Es ist Zeit mir etwas von der Seele zu schreiben. Seit Jahren höre ich immer wieder, wie Spiele als „Fail“ oder „Flop“ bezeichnet werden. Meine Meinung ist: es gibt keine schlechten Spiele!
Als ich meine Gedanken für diesen Text zu sortieren begann, wusste ich gleich, dass sich der Beitrag fast von allein schreiben würde. Denn das Thema berührt mich sehr persönlich und triggert mich stark.
Als ich mit dem Videospielen begann, schrieben wir das Jahr 1983. Ich stand im Imbiss meiner Eltern und zockte das Automatenspiel Galaga von Namco. Kurze Zeit später zog das Atari VCS bei meinem damals besten Freund ein. Dort lernte ich dann Phoenix und Centipede kennen. Es waren die „goldenen Zeiten“ des Gamings. Was immer das auch bedeuten mag.
Seitdem spiele ich Videospiele und denke (fast) täglich an sie. Ich habe die gesamte Heimcomputerzeit (Atari, Commodore, Sinclair usw.), sowie die ersten Spiele-PCs und Konsolen miterlebt und unzählige Spiele gespielt. Ich habe sprichwörtlich alles gezockt. Große Titel, kleine Titel, selbst-abgetippte Listings, billige Kaufspiele, kaputte Spiele, einfach alles. Schon damals hatte ich das Gefühl, dass kein Spiel „besser“ als das andere wäre.
Natürlich habe ich auch Spielzeitschriften von der ersten deutschen Publikation (Telematch) an konsumiert. Habe den anarchischen Beginn der Abtipphefte über die ersten Magazine bis zum sogenannten Niedergang der Print-Spielepresse miterlebt. Wertungskästen, Meinungskästen, das Dilemma mit den „gekauften“ Redakteuren und vermeintlich neutralen Reviews miterlebt.
Und immer habe ich gespielt.
Dabei fiel mir damals schon im Freundeskreis eines auf. Oft hatte ich große Freude an Spielen, die andere doof oder „schlecht“ fanden. Ich hatte mich rettungslos in so manches BASIC-Spiel verliebt und habe selbst viel abgetippt oder modifiziert.
Ich erinnere mich beispielsweise an Pimania (ZX81) mit dem ich Stunden verbrachte, obgleich es als sehr sperrig und wenig zugänglich bewertet wurde. Mich hat es dennoch fasziniert, weil ich unbedingt herausfinden wollte, was das Geheimnis des Spiels war. Auf diesem Weg wurden das Spiel und ich zu Freunden. Oder auf dem C64 das Spiel „Oel“, das auf den ersten Blick eine langweilige Wirtschaftssimulation war, die meinem Buddy und mir damals aber viele Monate Spielfreude schenkte.
Es lag auch sicher daran, dass ich mit einem kleinen Rechner namens ZX81 in die Computerwelt gestartet bin. Für den gab es nicht viel kommerzielle Software. Also spielte ich, was es gab oder schuf mir eben selbst meine Welten.
Der Konsum verführte mich also nicht, sondern die Demut und Leidenschaft für Exoten und (begrenzten) Möglichkeiten trieben mich an und wuchsen in mir. Daraus ist eine Grundeinstellung, ein unausgesprochenes Mantra, wenn man so will, geworden. Seit damals pflege ich die Liebe zu kleinen oder sagen wir mal einfachen Dingen zu schätzen.
Das manifestiert sich darin, dass ich es grundsätzlich nicht mag, Dinge abzuwerten oder meine Meinung über andere Meinungen zu stellen. Was anderen gefällt, muss mir nicht gefallen. Gleichwohl kann es dem anderen Freude bereiten.
Gerade heute Morgen habe ich wieder in einem Podcast gehört, wie sich ehemalige Spieleredakteure an einem vermeintlichen Spiele-„Fail“ abgearbeitet haben. Ich konnte dem Gespräch nicht lang zugehören. Ich kann verstehen, dass man mit Berichterstattung über Produkte Geld verdienen möchte. Aber im Kontext von Videospielen funktioniert das bei mir nicht. Ich brauche niemanden, der ein Spiel für mich derart einordnet. Ich kann selbst entscheiden, was mir gefällt und was nicht. Und selbst wenn ein Spiel mir nicht gefällt, dann gefällt es vielleicht einem anderen. Es wird dann nicht automatisch „schlecht“ in meinen Augen.
Auch weil ich schon so lange Spiele, wird mir immer klarer, wie sehr Videospiele Kunst sind und immer schon waren. Dass man sich über Kunst austauschen kann und sollte, finde ich natürlich und nachvollziehbar. Aber sie „objektiv“ zu vermessen oder gar abzuwerten macht aus meiner Sicht keinen Sinn. Kunst wird immer individuell betrachtet und löst sehr persönliche Bezüge aus. Und genau so sollte es bei Videospielen auch sein.
Es gibt aber natürlich Spiele, die technisch kaputt oder unfertig sind. Oder welche, die ständig abstürzen. Das aber meine ich nicht. Mir geht es darum, wie Videospiele berühren und wirken.
Ich halte es für sehr anmaßend „objektiv“ über ein Spiel zu werten. Und genau deshalb gibt es für mich auch keine schlechten Spiele. Jedes Spiel sollte vom Individuum aus betrachtet werden. Dahinter steht auch die noch größere Botschaft mit Demut und Offenheit durch das Leben zu gehen. Sich in Toleranz und Respekt zu üben und die Ansichten anderer zuzulassen.
Was ist eure Meinung dazu? Wurdet ihr auch schon einmal belächelt, weil ihr ein vermeintlich „schlechtes“ Spiel gemocht habt? Wie denkt ihr darüber? Ich freue mich auf den Austausch mit euch.







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