"Ballerspiele" – Ein Fluch unserer Generation?

„Ballerspiele“ – Ein Fluch unserer Generation?

RoxyResistant

2 Beiträge · 6 Kommentare · aktiv in Diskussionen

​Manchmal müssen wir uns auch mit Themen beschäftigen, die kontrovers sind und von einigen lieber nicht angesprochen werden möchten. Hierzu gehört eben auch die Diskussion über „Ballerspiele“ die immer wieder besonders nach Amokläufen an Schulen in den Medien Anklag fand. Mein damaliger Artikel dazu bezog sich auf den Anschlag am 22. Juli 2016 in München, wo ein Jugendlicher in einem Einkaufszentrum einigen Menschen das Leben nahm. Ich möchte hier auf Details nicht weiter eingehen. Aber die „Ballerspiel“-Thematik wollte mich damals einfach nicht loslassen.

Sind Videospiele schuld?

Wie jedes Mal nach solch einem Anschlag zu der Zeit wurde sich das private Umfeld des Täters (ich gender hier nun nicht, weil es in meiner Erinnerung immer männliche Täter waren) angesehen. Oft wurde hier die Parallele gezogen, dass sich mithilfe von Spielen wie Call of Duty, Counterstrike oder ähnlichen „Ballerspielen“ bestimmte Skills an Waffen angeeignet worden seien oder damit die Hemmschwelle zur richtigen Tat gesenkt wurde.

Viele Gedanken habe ich mir damals dazu gemacht. Wie wir alle wahrscheinlich, denn als Videospiel-LiebhaberIn möchten wir nicht abgestempelt werden, nur weil wir Spaß haben einem Shooter. Wir sind alle genauso getroffen von solch schlimmen Taten. Wir versuchen alle zu verstehen warum jemand zu so einer Tat getrieben wird. Oder sich dazu veranlasst fühlt. Das es oft mehr ist als nur ein simples Videospiel. Religion, fehlender Respekt, Rassismus, fehlende Toleranz, Mobbing und noch so vieles mehr sind Faktoren, die diese Welt schlechter machen und Videospiele gehören eigentlich nicht dazu.

Meine eigene Erfahrung

Ich habe mich damals im Abitur mit dem Thema Amokläufe in meiner Facharbeit auseinandergesetzt. Was meine Lehrer davon hielten? Sie hatten wahrscheinlich Angst, dass es ein Zeichen ist, aber nein, ich wollte einfach die Hintergründe verstehen. Das „Ballerspiele“ nun wirklich nicht der Grund dafür sein können.

Außerdem gab es an unserer Schule einmal einen (zum Glück) Fehlalarm. Ich war auf das Gymnasium gewechselt, war eine Woche dort und plötzlich ertönt eine Durchsage, die einfach keinen Sinn ergeben hat. Den Wortlaut davon werde ich niemals mehr vergessen. Für die Lehrer war sofort klar: Weg von den Fenstern, weg von der Tür, auf den Boden. Die Räume wurden abgeschlossen und dann saßen wir da. Die Lehrer klärten uns auf, was der Alarm zu bedeuten hatte und plötzlich spürt man nur noch Angst. Du hörst das SEK durch das Gebäude rennen und niemand weiß, ist da draußen wirklich jemand oder nicht? Nur ein Fehlalarm. Doch das hat meine Neugier verstärkt, was einen Menschen zu so einer Tat bewegt.

Ich muss sagen, dass ich mich wirklich intensiv mit diesem Thema beschäftigt habe. In vielen Büchern über Amokläufe steht auch ganz genau drin, dass „Ballerspiele“ nicht der Auslöser für diese Taten sind. (Nur um das direkt einmal festzuhalten!)

Nicht selten haben die Täter psychische Erkrankungen oder zeigen narzisstische Verhaltenweisen. Dazu kommt dann einfach das Umfeld. Angefangen bei den Eltern. Wie gehen sie mit ihrem Kind um? Kümmern sie sich oder nicht? Allerdings muss nicht immer etwas in der Erziehung schieflaufen. Manchmal reicht auch ein Waffen vernarrter Vater, der seinen Sohn mit auf die Jagd nimmt. Ihm zeigt wie man Tiere ausnimmt und somit schon eine Hemmschwelle zum Töten senkt. Aber auch das macht keinen Täter, es gibt immerhin viele Jäger.

Dann ist der Freundeskreis wichtig. Hat er überhaupt Freunde? Ist er eher Einzelgänger? Ruhig? Zurückgezogen? Wenn er doch Freunde hat, dann wissen diese meist nichts von dem Leben hinter der Fassade. Vielleicht wird der Außernseiter gemobbt. Wird von den Lehrern nicht ernst genommen. Kommt mit dem Leistungsdruck nicht zurecht. Bekommt keine Hilfe und hört irgendwann auf danach zu bitten. So vergräbt man sich schnell in dunklen Gedanken, in Groll und Wut, vertraut sich niemandem mehr an. Versinkt in Rachgedanken. Baut sich einen Plan. Und dann? Spielt man vielleicht ein „Ballerspiel“, um seine Wut an virtuellen Gegnern auszulassen.

Futter für die Medien

Ich finde es furchtbar, wie die Medien sich auf den „Ballerspiel“-Fakt stürzen, nur weil der Täter aus Winnenden eben auch diese Spiele gespielt hat. Ich meine, wer hat heute nicht mindestens eines solcher Spiele in seinem Regal stehen? Ich lasse auch gerne mal meine Wut an virtuellen Menschen aus, aber das heißt noch lange nicht, dass ich einen Amoklauf plane.

Ich meine, diese These wäre so, als würde man sagen der Täter von Nizza hat den LKW Simulator gespielt und wusste daher wie so ein LKW funktioniert. Wenn ihr versteht was ich damit meine. In unserem alter zockt man eben viel. 8In jedem Alter) Das sie kein Grand Theft Auto bei dem Mann aus Nizza gefunden haben wundert mich jetzt nicht. Aber ich habe das Spiel im Schrank stehen, Doom, CoD, aber macht mich das jetzt zum potenziellen Mörder? Wir werden damit alle über einen Kamm geschert und in den Dreck gezogen und als eine potenzielle Bedrohung abgestempelt.

Dieses deutsche Schubladendenken ist einfach so veraltet und schlimm. Nicht nur im Bezug auf Gaming auch in allen anderen Belangen. Aber noch viel schlimmer ist, dass zu viele Leute glauben was ihnen dort im Fernsehen oder in der Bild verzapft wird. Das sie sich nicht selber Gedanken dazu machen und nur nachreden. Das was die Nachrichten sagen wird schon stimmen. Diese Menschen würden auch einer neuen rechtsextremen Bedrohung hinterherlaufen und das macht mir Angst. Wir erleben es gerade überall auf der Welt. Es ist jeden Tag in den Nachrichten zu sehen.

Es ist wichtig, dass wir den Leuten zeigen, dass wir keine skrupellosen Killer sind. Nicht umsonst heißt die gamescom, das Fest oder Liebe, oder? Ich habe kaum ein friedlicheres miteinander erlebt, als unter uns Gamern. (Jetzt mal abgesehen von der League of Legends oder FIFA Community 😛 )

Das Menschen solche Taten begehen hat oft viel tiefere Hintergründe. Depressionen, Mobbing, vielleicht Missbrauch körperlich oder psychisch oder andere Arten von jahreslangem Entzug anderer emotionaler Ebenen, die ein Mensch eben vielleicht benötigt. Ich bin einfach froh, dass sich die Berichterstattung in den letzten Jahren noch solchen Taten nicht mehr in so eine Richtung bewegt. Das sowas noch immer passiert, wird dadurch allerdings auch nicht besser und wie die Medien heute damit umgehen auch nicht. Aber das ist ein anderes Thema.

Allerdings würde mich eure Meinung zu dem Thema echt interessieren. Wie seid ihr mit der Thematik um die „Ballerspiele“ umgegangen?

Und lasst euch von den Ereignissen dieser Welt nicht runter ziehen. So lange es immer noch Menschen gibt, die anderen in den Situationen helfen und ihr zu Hause anbieten als Zuflucht und Menschen die Hoffnung haben, dass wir den Terror besiegen können, solange ist diese Welt auch noch nicht verloren, auch wenn es vielleicht oft so scheint. Besonders in der heutigen Zeit, die sich einfach nur schwer anfühlt. Bleibt stark.

Im Klartext: Passt auf euch auf, solltet ihr Hilfe benötigen:

  • „Nummer gegen Kummer“ (Kinder und Jugendliche) – 116 111
  • Telefonseelsorge – 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
  • Info- Telefon Depression   – 0800 334 4533
  • Hilfetelefon tatgeneigte Personen  – 0800 70 22 240

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WolfgangTobiBen BiscAndré Eymann

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11 Kommentare zu „„Ballerspiele“ – Ein Fluch unserer Generation?“

  1. Avatar von Tobi
    VSG-Autor

    Hui, erstmal danke für deinen Beitrag, Roxy. Da hast du dir ein kontorverses Thema rausgesucht. Dass du darüber in deiner Facharbeit geschrieben hast, Respekt. Ich hab leider aktuell keinen Kopf für so vieles und bin sehr im Stress. Ein paar Gedanken möchte ich aber dennoch gerne loswerden.

    Ich bin mir sicher, dass es immer eine persönliche Sache ist, ob ein Ballerspiel Einfluss gewinnen kann, oder nicht. „Böse“ Spiele würde ich damit auf die Stufe von Filmen der gleichen Kategorie stellen, auch wenn die Immersion und Interaktion in Spielen natürlich höher ist, als der passive Konsum eines Films.
    Ich meine, Ballerspiele oder blutrünstige Spiele KÖNNEN bestimmt begünstigen, dass jemand abdreht und schlimme Dinge tut, da bin ich mir sicher. Sie MÜSSEN es aber ganz klar auch nicht. Das steigt oder fällt mit der Psyche der Person, die das Medium konsumiert. Gerade auch in einer Zeit, in der das Hirn von Kindern und Heranwachsenden strukturell gefestigt und für das Leben geprägt wird, kann da viel passieren – oder eben nicht und die Kids spielen einfach nur und haben Spaß. Die eigene Psyche schleppt man aber sein Leben lang mit sich herum, alles verbieten würde ich aber nicht.

    In einer Zeit, in der Gewalt, Bedrohung und Zukunftsangst leider unser täglich Brot in den Nachrichten und vor allem im Internet sind, was jeder Person ungefiltert zur Verfügung steht, ist das Spielethema mittlerweile glaube ich eine eher zu vernachlässigbare Sparte, was Gewaltschürung angeht. Spielen gewinnt in meinen Augen eher wieder mehr an Wert im Sinne von Eskapismus und Ablenkung, weil vieles Reale kaum ertragbar zu sein scheint.

    Aus meiner Erfahrung heraus (OMG, ich bin so alt 😩) würde ich auch sagen, dass Mädels Stress eher an sich selbst auslassen, während Jungs das oft auch (mit anderen) an anderen tun. Unsere Köpfe sind einfach sehr unterschiedlich gestrickt. Aber auch das ist bitte wieder sehr persönlich abzugrenzen, will und kann ja nicht alle über einen Kamm scheren. Auch das Alter ist durch mein „Jungs und Mädels“ nicht wirklich definiert gemeint. Ich möchte auch behaupten, in meinem Leben schon wirklich schlimme Dinge gesehen zu haben. Ohne da jetzt näher drauf eingehen zu wollen. Und ich spiele ebenfalls seit etwa 40 Jahren (auch) Spiele, in denen man andere killt. Auch wenn ich in der Hinsicht viel ruhiger geworden bin und mittlerweile mehr auf entspannte Spiele stehe. Dennoch habe ich nie den Wunsch gehabt, jemandem zu schaden.
    Ich kann hier nur von mir selbst ausgehen. Daher denke ich einfach, dass die damaligen Diskussionen um Killerspiele sehr aufgebauscht waren.

    Mein Fazit: Killerspiele können negative Auswirkungen haben, müssen aber nicht. Auch so ganz ohne Spiele: Wir sind alle Menschen. So gleich und doch so unterschiedlich. Was die eine Person kalt lässt, bringt die andere auf die Palme. Manche sind leider sehr aggressiv, aufbrausend, andere haben ein verkümmertes Gewissen, oder eine Moral, die nur ein weiteres Fremdwort neben der Ethik darstellt. Manche Menschen sind auch einfach psychische, indoktrinierte oder fanatische Zeitbomben, die irgendwann explodieren. Ganz ohne Spiele. Das soll keine Entschuldigung für schlimme Taten sein. Ich denke aber, diese Thematik werden wir auf diesem Planeten leider nie los.

    RoxyResistant
    1. Avatar von RoxyResistant

      Ja, wenn dann komme ich direkt mit einem großen Knall. 😀

      Aber teile deine Meinung. Man kann es nicht pauschalisieren und natürlich kann es bei psychisch instabilen Personen auch andere Dinge auslösen. Den Punkt sehe ich.

      Am Ende wissen wir nicht, was in den Menschen, die sowas getan haben wirklich vorging. Was sie erlebt haben. Auch das sehe ich.

      Und ja, ich kann sagen, in meinen schlechten mentalen Phasen, habe ich mir selber was angetan, statt anderen. Aber wie du schon sagst, auch das lässt sich in keine Schubladen stecken.

      Danke für deinen Kommentar. 🙂

      Tobi
  2. Avatar von Wolfgang
    VSG-Autor

    Diese Thematik polarisiert, nach wie vor.

    Beschreibungen, Geschichten dazu reflektieren immer auch eigene Perspektiven, Erlebnisse, Wahrnehmungen. Das ist auch gut so. Danke Roxy für deine Sichtweise!

    Kurz mein Senf:
    Zum verwendeten Begriff “Ballerspiele”: Ist er instrumentalisiert worden? Politisch, populistisch? Auch von Personen, die sich nicht mit Spielen auseinandergesetzt haben? Ja, ist er. Und um das geht es hier u.a. ja auch. Ein Gedankenanstoß, wie es sich medial gezeigt hat. Durch die „Anführungszeichen“ kann eine Verbindung beim Lesen hergestellt werden. Die Wahl ist legitim. Kann auch als Kritik verstanden werden, wie er eben medial verwendet wurde.

    “Triggert” es? Ein Stück weit bestimmt, dann sind wir bei der Frage, wie “Trigger Warnings” hier zum Einsatz kommen. Das obliegt momentan den Autoren selbst/ den Personen die kommentieren selbst. Denn auch die Bezeichnung “Schuld” in einem Kommentar triggert bezüglich dieser Thematik, wurde auch sehr spürbar von Politik und Medien instrumentalisiert.

    Gibt es einen Zusammenhang zwischen Gewalt und Videospiele? Hierzu gibt es keine mir bekannte (wissenschaftlich seriöse) Studie, die das belegt. Können Videospiele aggressiv machen? Ja! Zwischen Aggression und Gewalt gilt es allerdings zu unterscheiden. Eines der Spiele das am häufigsten in puncto Aggression genannt wird, ist Fifa. Das ist nicht aus der Luft gegriffen, das ist auch in Hilfestellen bezüglich Videospielproblematiken Thema. Wenn man Schulklassen danach fragt Thema.

    Was Spiele eben auch können: Emotionen intensivieren. Wie auch immer diese gerade in uns wirken. Das geht in unterschiedliche Richtungen. Das reicht von Ängsten schüren über solche auch abzubauen bis hin zur mentalen Stütze sein und mehr.

    Die “Spielewelt” ist dabei von Strömungen durchzogen, die je nach “Momentum” Gesicht zeigen. Es gibt sehr positive Communities, die wertschätzend miteinander umgehen. Was Gaming zu einem schönen Ort machen kann. Es gibt toxische Communities, die nur sich selber als “echt” bezeichnen. Die (nicht selten rechts gerichtete) Manosphere lebt “ihre Vorstellungen” ungehemmt darin aus. Und ja, Gaming Spaces werden tatsächlich für “politische Zwecke” missbraucht. Und noch mehr.

    Nochmal ergänzend, unterstreichend: Genaugenommen können “Ballerspiele” auch außerhalb von “Ego Shootern” und “Third Person” angesiedelt sein. Metroidvanias, side-scrolling Genre z.B. Wer das alte Spiel “Ballerburg” kennt, kann vielleicht Facetten von Bezeichnungen ausmachen.

    Kleine Anmerkung am Ende (respektvoll gemeint) zu den Kommentaren hier: wenn Sätze mit einem “aber” weitergeführt werden, wird das Erstgenannte zu einem sehr großen Teil “entkräftet” bzw. nahezu bedeutungslos. Vielleicht gleich direkt bei dem bleiben, was man sagen möchte. Dieses “Ja, aber” ist einfach ein ermüdendes “Internet Ding”.

    RoxyResistantTobiAndré Eymann
  3. Avatar von Lenny
    VSG-Autor

    Ich sage es mal ganz frei heraus. Ich finde diesen Artikel schwierig. Nicht weil ich gänzlich anderer Meinung bin oder dir deine Expertise absprechen möchte. Aber ich hatte aus zwei Gründen so meine Probleme.

    Grund 1: Das Wort Ballerspiele/Killerspiele

    Das Wort ist ein Trigger (was irgendwie ironisch ist, denn Schusswaffen haben in der Regel auch einen Trigger). Verwendet von denjenigen die sich wahrscheinlich nie mit Videospielen beschäftigt haben. Und damit meine ich nicht einmal selbst spielen. Passierte etwas, ging es nie darum, Gründe und Lösungen zu finden. es ging um Populismus und einen einfachen Sündenbock zu finden, der vor allem dafür sorgt, dass alles so weitergehen konnte wie zuvor. Sind die Eltern Schuld die ihr Kind vernachlässigt haben? Womöglich ja, aber das kann man nicht sagen, denn es ist ja die Familie und die Familie ist heilig und sie muss dich ja auch noch wählen. Ist die Schule Schuld, weil sie Signale übersehen hat, weil Schule ein Umfeld schaffen kann durch Leistungsdruck, Mobbing usw. Womöglich ja. Aber das kann man nicht sagen, denn Schule an sich ist ja schon ein schwieriges Thema, dass wichtig ist, aber an anderer Stelle besser und genauer und kompetenter behandelt wird. Ist das System Schuld? Ja. Wenn nicht die Zeit und die Kapazität dafür da ist auf dein Kind oder deine Kinder zu achten und darauf zu schauen was sie konsumieren, dann ist das ein Fehler im System. Wenn ich in meiner Grundschule von Kindern höre was sie im Alter zwischen 6 und 10 Jahren schon spielen dürfen, dann stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Natürlich hat jede/r schon Spiele gespielt oder Filme gesehen, die nicht für einen bestimmt waren. Daran ist auch nichts auszusetzen. Ich hatte aber zum einen das Glück dass sich mein Vater für Filme und in Maßen auch für Spiele interessiert hat. Ihm konnte ich dann erzählen was ich gesehen hatte und zum anderen konnte ich schon immer gut reflektieren. Das kann aber nicht jede/r und selbst wenn, musst du trotzdem auf dein Kind/ deine Kinder aufpassen. Zeige Interesse, zeige ihnen dass sie sich dir anvertrauen können. Ist aber schwierig, wenn der soziale Druck da ist, beide müssen arbeiten, falls es noch eine klassische Familie ist. Wahrscheinlich sind es eher Alleinerziehende Elternteile, die das alles unter einen Hut bringen müssen. Und da kann ich auch keinen Vorwurf machen, wenn das Kind vor der Konsole geparkt wird, weil man selbst auch Zeit für sich braucht.
    Was hat das Wort Ballerspiele nun damit zu tun? Es ist eine Ablenkung vom eigentlichen Problem, dass ich hier in Auszügen benannt habe. Es ist das Gleiche wie häusliche Gewalt oder Ehetragödie. Nenn es beim Namen. Es sind Femizide, Morde. Orcas heißen auch nicht mehr Killerwale (zumindest sollte man sie nicht mehr so nennen). Wir kennen uns doch aus. Wir wissen, es gibt Ego-Shooter, Third-Person-Shooter, usw. dann nennt es so. Und benutzt nicht Begriffe von Leuten die zum einen nur auf Populismus aus sind und zum anderen keine Ahnung haben.

    Grund 2: Wir sind nicht Schuld

    Das möchte ich dir und deinem Artikel gar nicht vorwerfen, aber da war er wieder dieser Reflex. Videospiele sind nicht Schuld. Videospielende haben keine Schuld. Videospielhersteller haben keine Schuld. Es ist doch alles eine tolle Community die keinerlei Probleme hat und wo Blumen wachsen und der Weltfrieden in greifbarer Nähe ist. Ist das jetzt zu viel Sarkasmus? Sorry not sorry. Ich liebe Videospiele, aber ich sage trotzdem das Videospiele eine Mitschuld tragen. Videospielhersteller die ein Spiel so konzipieren, dass es diejenigen anspricht die es eigentlich noch gar nicht spielen sollten, aber es ist ja eine gute Einnahmequelle, wenn Mama oder Papa die Geldbörse öffnen um das eine oder andere zu kaufen. Eine Community die eine offene und herzige Gemeinschaft sein kann, wenn du dazu gehörst. Blöd nur wenn du keinen Einfluss darauf hast, ob du dazu gehören darfst oder nicht. Ich glaube Frauen und Mädchen können dazu viel sinnvollere Beiträge leisten als ich als weißer heterosexueller Mann Ende 30. Hab ich noch was vergessen? Ich meine Gamergate, Probleme mit Rechts, usw. Ich denke Videospiele und jede/r Videospieler/in tragen eine Mitschuld. Und ich meine jede/r. Wer hat sich nicht schonmal über den zehnjährigen aufgeregt in CoD, der dich abgeschossen hat? Aber wer hat mal gefragt: „Ey Kleiner, warum spielst du das? Wissen das deine Eltern?“ Wohl kaum jemand.

    Aber wer ist denn jetzt Verantwortlich? Ist doch ganz einfach. Die anderen. Es sind immer die anderen. Die anderen sind Schuld also sollen auch die anderen eine Lösung finden und Verantwortung übernehmen. Blöd nur wenn alle den anderen die Schuld geben ist man am Ende ja auch selbst Verantwortlich. Für sich und die Menschen um einen herum.

    André EymannTobi
    1. Avatar von André Eymann
      VSG-Autor

      Danke für Deine Gedanken, Lenny.

      Ich denke, das Wort „Ballerspiele“ im Titel wurde bewusst in Anführungszeichen gesetzt. Damit wird aus meiner Sicht bereits angedeutet, dass der Begriff nicht unkritisch oder wörtlich übernommen wird. Gleichzeitig greift der Titel natürlich auch den gesellschaftlichen und medialen Diskurs auf. Daran finde ich zunächst nichts Problematisches.

      Eine klare „Wir sind nicht schuld“-Argumentation kann ich – ähnlich wie Du – aus Roxys Beitrag ebenfalls nicht herauslesen. Für mich wirkt der Text eher wie eine persönliche Reflexion, die bewusst keine einfachen Antworten geben möchte. Gleichzeitig kann ich gut nachvollziehen, dass die pauschale Darstellung von Spielen oder Spielern bei vielen schnell Unbehagen auslöst – gerade dann, wenn Spiele für einen selbst auch positive oder wichtige Erfahrungen bedeuten.

      Den letzten Absatz Deines Kommentars finde ich allerdings etwas schwierig, weil er in der Tonlage leicht polemisch wirkt. Vermutlich ist das bewusst zugespitzt formuliert, aber dadurch entfernt sich der Gedanke für mich etwas vom eigentlichen Thema des Beitrags. Natürlich trägt jeder Mensch Verantwortung – das steht außer Frage. Mir hätte an der Stelle eher eine konkrete Brücke zur Diskussion über Spiele oder Medien geholfen.

      RoxyResistantWolfgang
  4. Avatar von Noriko
    Noriko
    Gast

    Ich habe die „Killerspiel“-Debatte schon immer als unnötig angesehen. Das kam alles nur auf, weil die Medien etwas brauchten, an dem sie sich aufhängen konnten. Und das zu einer Zeit, in der Gamer noch weniger respektiert wurden als heute. Denn Gamer waren ja eh „merkwürdig“ und „unsozial“, also musste es ja unbedingt von diesem gewaltverherrlichenden Games kommen.
    Die Spiele wurden ja beschrieben wie eine Art „Brutlager“ und „Ausbildungsstätte“ für zukünftige Amokläufer.

    Aber du hättest das auch direkt „Killerspiel“-Debatte nennen können, so wurde es ja damals aufgezogen. Denn „Killerspiel“ erregt in den Medien deutlich mehr Aufsehen als „Ballerspiel“.

    André Eymann
    1. Avatar von RoxyResistant

      Macht für mich wenig Unterschied wie ich es jetzt am Ende benannt habe. Die Medien und Politik haben sich am falschen Ende aufgehangen, weil es die einfachste Lösung war.

      Weil es konnte ja nicht sein, dass es für sowas andere Gründe gab. (🙄)

      André Eymann
    2. Avatar von André Eymann
      VSG-Autor

      Ich möchte hier noch kurz ergänzen, dass es die Debatte über „Kriegsspiele“ schon seit den 1980er-Jahren gibt.

      Zitat: „Videospiel-Kassetten gelangen in erster Linie in die Hände von Kindern und da diese noch keine militärische Ausbildung erhalten können, läßt man sie zunächst einmal videomäßig Krieg spielen, genauer: morden“ und „Der Spieler hat eines der brutalsten Videospiele in den Abspielschacht eingelegt das derzeit auf dem deutschen Markt angeboten wird“ – Test zum Xonox-Spiel Robin Hood

      Quelle: Telematch – die Geburtsstunde der deutschen Videospielmagazine

      Tobi
  5. Avatar von Ben Bisc
    VSG-Autor

    Es ist halt irgendwie immer das gleiche Spiel. Die Politik unseres Landes kümmert sich weder um Prävention noch versorgt sie entsprechende Hilfsangebote mit ausreichenden Mitteln. Dann passiert so etwas unsagbar unfassbar trauriges und dann muss natürlich auch ein Schuldiger her.

    Schade dass man nicht in der Lage ist, Fehler einzugestehen und abzustellen.
    Fehler sind ja ok, mit der entsprechenden Handlungskonsequenz dahinter.

    Aber nein, man greift zur Polemik, polarisiert mit „KILLERSPIELEN“ als Nebelkerze und ist dann fein raus und alles läuft weiter wie bisher, bis zum nächsten Vorfall

    Eat, sleep, repeat.

    Danke für diesen Beitrag. Auch der Einblick in deine persönliche Erfahrung ist hier durchaus wertvoll.

    Für mich selbst war die ballerspiele-Diskussion immer mehr als befremdlich weil ich, genau wie du und viele andere Gamer nicht den connect zwischen Spiel und Realität mache. Nur weil ich gut in CS:GO bin (Spoiler: bin ich NATÜRLICH nicht) muss das nicht heißen das ich losgeh und anderen was antue. Und wenn ist das Spiel am Ende nur noch ein Tropfen auf einem wasserfsss voll Dingen die vorher ausschlaggebend waren…

    TobiRoxyResistantAndré Eymann
    1. Avatar von André Eymann
      VSG-Autor

      Ich denke (und hoffe) ja immer, dass sich das Thema dadurch selbst erledigt, dass auch die nachfolgenden Politiker und Medienschaffenden früh mit Videospielen in Berührung kommen. So entsteht die richtige und notwendige Sensibilität.

      Diesen Satz von Dir teile ich natürlich auch: „Für mich selbst war die ballerspiele-Diskussion immer mehr als befremdlich weil ich, genau wie du und viele andere Gamer nicht den connect zwischen Spiel und Realität mache.“

      Jeder, der mit Videospielen aufwächst und/oder sie versteht, weiß genau, dass Spiele allein nicht zu Gewalt führen, sondern in der Regel das Gegenteil der Fall ist. Videospiele sind Liebe.

      RoxyResistantBen Bisc
      1. Avatar von RoxyResistant

        So nämlich.

        André Eymann

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