauer reinlesen, danke! Von meiner Erinnerung her hatte ich beide recht ähnlich im Kopf. Jetzt habe ich richtig Lust bekommen, im Fundus zu kramen. Vielleicht habe ich die Mega Drive Version doch noch irgendwo..

          André Eymann
  6. Avatar von Chris
    Chris
    Gast

    Bin auch kein Fan davon, Spiele vermeintlich objektiv als gut oder schlecht zu kategorisieren. Oder Teilaspekte davon. Labels wie über/unterbewertet sehe ich ähnlich problematisch. Ist am Ende eine Frage persönlicher Vorlieben und Bedürfnisse.
    Bei mir gab es durchaus Fälle, in denen ich Spiele mit kritischen Wertungen sehr genossen habe. Star Fox Assault gilt als durchwachsen, für mich ist es das beste Spiel aus der Reihe. Soul Hackers 2 gilt als schwaches Shin Megami Tensei Spin-off, ich habe es gefeiert. Der Soundtrack von Breath of Fire III ist für mich einer der besten und originellsten im JRPG-Bereich. Er wurde damals dafür abgestraft, jazzig statt genre-typisch symphonisch oder rockig zu klingen.
    Was ich tatsächlich öfter erlebe ist der umgekehrte Fall: Als sehr gut kategorisierte Spiele, die mir persönlich nichts geben, auch wenn sie von der Art meinem Geschmack entsprechen würden. Ein Standpunkt, der online teilweise heftige Gegenreaktionen provoziert hat. Dabei wird in den Diskussionen meist deutlich, dass sich bei verschiedenen Leuten oft grundlegend unterscheidet, welche Elemente als spaßig, emotional mitreißend oder ästhetisch schön empfunden werden, und wie stark sie gewichtet werden.
    Daher schlussfolgere ich: Es gibt auch keine guten Spiele 😀

    TobiAndré EymannWolfgang
  7. Avatar von Wolfgang
    VSG-Autor

    Weiterer kleiner Denkanstoß: Leute suchen sich Videospiele hinsichtlich „ihrer Bedürfnisse“ aus. Ob das Spiel jetzt „technisch gut“ oder schlecht ist, steht da nicht unbedingt im Vordergrund. Oder finanziell ein Flop oder Top Seller ist.

    Es kann z.B. ein Wunsch nach Autonomie sein, also möglichst viel bestimmen zu können. Dass ich Entscheidungs- und Handlungsfreiheit habe, wie ich „Dinge spiele“. Weil es im (Berufs)Alltag vielleicht weniger der Fall ist. Das „Kompetenzerleben“ kann eine Rolle spielen. Vielleicht zeigt ein Spiel für jemanden „in dem Moment idealer und klarer“, welche Auswirkung das eigene Tun (in der Spielewelt) hat. Und ist dabei weder zu leicht noch zu schwer. Das Erleben von Kompetenz und das Gefühl des Erfolgs (wie auch immer dieser aussieht) sind sozusagen Best Buddies. Etwaig möchte wer mit anderen etwas gemeinsam erleben, Zugehörigkeit empfinden. Das klappt dann im Multiplayer, oder auch bei einem Spiel, dass „in einer Community gerade gefeiert wird“. „Ich möchte das auch spielen, probieren, dann fühle ich mich als Teil dieser Community.“

    Das alles geschieht bewusst, aber auch unbewusst. Ein „Spiele Hopping“ kann eben auch deshalb passieren, weil ein Spiel ein Bedürfnis aktuell nicht erfüllen kann. Gestern hat es das vielleicht noch getan. Alles ganz spannend 🙂

    Danke André für das „Raushauen“ deiner Gedanken! Sorgt mal wieder für Schwung 🙂

    André EymannTobi
    1. Avatar von André Eymann

      Ein guter Gedanke lieber Wolfgang! Darüber werde ich noch weiter nachdenken.

      Übrigens: falls Du die Zeit findest, höre gern mal in den Pixelplausch 17 rein. Dort sprechen wir auch darüber in verschiedenen Facetten. Das ist sehr interessant.

      TobiWolfgang
  8. Avatar von Boris Kretzinger
    Gast

    @blog Schöner Artikel, danke fürs Teilen André! Ich mag auch so manches Spiel (oder auch gleich eine ganze Konsole 😄), die gemeinhin als schlecht eingeschätzt wird. Daher fühle ich mit bei deiner Botschaft. Ich nehme den Gedanken mal mit und bewege ihn noch etwas hin und her. Was ich auf jeden Fall mitgehe: objektive Kritik ist ein Widerspruch in sich, und ich mag es auch nicht, wenn man einer vorherrschenden Meinung einfach hinterherrennt, ohne sie zu hinterfragen. Zu oft werden die Macher und deren Struggle hinter den Spielen vergessen, zu oft leichtfertig etwas abgetan. E.T., das hier ja auch schon direkt genannt wurde, ist so ein ganz klassischer Fall: das Spiel ist nicht leichter oder schwerer als Raiders of the Lost Ark zuvor auf derselben Konsole, aber steckt enorm viel Kritik ein, weil jeder denkt, es habe Atari im Alleingang ruiniert. Da spielt dann noch rein, dass wir uns alle scheinbar insgesamt besonders monokausale Erklärungen für Phänomene gerne merken und Komplexität in Erklärungen mit wenig Geduld begegnen. Also: Gehe ich alles mit! Wir beide mögen ja auch Bobby und Lilly auf dem VCS 😎🙌

    Womit ich mich noch etwas schwer tue: Es gab und vermutlich gibt es auch noch Spiele, die nicht wegen Technik, Spielmechanik, Grafik oder Sound negativ auffallen, sondern wegen ihrer Handlung oder Botschaft. Was, wenn ein Spiel ethische und rechtliche Grenzen übertritt? Zugegeben, insgesamt gesehen ist das nur ein kleiner Bruchteil aller Games, aber es gibt sie. Für mich lautet die Arbeitshypothese daher erstmal: Es gibt nur ganz wenige wirklich schlechte Spiele.

    So, jetzt will ich das aber gerne auf einer positiven Note enden lassen. Daher hier eine kleine Auswahl allgemein als schlecht geltende Spiele, die ich mag:

    + Pac-Man auf dem 2600er
    + Cybermorph auf dem Jaguar
    + Supercross 3D auf dem Jaguar
    + Dark Star auf dem C64

    Cheers mein Lieber! ✨

    TobiWolfgangAndré Eymann
    1. Avatar von André Eymann

      Bobby und Lilly 😍

      Danke Boris für Deine ausführliche und interessante Rückmeldung. Ich mag diese Beobachtung sehr: „Komplexität in Erklärungen mit wenig Geduld begegnen“ – denn es ist richtig: die Dinge sind in der Regel komplex und wir müssen schon allein deshalb differenziert sprechen und verschiedene Blickwinkel zulassen.

      Ich muss gestehen, dass ich an „problematische Spiele“ während des Schreibens meines Beitrags überhaupt nicht gedacht hatte. Solche Spiele könnte man natürlich als „schlecht“ bezeichnen. Im Rahmen meiner These habe Spiele dieser Art einfach ausgeblendet. Jetzt wo Du es erwähnt hast, würde ich sie eher in die Kategorie „problematisch oder untragbar“ einsortieren. Hier kollidiert meine These auch ein wenig, weil es Spiele gibt, die rechtliche, moralische oder ethische Grenzen überschreiten. Die Frage ist dann nämlich, darf man solche Spiele dennoch mögen oder toll finden? Philosophisch bestimmt, aber ethisch: nein.

      Ich liebe Deine Liste am Ende Deines Kommentar. Klar, den Flacker-Flacker-Pac-Man hatte ich auch sofort im Sinn. Dennoch lieb ich ihn auch sehr! ❤️

      Toller Kommentar Mate!

      Tobi
  9. Avatar von Tilobyte
    Gast

    @blog Naja, es gibt einen Unterschied zwischen Flop und schlechten Spielen. Denn nur weil ein Spiel nicht erfolgreich ist, muss es ja nicht schlecht sein.

    André Eymann
    1. Avatar von André Eymann

      Absolut richtig finde ich. Schauen wir uns den Markt der Indie-Spiele an. So viele „gute“ Spiele, die keineswegs immer sehr erfolgreich sind. Zumindest nicht aus finanzieller Sicht.

  10. Avatar von Thilo Nemitz
    VSG-Autor

    Wahre Worte. Sehe ich ganz ähnlich. Das ist imo das Problem mit schlechtem Journalismus. Selbsternannte Experten und Spielekenner sagen: Das Spiel ist schlecht. Anstatt zu sagen: Ich FINDE das Spiel schlecht. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Denn ein Spiel kann alleine gar nicht schlecht sein, sondern nur in Relation. Man könnte sagen, dass ein bestimmtes Rollenspiel besser als ein anderes ist, weil es mehr Spaß macht, bessere Grafik hat etc. Aber das macht keins der beiden Spiele gut oder schlecht. Und darin liegt eine philosophische Erkenntnis, die schon fast den Weg zur Erleuchtung bereitet 🙂 Ein Spiel existiert ohnehin nicht ALLEIN für sich. Nichts in unserem Universum tut das. Ein Spiel existiert immer nur zusammen mit der Wahrnehmung des Spielenden. Nur als Bsp: Doom und Thilo ist gut, weil Thilo Doom gut findet. Doom und André ist schlecht, weil André Doom doof findet. Wenn man einmal geschnallt hat, dass nichts in dieser Welt für sich alleine existiert, sondern immer nur im Kontext zu unendlich vielen anderen Dingen, dann … wird man ruhiger. Du sagst: „Ich halte es für sehr anmaßend „objektiv“ über ein Spiel zu werten.“ Ich sage: Das geht ohnehin nicht und ist nur eine Illusion. Man kann versuchen ein Spiel in einen „objektiven Kontext“ zu setzen, aber die Bewertung bleibt trotzdem immer subjektiv. Weil sie durch persönliche Erfahrungen, Interessen und quer hängende Fürze des Bewertenden gefärbt ist. Shit… so philosophisch sollte es gar nicht werden. TLDNR: Ja.

    WolfgangAndré Eymann
  11. Avatar von Ben Bisc
    VSG-Autor

    Also als ich nur die Überschrift deines Artikels gelesen habe, habe ich mir gedacht „Wooooow wow wow, der Typ hat noch nie Skate or die oder Gollum gespielt , wtf“ 😅

    Aber folgt man der baseline deiner videospielgeschichte, und merkt dass es dir eher darum geht zu beschreiben, dass zeit die man in Videospielen als schöne Zeit und glückliche Zeit empfunden hat, unabhängig vom Spiel als wertvoll und nicht verschwendet zu betrachten ist, egal wie einhellig negativ die „öffentliche Meinung“ zum Spiel ist.

    Ich hatte ein ähnliches Erlebnis, zu dem hier demnächst auch noch ein Artikel folgen wird – Long Story Short, The Legend of Zelda „Minish Cap“ ist das beste Spiel der ganzen franchise und kaum einer weiß es 😅.

    Danke für deinen tollen Artikel André

    André Eymann
    1. Avatar von Thilo Nemitz
      VSG-Autor

      Nur mal hypothetisch angenommen „Skate or die“ wäre das einzig existierende Spiel auf der Welt. Wäre es dann gut oder schlecht?

      Und wenn du mir wirklich eine Antwort darauf geben solltest: Gut oder schlecht im Vergleich zu was? 😉

      André Eymann
      1. Avatar von Ben Bisc
        VSG-Autor

        Einfache Frage, einfache Antwort. Es wäre schlecht. Aber besser als nix. Weiß schon wo du hin willst mit deiner Argumentation, aber greift halt nicht ganz 😛

        André Eymann
        1. Avatar von Thilo Nemitz
          VSG-Autor

          Doch, greift. 😉

          Wenn du keinen Vergleich anstellen kannst, dann KANN es ja nicht schlecht oder gut sein. Zumindest nicht objektiv. Subjektiv kannst du natürlich sagen: „Hm, irgendwie berührt mich dieses Spiel nicht. Es macht mir keinen Spaß. Ich finde es schlecht.“ Aber deswegen ist es nicht schlecht, da es jemand anderes ja gut finden könnte? Wer hätte dann recht? Ohne ein anderes Spiel mit dem man es vergleichen könnte?

          André Eymann
          1. Avatar von Ben Bisc
            VSG-Autor

            Äh doch natürlich, weil man solche Sachen halt subjektiv einschätzt. Wenn dir jemand etwas zu Essen vorsetzt was du noch nie gegessen hast, kannst du ja auch für dich entscheiden obs schmeckt oder nicht ohne was ähnliches gegessen zu haben 😛

            Aber ja, nicht alles was hinkt ist ein Vergleich, ich weiss schon wo du hin argumentiertst

            1. Avatar von Thilo Nemitz
              VSG-Autor

              Jetzt hinkt aber leider dein Vergleich 😉

              Um analog zu meinem Game-Beispiel zu bleiben: Es geht nicht darum, ob derjenige etwas noch nie gegessen hat, sondern, ob er noch nie IRGENDWAS gegessen hat. Ohne eine Vergleichsmöglichkeit könnte er nicht wirklich sagen, ob etwas schmeckt oder nicht. Er könnte nur sagen, ob es ihm schmeckt oder nicht. Was aber nichts darüber aussagt, ob dieses Lebensmittel generell schmackhaft ist oder nicht. Es existiert einfach nichts inhärent „Gutes“ oder „Schlechtes“, das ist mein Punkt. Es hängt immer von einem Vergleich ab. Deswegen sind Spiele für sich selbst genommen nie schlecht oder gut – höchstens schlechter als X oder besser als X. 🙂

              Ben Bisc
    2. Avatar von André Eymann

      Danke Ben! Genau, es geht darum, was man als Individuum bei einem Spiel empfindet; was es mit einem macht. ❤️

      Deshalb halte die Beziehungen zu Spielen für etwas sehr persönliches. Und in diesem Kontext gibt es für mich eben auch keine „öffentliche Meinung“.

      Mir ist bewusst, dass das kontrovers betrachtet werden kann. Aber auch im Spielejournalismus beispielsweise, ist eine Meinung immer die einer einzelnen Person oder eben einer Redaktion. Auch das kann nicht ein „objektives Bild“ wiedergeben.

      Ben Bisc
      1. Avatar von Ben Bisc
        VSG-Autor

        Ja das ist so. One persons trash is another ones treasure.

        Thilo NemitzAndré Eymann
    3. Avatar von Alexander Strellen
      VSG-Autor

      Ja wie jetzt? Skate or die ist doch ein gutes Spiel. Ich habe da ziemlich gute Erinnerungen an eine gute Zeit mit dem Spiel.

      André Eymann
      1. Avatar von Wolfgang
        VSG-Autor

        Unterstreiche ich! Das gleiche gilt für mich auch für „Ski or Die“ 🙂

        André Eymann
      2. Avatar von Ben Bisc
        VSG-Autor

        Äh…. nein. xD

  12. Avatar von Reznik
    Gast

    @blog Sag mir, dass "E.T. the Extra-Terrestrial" nie gespielt hast, ohne mir zu sagen, dass du das nie gespielt hast. Und bevor etwas sagst: Ich hab's auch nie gespielt. Niemand hat das. Das war so schlecht, dass sie es lieber direkt auf die Müllkippe geschmissen haben als es zu verkaufen.

    Das ist ein schlechtes Spiel!😂

    Aber was Bewertungen angeht: Nein, wirklich objektive Bewertungen gibt es nicht. Es ist immer eine Meinung und die Person kann 12 Jahre alt sein. Sollte man bedenken.

    André EymannThilo Nemitz
    1. Avatar von Videospielgeschichten
      Gast

      @reznik @blog

      Hahaha. Doch, ich habe "E.T." auf dem VCS gespielt und ja, es ist nicht so gut. Aber Du bringst hier Dinge durcheinander. Es ist nicht (nur) deshalb in Mexiko vergraben worden. Es hatte auch etwas mit dem grundlegenden Crash von 1982 zu tun. Die eigentliche Ursache war aber, dass man Warshaw nur ca. 5 Wochen Zeit gab das Spiel zu entwickeln und ihn sehr unter Druck gesetzt hatte. Dennoch gibt es Liebhaber des Spiels. Und das bringt uns wieder zurück zur These ❤️

      Thilo Nemitz
      1. Avatar von Commodore1351
        Gast

        @vsg_DE @reznik @blog War es nicht sogar so, dass von „E.T.“ mehr Module produziert wurden, als überhaupt Atari 2600-Konsolen verkauft wurden? Insofern nur logisch, dass die entsorgt wurden.

        Jedenfalls kenne ich auch Stimmen, die „E.T.“ als okay bewerten. Man sollte idealerweise die Anleitung vorab gelesen haben, hieß es in dem Zusammenhang. ^^

        André Eymann
        1. Avatar von Commodore1351
          Gast

          @vsg_DE @reznik @blog Bugs/Unzulänglichkeiten gibt es im Spiel allerdings auch. Da existiert aber schon seit Jahren eine gefixte Version, die es gratis als Download gibt. Mit Harmony Cart o.ä. dann auch problemlos auf der echten Konsole spielbar.

          André Eymann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Community

Diskutiere im Forum weiter

Im Forum tauschen wir Erinnerungen, Meinungen und aktuelle Themen rund um Videospiele aus – persönlich, respektvoll und mit Leidenschaft.

Teile die Geschichte — damit sie weiterlebt

Hat dir diese Geschichte gefallen? Dann erzähl anderen davon. 🚀

Werde Teil unserer Welt der Videospielgeschichten

Folge uns und tauche noch tiefer in unsere Geschichten ein.

Ehrlich. Authentisch. Unabhängig.

Bei Videospielgeschichten zählt das Echte: keine KI, keine Werbung – nur ehrliche Inhalte mit Herz. Damit das so bleibt, brauchen wir dich! Mit deiner Unterstützung machst du den Unterschied und hilfst, eine unabhängige, authentische Medienwelt lebendig zu halten. Mach mit – und werde Teil davon!

Mastodon