Manchmal müssen wir uns auch mit Themen beschäftigen, die kontrovers sind und von einigen lieber nicht angesprochen werden möchten. Hierzu gehört eben auch die Diskussion über „Ballerspiele“ die immer wieder besonders nach Amokläufen an Schulen in den Medien Anklag fand. Mein damaliger Artikel dazu bezog sich auf den Anschlag am 22. Juli 2016 in München, wo ein Jugendlicher in einem Einkaufszentrum einigen Menschen das Leben nahm. Ich möchte hier auf Details nicht weiter eingehen. Aber die „Ballerspiel“-Thematik wollte mich damals einfach nicht loslassen.
Sind Videospiele schuld?
Wie jedes Mal nach solch einem Anschlag zu der Zeit wurde sich das private Umfeld des Täters (ich gender hier nun nicht, weil es in meiner Erinnerung immer männliche Täter waren) angesehen. Oft wurde hier die Parallele gezogen, dass sich mithilfe von Spielen wie Call of Duty, Counterstrike oder ähnlichen „Ballerspielen“ bestimmte Skills an Waffen angeeignet worden seien oder damit die Hemmschwelle zur richtigen Tat gesenkt wurde.
Viele Gedanken habe ich mir damals dazu gemacht. Wie wir alle wahrscheinlich, denn als Videospiel-LiebhaberIn möchten wir nicht abgestempelt werden, nur weil wir Spaß haben einem Shooter. Wir sind alle genauso getroffen von solch schlimmen Taten. Wir versuchen alle zu verstehen warum jemand zu so einer Tat getrieben wird. Oder sich dazu veranlasst fühlt. Das es oft mehr ist als nur ein simples Videospiel. Religion, fehlender Respekt, Rassismus, fehlende Toleranz, Mobbing und noch so vieles mehr sind Faktoren, die diese Welt schlechter machen und Videospiele gehören eigentlich nicht dazu.
Meine eigene Erfahrung
Ich habe mich damals im Abitur mit dem Thema Amokläufe in meiner Facharbeit auseinandergesetzt. Was meine Lehrer davon hielten? Sie hatten wahrscheinlich Angst, dass es ein Zeichen ist, aber nein, ich wollte einfach die Hintergründe verstehen. Das „Ballerspiele“ nun wirklich nicht der Grund dafür sein können.
Außerdem gab es an unserer Schule einmal einen (zum Glück) Fehlalarm. Ich war auf das Gymnasium gewechselt, war eine Woche dort und plötzlich ertönt eine Durchsage, die einfach keinen Sinn ergeben hat. Den Wortlaut davon werde ich niemals mehr vergessen. Für die Lehrer war sofort klar: Weg von den Fenstern, weg von der Tür, auf den Boden. Die Räume wurden abgeschlossen und dann saßen wir da. Die Lehrer klärten uns auf, was der Alarm zu bedeuten hatte und plötzlich spürt man nur noch Angst. Du hörst das SEK durch das Gebäude rennen und niemand weiß, ist da draußen wirklich jemand oder nicht? Nur ein Fehlalarm. Doch das hat meine Neugier verstärkt, was einen Menschen zu so einer Tat bewegt.
Ich muss sagen, dass ich mich wirklich intensiv mit diesem Thema beschäftigt habe. In vielen Büchern über Amokläufe steht auch ganz genau drin, dass „Ballerspiele“ nicht der Auslöser für diese Taten sind. (Nur um das direkt einmal festzuhalten!)
Nicht selten haben die Täter psychische Erkrankungen oder zeigen narzisstische Verhaltenweisen. Dazu kommt dann einfach das Umfeld. Angefangen bei den Eltern. Wie gehen sie mit ihrem Kind um? Kümmern sie sich oder nicht? Allerdings muss nicht immer etwas in der Erziehung schieflaufen. Manchmal reicht auch ein Waffen vernarrter Vater, der seinen Sohn mit auf die Jagd nimmt. Ihm zeigt wie man Tiere ausnimmt und somit schon eine Hemmschwelle zum Töten senkt. Aber auch das macht keinen Täter, es gibt immerhin viele Jäger.
Dann ist der Freundeskreis wichtig. Hat er überhaupt Freunde? Ist er eher Einzelgänger? Ruhig? Zurückgezogen? Wenn er doch Freunde hat, dann wissen diese meist nichts von dem Leben hinter der Fassade. Vielleicht wird der Außernseiter gemobbt. Wird von den Lehrern nicht ernst genommen. Kommt mit dem Leistungsdruck nicht zurecht. Bekommt keine Hilfe und hört irgendwann auf danach zu bitten. So vergräbt man sich schnell in dunklen Gedanken, in Groll und Wut, vertraut sich niemandem mehr an. Versinkt in Rachgedanken. Baut sich einen Plan. Und dann? Spielt man vielleicht ein „Ballerspiel“, um seine Wut an virtuellen Gegnern auszulassen.
Futter für die Medien
Ich finde es furchtbar, wie die Medien sich auf den „Ballerspiel“-Fakt stürzen, nur weil der Täter aus Winnenden eben auch diese Spiele gespielt hat. Ich meine, wer hat heute nicht mindestens eines solcher Spiele in seinem Regal stehen? Ich lasse auch gerne mal meine Wut an virtuellen Menschen aus, aber das heißt noch lange nicht, dass ich einen Amoklauf plane.
Ich meine, diese These wäre so, als würde man sagen der Täter von Nizza hat den LKW Simulator gespielt und wusste daher wie so ein LKW funktioniert. Wenn ihr versteht was ich damit meine. In unserem alter zockt man eben viel. 8In jedem Alter) Das sie kein Grand Theft Auto bei dem Mann aus Nizza gefunden haben wundert mich jetzt nicht. Aber ich habe das Spiel im Schrank stehen, Doom, CoD, aber macht mich das jetzt zum potenziellen Mörder? Wir werden damit alle über einen Kamm geschert und in den Dreck gezogen und als eine potenzielle Bedrohung abgestempelt.
Dieses deutsche Schubladendenken ist einfach so veraltet und schlimm. Nicht nur im Bezug auf Gaming auch in allen anderen Belangen. Aber noch viel schlimmer ist, dass zu viele Leute glauben was ihnen dort im Fernsehen oder in der Bild verzapft wird. Das sie sich nicht selber Gedanken dazu machen und nur nachreden. Das was die Nachrichten sagen wird schon stimmen. Diese Menschen würden auch einer neuen rechtsextremen Bedrohung hinterherlaufen und das macht mir Angst. Wir erleben es gerade überall auf der Welt. Es ist jeden Tag in den Nachrichten zu sehen.
Es ist wichtig, dass wir den Leuten zeigen, dass wir keine skrupellosen Killer sind. Nicht umsonst heißt die gamescom, das Fest oder Liebe, oder? Ich habe kaum ein friedlicheres miteinander erlebt, als unter uns Gamern. (Jetzt mal abgesehen von der League of Legends oder FIFA Community 😛 )
Das Menschen solche Taten begehen hat oft viel tiefere Hintergründe. Depressionen, Mobbing, vielleicht Missbrauch körperlich oder psychisch oder andere Arten von jahreslangem Entzug anderer emotionaler Ebenen, die ein Mensch eben vielleicht benötigt. Ich bin einfach froh, dass sich die Berichterstattung in den letzten Jahren noch solchen Taten nicht mehr in so eine Richtung bewegt. Das sowas noch immer passiert, wird dadurch allerdings auch nicht besser und wie die Medien heute damit umgehen auch nicht. Aber das ist ein anderes Thema.
Allerdings würde mich eure Meinung zu dem Thema echt interessieren. Wie seid ihr mit der Thematik um die „Ballerspiele“ umgegangen?
Und lasst euch von den Ereignissen dieser Welt nicht runter ziehen. So lange es immer noch Menschen gibt, die anderen in den Situationen helfen und ihr zu Hause anbieten als Zuflucht und Menschen die Hoffnung haben, dass wir den Terror besiegen können, solange ist diese Welt auch noch nicht verloren, auch wenn es vielleicht oft so scheint. Besonders in der heutigen Zeit, die sich einfach nur schwer anfühlt. Bleibt stark.
Im Klartext: Passt auf euch auf, solltet ihr Hilfe benötigen:
- „Nummer gegen Kummer“ (Kinder und Jugendliche) – 116 111
- Telefonseelsorge – 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
- Info- Telefon Depression – 0800 334 4533
- Hilfetelefon tatgeneigte Personen – 0800 70 22 240







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