Ein Samstag im Mai und zahlreiche Besucher zieht es wieder in die Räumlichkeiten der HTWK Leipzig, um sich zahlreiche Spielstationen anzusehen. Und dieses Event fand nun zum 20. Mal statt. Ein Jubiläum voller Highlights? Ich war vor Ort.
Es fing an einem 5. Mai 2007 ab 16 Uhr mit einer kleinen Idee an, die sich zu einem großen und beliebten Event etabliert hat: die Lange Nacht der Computerspiele. Fing sie im Zuse-Bau der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig noch sehr klein an, erstreckt sie sich im Lipsius-Bau inzwischen auf fünf Stockwerke. 19 Jahre und vier Tage später thront nun eine Zwei zu Beginn des Eventtitels.
Neben zahlreichen Spielstationen mit Konsolen der vergangenen fünf Jahrzehnte präsentieren Indie-Entwickler ihre (künftigen) Werke, Künstler ihre Kunstwerke und Trading-Card-Spieler ihr Pokerface. Doch auch Studentenprojekte wie die fußballspielenden HTWK Robots oder der Science Mashup können vor Ort besichtigt werden. Alles, ohne einen einzigen Cent Eintritt zu bezahlen. Jung und alt, Studenten und Nicht-Studenten, jeder ist dort willkommen.
In den 19 Jahren sind inzwischen Taschenkontrollen ein notwendiges Übel geworden und das Event tendiert mit einer Veranstaltungszeit von 14 bis 23 Uhr seit ein paar Jahren eher zu einem „Langen Abend“. Dennoch bleiben die Anfahrtswege sehr gemütlich, sei es über PKW, Zug oder Straßenbahn. Eine Stunde vor Beginn waren im näheren Umkreis ausreichend Parkplätze vorhanden.
Erdgeschoss – Snacks, Figuren und Fußball







Nachdem man ab 14 Uhr die Türen des Lipsius-Bau durchquert und die Taschenkontrollen überstanden hat, gab es direkt ums Eck die HTWK Robots zu bewundern. Wie jedes Jahr kann man Roboter dabei bestaunen, wie sie ein adäquates Gegenstück zur Bundesliga darstellen können.
Wer sich durch den engen Gang daneben gezwängt hat, konnte ins Hardwarelabor schnuppern und etwa Spiele auf einem Oszilloskopen spielen oder mit dutzenden Kippschaltern Musik machen. Experimentierfreudige Bastler hätten hier ihre Freude gehabt.
Die helle Mensa hinter dem Foyer lud die Besuchenden nicht nur zu einer kleinen Snackpause ein, sondern auch auf eine analoge Brettspielschlacht. Sogar von Spielen, die man eher vom Bildschirm kennt. Ebenso wenig durften die Trading-Card-Tische nicht fehlen. Oder man traute sich mit ruhigen Händchen und ausgeklügelter Technik an eine Partie Jenga. Und wenn nicht, schnappte man sich einen Sticker, um auch die nächste undenkbare Lokalität mit einen der berühmt-berüchtigten Nett-hier-Aufkleber zu bestücken.
Erstes Obergeschoss – Wir gehen Indie Räume rein







Das erste Obergeschoss widmete sich voll und ganz den modernen PC-Spielen. Nicht von großen Publishern, sondern von zahlreichen kleinen Indie-Teams, die sich an teils vertrauten, teils unverbrauchten Spielmechaniken bedienten. Seien es Gedankenzuordnungen bei Frame of Mind oder waghalsiges 3D-Platforming im 80er-Futuristikgewand in Reality Shift.
An sämtlichen Stationen konnten QR-Codes eingescannt werden, um entweder Feedback abzugeben oder um die eigene Wunschliste auf unüberschaubare Zahlen zu erhöhen. Denn meistens waren unfertige Vorabversionen anspielbar, die gerne noch die ein oder andere Macke hatten (etwa bei Reality Shift das unmögliche Springen von beweglichen Plattformen). Nichtsdestotrotz ein Blick „Indie“ Zukunft.
Oder wenn man die Kleinsten dabeihatte, konnte man diese vor etwas Vertrautem hinsetzen. Eine Räumlichkeit bestand ausschließlich aus Stationen, auf denen der Survival-Klassiker Minecraft gespielt werden konnte.
Zweites Obergeschoss – Kunstvolle Zeitreisen














Wie jedes Jahr wird der Zugang zum zweiten Obergeschoss begleitet von 8-Bit-Musik, die der Online-Radiosender Radio Paralax abspielt. Und deren Amiga gab schon einen kleinen Vorgeschmack, was die Besucher in einem Part dieser Etage erleben konnten: über fünf Jahrzehnte Videospielgeschichte. Passend für diesen Blog also. 🙂
Heimcomputer, Spielkonsolen, exotische DDR-Computer, aber auch einige IBM-kompatible Spielstationen fanden sich vor. Bei den Heimcomputern bediente man sich überwiegend beim Hause Commodore, gepaart mit neuzeitlichem Zubehör wie NFC-Karten, um bestimmte Software in Windeseile ausführen zu können. Ein kleines Highlight: Sega Rally Championship von 1995 mit einem Logitech-G25-Lenkrad. Und von den PC-Runden eine kleine Entspannung bei einer Carrera-Bahn.
Nebenbei bemerkte man im Flur ausgestellte Kleinigkeiten wie Spiele, Musik-CDs, Software und sogar Kabel und sehr schmale Workstation-Grafikkarten. Diese wurden verschenkt. Nichts Wertvolles, nichts Hochwertiges, aber so was nimmt man doch gerne mal mit.
Wer sich in die andere Richtung begeben hat, konnte bei Künstlern ihre Kunst in Form von Stickern, Ansteckern, Sammelkarten, Notizzetteln oder Anhängern erwerben. Gerne auch so etwas wie eine mechanische Taste als Schlüsselanhänger.
Drittes Obergeschoss – 3D-Druck und Zeitleiste




Im Hauptfoyer des vierten Stockwerks gab es ein wenig Werbung für den recht frischen Studiengang 3D-Druck & Funktionale Oberflächen. Dafür kredenzten die Standleute für die Besucher Aufbewahrungshüllen mit LNC-Logo für ein Cartridge und Pac-Man-Figuren. Und den Entstehungsprozess ebendieser konnte man in den danebenstehenden 3D-Druckern beobachten.
Ein klein wenig Zeitgeschichte gab es im Foyer daneben zu bewundern. Denn es wurden acht Tafeln aufgestellt, die vorne und hinten jeweils Plakate mit Fotos der letzten 19 Langen Nächte der Computerspiele zeigten. Manchmal etwas vertauscht (manche Fotos von vorher fanden sich in Plakaten späterer Events wieder), aber mit einer guten Beobachtung der Entwicklung.
Erinnerungen meinerseits kamen bei der 8. Langen Nacht der Computerspiele 2014 hoch, denn diese war meine allererste jemals besuchte. Auf die hatte mich einer der Initiatoren des Events – René Meyer – während eines Livestreams von Radio Paralax aufmerksam gemacht. Auf einen der Fotos von der 10. Langen Nacht der Computerspiele 2016 konnte ich sogar meine Person erkennen. Zu der Zeit durfte ich beim Stand der PC-Leute mithelfen.
Viertes Obergeschoss – Die Jubiläumsbühne

v.l.n.r.: Klaus Bastian, René Meyer, Marcus Klöppel und Gabrielle Hooffacker
Ab 17 Uhr konnte das vierte Obergeschoss von jedermann betreten werden. Besucher konnten sich dieses Mal mit kleinen Gutscheinen einen kostenlosen Snack gönnen: Popcorn. Ab dieser Uhrzeit machten sich Gerüche dieser beliebten Kino-Knabberei im Stockwerk darunter bemerkbar.
Zumindest eines der fünf Programmpunkte an diesem Abend habe ich aus dem Publikum verfolgt. Von 17.30 bis 18.15 Uhr erzählten Klaus Bastian, René Meyer, Marcus Klöppel und Gabrielle Hooffacker über die Entstehungsgeschichte und den Erfolg der Langen Nacht der Computerspiele. Begleitet von Glückwünschen und Einblicken. Fun Fact: Das Event erstreckte sich zu Beginn im Jahr 2007 auf einen Raum und einem Flur. Jeder fängt eben klein an.
Später gab es unter anderem Quizrunden, die schon beim ersten Programmpunkt angeteasert wurden und bei denen auch die Erzählungen zum Event eine Rolle gespielt haben. Diese konnte ich aus Zeitgründen leider nicht mitverfolgen.
Fazit: Auf die nächsten 20!
Die lange Nacht, in Leipzig endet sie bereits 23 Uhr. Man wird eben nicht jünger. Aber das Portfolio der Langen Nacht der Computerspiele stimmt weiterhin. Ebenso auch der Eintrittspreis: 0 Euro. Für neun Stunden Unterhaltung rund um die Videospielkultur. Gerade mit dem Wegzug der Games Convention nach Köln umso wichtiger. Denn ausgerechnet die Gerüchte über diesen „Umzug“ haben zu diesem Event erst geführt.
Auch wenn man vielleicht sehr flott alles gesehen hat, die Zeit reicht definitiv, um sich eine Handvoll Stände in Ruhe ansehen zu können und sich mit den Leuten zu unterhalten. Der Abwechslungsreichtum hier ist angenehm groß, denn Freunde von Indie-Titeln und Retro-Konsolen finden hier allerhand, um sich beschäftigen zu können.
Insbesondere die Anwesenheit von vielen PCs im Retrobereich erfreut mich umso mehr. Eine in meinen Augen vernachlässigte Spieleplattform auf solchen Events. Gerne mehr davon. Vielleicht einen Ticken luftiger gestalten wäre auch eine Idee, aber bei den gegebenen Räumlichkeiten schwierig realisierbar.
Auf das die nächste Nacht am 24. April 2027 – der offizielle nächste Termin der 21. Langen Nacht der Computerspiele – hoffentlich wieder eine lange Nacht werden könnte. Und für die Gewohnheitstiere weiterhin an selber Stelle stattfinden wird.
Wäre diese kostenlose Veranstaltung ebenfalls was für Euch? Was haltet Ihr von der Auswahl? Wäre das Grund genug, Euch die 21. Lange Nacht der Computerspiele im Jahr 2027 anzusehen? Diskutiert darüber gerne in der Kommentarsektion.
Weiterführende Informationen
- Missing Link: Lange Nacht der Computerspiele – wie das Spielefestival entstand René Meyers Entstehungsgeschichte der Langen Nacht der Computerspiele bei heise online vom 10. Mai 2026
- Der Lageplan der 20. Langen Nacht der Computerspiele
- Das Jubiläumsprogramm der 20. Langen Nacht der Computerspiele
- Mein Bericht zur 18. Langen Nacht der Computerspiele vom 29. Juni 2024







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