Dies ist eine kleine Geschichte von mir und ein Beispiel dafür, wie ein Videospiel und Freunde, mit denen ich Zeit darin verbracht habe, mir geholfen haben. Hier geht es um mentale Gesundheit – ich habe das Thema aufgegriffen, weil mir auf meiner Reise viele Leute begegnet sind, denen es ähnlich geht und ging. Vielleicht hilft euch dieser Bericht ja selbst ein wenig, denn oft liegt Unterstützung dort, wo man sie nicht erwartet. Und wenn es in einem Videospiel ist.
Vorgeschichte: 2016
Ich war Abteilungsleiter in einer kleinen Software-Schmiede. Dienstreisen, vollgepackte Terminkalender und ständig Kontakt mit Kunden und Kollegen. Ich war dort seit dem Ende meines Studiums 2007, und heute kann ich in der Rückschau sagen: Ich war da schon knietief im Burnout drin.
Überarbeitet. Unzufrieden. Kollegen und Kunden haben es gemerkt. Meine Lösung war damals, mich nach einer neuen Arbeit umzusehen, und mich in eine Beziehung zu stürzen. Ich war doch immer so der Familienmensch gewesen, das musste doch die Lösung sein.
Achja, und Videospiele? Die hab ich natürlich nebenbei noch gespielt. Vor allen Dingen Rollenspiele, wie immer bei mir. 2014 hatte ich mit Freunden aus der Arbeit (Generell drehte sich bei mir fast der ganze soziale Kreis um die Arbeit) Guild Wars 2 gespielt, und 2016 ein paar Schritte in „Elder Scrolls Online“.
So recht gefallen haben mir Online-Rollenspiele aber nicht. Diese komischen anderen Spieler, die mit leuchtenden Waffen durch die Städte hüpften? Ne, das war nicht meins.
Als mir eine gute Freundin vorgeschlagen hat, ich solle doch mal Final Fantasy 14 ausprobieren, war das für mich nur ein weiteres MMO, mehr mit glänzenden Waffen rum hüpfenden Leuten.
Nee, danke.
2021
Mittlerweile war ich zwei Jobs weiter. Die Beziehung, die ich 2016 eingegangen war, war zu Ende. Ich war Papa geworden und noch viel tiefer in der Depression drin. Ich war so glücklich über die Kinder, aber auch so erschöpft. Noch allerdings war ich nicht weit genug, um mir zu helfen oder helfen zu lassen. Die meisten meiner Tage waren nicht schön, unabhängig von der Corona-Pandemie zu der Zeit. Ich saß zu Hause im Home Office, und war am Wochenende bei den Kindern, etwa 150 km entfernt. Es war unter der Woche trist, am Wochenende anstrengend, und mir ging die Kraft aus.
Was mir am Abend nach der Arbeit oft etwas Beruhigung verschafft hat: Die Flucht in die Welten fantastischer Videospiele. Ich hatte immer noch gerne Rollenspiele gespielt, hatte mit der Nintendo Switch viele schöne Jahre verbracht. Das gab mir Kraft.
Ich hatte mal wieder Lust auf ein freies, quest-basiertes Rollenspiel, nachdem ich 2020 mit Xenoblade Chronicles auf der Switch und Ni No Kuni eher story-getriebene Geschichten gespielt hatte.
Ein damaliger Kollege und Freund hatte mir 2020, noch vor den Lockdowns auf dem Weg zum Mittags-Supermarkt (um drei-viertel Eins natürlich!) gesagt, dass er mit seiner Freundin jüngst Final Fantasy 14 angefangen hat zu spielen.
Und auch zwei andere altgediente Kumpels von mir hatten begonnen, das Spiel zu spielen und fragten mich, ob ich mitmachen möchte.
Also habe ich die kostenfreie Version dieses ausgezeichneten Spiels, das man damals bis zur prämierten Erweiterung „Heavensward“ spielen konnte, geladen.

Ich hab mir meinen Charakter, den ich auch gerne in anderen Spielen verwende (eine junge Frau namens „Faye“, blonde Haare, vorzugsweise Bogenschützin) zusammengebaut und das Spiel gestartet.
Und es tat gut, wie viele Rollenspiele. Es bot die Flucht in eine schöne Welt, in der ich sein konnte, wie ich wollte, und am Schluss doch alles gut ausgehen würde.
Final Fantasy 14 war anders als andere Multiplayer-Rollenspiele. Es bot viel Geschichte. Viele Quests, um die Welt kennen zu lernen. Das Spiel entwickelte sich langsam. Das tat mir gut. Auch wenn es die von mir gefürchteten herumspringenden Leute mit glänzenden Waffen gab, war die Welt doch konsistent, und schön.
Es war gut, mit Faye durch Eorzea zu streifen.
Letztendlich war es natürlich nur ein Videospiel, ein Fluchtpunkt. Zumindest initial. Doch die Dinge änderten sich.
2022
Dem Burnout ging’s gut. Mir nicht. Ich habe mich weiter durch die Tage gekämpft wie im Jahr zuvor, so halb erfolgreich, aber auch meistens nicht. Jeder hat’s gemerkt, nur ich immer noch nicht.
Eine Sache jedoch sollte passieren, die den Lauf der Dinge ändern sollte.
Die Freundin, die mir 2014 schon geraten hatte, Final Fantasy 14 zu spielen, und einer der Freunde die mich 2021 dazu gebracht haben zu spielen, wollten sich regelmäßig im Spiel mit mir treffen. Ich war mittlerweile mit der Geschichte durch und dachte mir „warum nicht?“.
Das war jeden Sonntag.
Witzigerweise ergab es sich in diesem Jahr auch mit dem anderen Freund und seiner Freundin, dass ich ab und an mit ihnen spielte.
Das war Mittwoch.
So hatte ich jeden Mittwoch und Sonntag eine Runde, die zu den kleinen und großen Geschichten in Final Fantasy 14 auch noch soziale Interaktion ermöglichte.

Es tat… gut! Noch mehr gut, sozusagen.
Nach wenigen Wochen kamen wir auf die Idee, uns alle einander vorzustellen.
So stellte sich heraus, dass sich alle fünf gut verstanden! Und so wurden unsere Final Fantasy Runden ins Leben gerufen.
Jeden Mittwoch. Und jeden Sonntag.
Wir suchten uns Dinge, die wir zu fünft machen konnten. Dinge, die uns allen an den ein oder anderen Stellen noch fehlten.
Es war interessant und lehrreich.
Und irgendwann gingen die Gespräche über das Spiel hinaus. Ich erzählte ein bisschen von mir, und bekam Unterstützung, die ich so noch nicht gekannt hatte. Bestätigung, dass ich nicht der schlechte Mensch war, für den ich mich hielt.
Als ich einmal eine Mission, die ich gebraucht hätte, aber die anderen nicht, nach hinten geschoben habe kam ein denkwürdiger Satz:
„Wir machen das jetzt mit dir, stell dich nicht immer hinten an!“
2023
Die zweimaligen Runden pro Woche waren gut, und ich glaube, dass sich die ganze Gruppe mehr und mehr ans Herz wuchs.
Ich konnte sogar mit Spenden im Spiel ein Haus kaufen! Das war was ganz besonderes, denn in Final Fantasy 14 kann es sehr schwer sein, als Spieler eine virtuelle Immobilie zu bekommen.
Aber mit den richtigen Freunden zur richtigen Zeit konnte man alles erreichen.

Im Sommer jedoch dachte der Burnout, besonders fies zu sein. Ich konnte kaum Arbeit und Kinder unter einen Hut bringen.
Ich zog mich zurück. Und nahm fast einen Monat nicht an den Sessions teil.
In meinen Gedanken hatte ich mich selbst aus der Gruppe ausgeschlossen. Und gedacht, „die mögen mich bestimmt nicht mehr.“
Als ich mich aber wieder im Discord gemeldet hab, da war das einfach selbstverständlich, dass ich wieder dabei war.
Und als ich mich wieder im Spiel angemeldet hatte, war alles so wie immer. Die freundlichen Worte, die Scherze, die Hilfe im Spiel.
Und so war ich wieder dabei. Und seitdem nie wieder weg.
Also, es sei denn, es gab mal einen Grund wie auswärts essen, Termine oder sowas. Aber meistens war ich da.
2024
Es ging einfach immer so weiter. Zwei Mal die Woche lustige Runden. Wir hatten mittlerweile einige Dinge gefunden, die uns als Gruppe besonders viel Spaß machten.
Und die Gruppe wurde größer! Es gab nicht nur Zuwachs aus Deutschland, sondern sogar aus Griechenland.
Die Leute passten wieder super zu uns. Irgendwie waren wir alle gleich, aber irgendwie auch total anders. Es war eine gesunde Mischung.
Nicht immer konnte jeder teilnehmen, und manchmal kamen andere Spiele dazwischen. 2024 gab es mal eine kleine Minecraft-Runde, zum Beispiel.

Im Spiel kam in diesem Jahr eine neue Erweiterung mit zusätzlicher Story heraus, weshalb unsere Sessions in dieser Zeit unterbrochen waren. Im Discord-Chat aber wurde fleißig diskutiert, und mit entsprechenden Channeln und Spoilern konnten alle in ihrem Tempo mitmachen. Nach 4 Wochen waren wir wieder alle auf demselben Stand und konnten das Spiel weiter zusammen genießen.
2025
Das Spiel und die Gruppe half mir, den Kopf im Leben über Wasser zu halten. Aber auf Dauer konnte das natürlich nicht weitergehen.
Mit der Hilfe meiner Freunde, aber auch mit Unterstützung anderer lieber Menschen aus meinem privaten Umfeld, der Arbeit und sogar aus Videospielgeschichten hier, nahm ich den Mut zusammen zum Arzt zu gehen und mir mit dem Burnout helfen zu lassen.
Ich war lange krankgeschrieben, begab mich in Therapie und hab mein Bestes gegeben, dass es mir wieder besser ging.
Natürlich fehlte in der ganzen Zeit nie das gemeinsame spielen am Mittwoch und Sonntag.
Wir probierten an unseren Charakteren herum. Änderten das Aussehen, versuchten verschiedene Spielstile. Lernten besser, was wir mochten, und was nicht.
In dieser Zeit begann ich auch, in dem Spiel langsam „gut“ zu werden. Mit der Hilfe der Anderen kam ich aus meiner Spiele-Lethargie und versuchte, die Mechaniken zu verstehen und gut zu werden.
Und es ging voran!

2026
Und da sind wir nun. Am Horizont von Final Fantasy 14 steht eine weitere Erweiterung an. Meine mentale Gesundheit wird besser – noch nicht ganz gut, aber definitiv auf dem Weg nach Oben.
Die Therapie hat mir viele Werkzeuge an die Hand gegeben, dass ich alles besser beherrschen kann.
Es gab Schicksalsschläge und schlechte Nachrichten. Dinge, die das Leben schwieriger machten. Aber ich habe jetzt die Kraft, zumindest die Dinge anzugehen.

Leider hab ich noch nicht unendlich viel Kraft, und da aktuell einige schwere Entscheidungen und Schritte im Leben anstehen, habe ich mich beispielsweise entschlossen, nicht am gemeinsamen Gruppentreffen im Rahmen des Final Fantasy Fan-Fests in Berlin dieses Jahr mitzumachen.
Natürlich hat die Gruppe das so verständlich und lieb aufgenommen wie so vieles in der Vergangenheit.
All die Baustellen werde ich dieses Jahr noch lösen. Da bin ich mir sicher.
Und jeden Mittwoch und Sonntag wird mich ein ganz besonderes Spiel begleiten. Mit ganz besonderen Menschen.
Danke.







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