Eigentlich wollte ich schon vor etlichen Monaten diese Beitragsreihe fortsetzen, habe mir entsprechend Notizen zur Entwicklung unseres Kleinen gemacht und wie ich parallel mein Hobby weiter (versuche) auszuüben. Doch neben der Flut der Eindrücke, die man als Elternteil gerade im ersten Jahr erfährt, kam unglücklicherweise ein großer gesundheitlicher Bruch in mein Leben dazu.
Ohne hier zu sehr ins Detail zu gehen: Eine schwerwiegende Erkrankung katapultierte mich über sechs Monate aus dem Alltag – mit Kind im Rücken, war das eine Grenzerfahrung, die ich niemandem wünsche. Die gute Nachricht: Ich habe diesen Kampf überstanden, auch dank eines tollen Ärzte- und Pflegeteams sowie großen, familiären Rückhalt und Unterstützung.
Einmal mehr die Gelegenheit, das Leben und die Erfahrung mit Kind und die eigenen Interessen zu reflektieren und sie mit euch zu teilen. Gehen wir also rein, in den zweiten Teil meiner „Mama-Life & Gaming“-Reihe.
Was bisher geschah
In den letzten Wochen meines ersten Elternzeit-Abschnitts, also kurz nach meinem ersten Beitrag dieser Reihe, ist’s noch einmal richtig anstrengend geworden. Gerade im vierten Lebensmonat hat der Kleine verschiedene Phasen der Gefühlswelten für sich entdeckt. Schlafpausen waren in dieser Zeit eher eine Seltenheit – ans Spielen war erst gar nicht zu denken. Den großen Plan, mich an das damals erschienene JRPG Metaphor: ReFantazio zu wagen, konnte ich nach den ersten Abenden auch schon wieder begraben. Nicht dass mir hier die Zeit gefehlt hätte, aber mein Kopf war weiterhin nicht in der Lage, längeren Dialogen zu folgen. Legt man ein Rollenspiel wie dieses dann für ein paar Tage beiseite, fällt der Wiedereinstieg schwer – zumindest geht es mir leider immer wieder so. Bedauerlicherweise ein Grund, weshalb dieses unfassbar spannende Juwel weiter im „Pausenmodus“ verweilt.
So vergingen wieder einige Wochen und Monate, in denen ich gedanklich kaum in der Lage war, Spiele zu beginnen oder nach dem ersten Einstieg gar zu beenden. Doch je näher der erste Geburtstag unseres kleinen Wirbelwinds rückte, umso mehr Abende konnte ich wieder für mich gewinnen. Wie schon im ersten Beitrag dieser Reihe angemerkt, ist jede Familiensituation, jedes Baby und Kind sowie jede Erfahrung sehr individuell. Wir haben hier das Glück, dass unser Kind ab dem achten Monat tatsächlich angefangen hat, durchzuschlafen. Wir konnten also recht früh, regelmäßige Schlafzeiten ab 19 Uhr einführen; eingeschlafen wurde dann aber meist gegen 20 Uhr, und die Nächte dauerten in der Regel bis mindestens 6 Uhr.
So haben sich abends zumindest Möglichkeiten geboten, endlich mal wieder das Gamepad in die Hand zu nehmen – ohne Gedankenkarussell oder spät nächtliche Einschlafbegleitung. Interessanterweise kam genau in dieser Phase Monster Hunter Wilds raus, ein Franchise, das sowohl meinen Mann, als auch mich schon immer gereizt hat. Da wir die Vorgänger aber als zu träge empfanden oder andere Spiele hier immer Vorzug hatten, haben wir uns bis dato nie an die Reihe gewagt. Aufgrund des Timings und der „entspannteren“ Lage mit den Kleinen, haben wir uns aber gemeinsam in die Wildnis gestürzt und konnten Abend für Abend doch recht ausgiebig zocken. Ich konnte mich sogar wieder etwas umfassender der virtuellen Fotografie widmen und hatte bei der Suche nach dem perfekten Monster-Motiv eine Menge Spaß (mehr unter @PixelSteph).



Über ein paar Wochen hat sich so trotz Kind und wieder halbwegs geregeltem Arbeitsalltag, tatsächlich wieder eine angenehme Spielroutine eingestellt und das Gröbste schien für uns überstanden, bis…
Die verlorenen Monate
… bis eine Krankheit mich völlig gebeutelt hat. An manchen Tagen und Wochen war ich kaum in der Lage, vernünftig am Alltag oder der Kinderbetreuung mitzuwirken, was leider eine mehrfache Belastung für meinen Mann mit sich brachte. Ich brauchte aber natürlich Raum für meine medizinische Behandlung und die Genesung.
Hier hat mir das Gaming auf seelischer Ebene sehr geholfen. Viele Tage hing ich auf der Couch fest, Zeit, um mich wenigstens mental mit Spielen abzulenken. Ich habe mich hier vorwiegend auf Indie-Releases in dieser Zeit gestürzt. In kurzen Abständen habe ich Absolum, Ball x Pit, Caravan SandWitch und MARVEL Cosmic Invasion durchgespielt. Einzig Mafia: The Old Country war ein etwas größerer Titel, der mich an das Pad gefesselt hat. Aufgrund der Krankheitssituation, in der ich kaum Schlaf fand, hab’ ich dann tatsächlich auch bis tief in die Nacht gespielt. Auch hier mit Glück gesegnet, dass der Kleine weiterhin ein guter Schläfer ist.




Trotz der Möglichkeit, mich meinem Hobby wieder mehr widmen zu können, empfinde ich diese Zeit als eine Art verlorenen Lebensabschnitt. Auch wenn ich mit einem positiven Ergebnis und Hoffnung aus dieser Lebenssituation herausgekommen bin, ist es Zeit, die mir mit meinem Mann und Kind fehlt. Wichtig ist aber der Blick nach vorn, und ich bin dankbar, weiterhin eine aktive Rolle in der Zukunft meines Kindes spielen zu können.
Veränderung des Spielverhaltens oder Spielgeschmacks?
Viele werden das Gefühl kennen, die Phasen, in denen man Lust auf eine bestimmte Kost oder einen speziellen Vibe hat, sei es beim Essen, der Kleidung, Filmen oder eben Videospielen. Aktuell stelle ich mir aber grundsätzlich die Frage: Hat mich das Elternsein empfänglicher für bestimmte Genres gemacht und für andere immer weniger?
Ich mochte schon immer Funsport, Prügelkost und arcadige Games. Daneben habe ich aber auch immer wieder zu Horror, narrativen Spielen wie Last of Us oder zu ausufernden Titeln wie Cyberpunk 2077 gegriffen. Mittlerweile liegt mein Fokus hauptsächlich auf „gamigen Games“, wie zuletzt die schon erwähnten Ball x Pit oder Marvel Cosmic Invasion. Nicht, dass ich bestimmte Spiele einfach aufgrund von Zeitmangel nicht mehr spielen kann – nein, ich möchte sie auch einfach nicht mehr spielen. So hab’ ich nach den ersten Stunden Silent Hill f schnell gemerkt, dass mich diese Art von Horror nicht mehr abholt. Zu viel Blut und Splatter möchte ich eigentlich auch nicht mehr sehen, und auch Dramen kann ich kaum mehr ertragen, seit ich Mama bin.
Der Release der Switch 2 hat meinen derzeitigen Spielgeschmack noch einmal verstärkt. So habe ich Stunden mit dem bunten, fröhlichen Kirby Air Riders verbracht und versinke gerade völlig in Pokopia. Selbst dem eher semiguten Pokémon-Legenden: Z-A habe ich aufgrund eines unwiderstehlichen Preisangebotes den Vorrang vor Resident Evil 9 gelassen, und das ist als ehemaliges Resident-Evil-Fangirl schon eine Aussage für die Macht der Cozy-Games, denen ich aktuell verfallen bin.




Nun kann das natürlich auch an der globalen, politischen Lage und Krisen liegen, dass ich hier primär Happiness in Spielen suche – aber meine Gedanken schwenken doch oft in die Richtung: „Wenn mein Kind in so einem Szenario leben müsste, Help!“, „Hier stirbt ein Kind? Nope. Klick – Konsole aus.“ Nicht, dass ich schmerzhafte Wendungen und Trauerbewältigung in Videospielen nicht willkommen heiße, aber ich sehe mich aktuell nicht in der Lage, mich mit so etwas auseinanderzusetzen. Stattdessen baue ich lieber einen Gemüsegarten oder ein neues Haus für mein geliebtes Myrapla in Pokopia auf.
Status Qou & Zukunft
Schwere Krankheit überstanden, Elternzeit fast aufgebraucht, Kindergarten-Eingewöhnung ist gerade im vollen Gange und der Kleine wird bald zwei Jahre alt. Obacht, Klischee-Frage: Wo bitte ist die Zeit hin?
Viel hat sich getan, auch in der Entwicklung unseres Sonnenscheins. Natürlich besteht das Elternsein und mein Leben, aus weit mehr, als mein Text hier umreißen könnte. Wir entdecken aktiv die Welt mit den Kleinen, sind zu Spielplatz-Testern mutiert, lesen viel, unternehmen Ausflüge oder nehmen an Schwimmkursen teil.
Wird das Leben jetzt wieder mehr Regelmäßigkeit erfahren? Dies ist zwar meine Hoffnung, aber ich stelle mich weiter darauf ein, dass das Leben, ob mit, oder ohne Kind, sowohl entspannt, als auch chaotisch verläuft. Zumindest aktuell kann ich mich im Pokémon-Universum verlieren und mein Mann nutzt gerade die Abendstunden, um festzustellen, dass seine Reflexe in Battlefield, die eines alten Mannes sind.

Auf meiner Longtime-To-do-Liste steht jedenfalls weiterhin, diese Reihe fortzusetzen. Der nächste Beitrag kommt entweder mit kürzerem oder längerem Abstand, je nachdem, wie das Leben, die Zeit und die Motivation so mitspielen. Bis dahin diskutiert gerne wieder unter dem Beitrag und teilt eure Erfahrungen des Elternseins. Hat sich euer Spielgeschmack auch aufgrund der Elternrolle verändert oder blieb dieser unberührt? Auch Nicht-Eltern sind natürlich gerne eingeladen, hier über eigene Lebensphasen und veränderte Spielgewohnheiten zu plaudern.
Krebsvorsorge-Hinweis: An dieser Stelle möchte ich auf die Wichtigkeit regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen aufmerksam machen. Nutzt die angebotenen Möglichkeiten und hört auf die Signale eures Körpers, ohne in Panik zu geraten. Frühzeitige Erkennung kann Leben retten, und dank moderner Therapien gibt es heute viel, was möglich ist. Passt gut auf euch auf!







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