Wie schwer kann es sein, über Spiele zu schreiben? Die eigene Webseite ins Netz zu werfen kostet nur ein paar Euro im Monat und ist auch ohne technisches Wissen umsetzbar. Und der Text? Text ist ja sowieso praktisch umsonst, man muss nur Gedanken und Meinungen mit den Fingern auf die Tastatur bringen, und Gedanken sind frei wie Freibier. Zocken tun wir ja sowieso alle, egal, ob am Smartphone oder dem Gaming-PC. Trotzdem wurde die zweite Ausgabe von Debuff auf die letzte Minute fertig, gerade so, trotz einem halben Jahr Vorbereitungszeit.

Debuff ist ein digitales Spielemagazin, das ich zusammen mit Christina Kutscher und Florian Zandt betreibe. Die Idee: Jedes halbe Jahr erscheint eine neue Ausgabe, wenn man es so nennen will, was wir wollen. Die Texte schreiben wir größtenteils nicht selbst, sondern freie Autor*innen. Die bekommen dafür ein Honorar – denn Schreiben ist Arbeit, dass wissen wir aus unserer eigenen Arbeit. Das ganze rahmen wir mit einem Vorwort thematisch ein, klatschen nette Bilder über die Artikel und ein paar Bonusinhalte unten drunter, und raus damit. Klingt machbar.
Wie schwer es sein kann, über Spiele zu schreiben, haben wir bei Debuff #2 gespürt. Der Startschuss fiel im Herbst 2025, mehr als genug Zeit, so der Plan. Doch zwischen Weihnachtsfeiern und Krankentage, Urlaube und Umzüge, Terminkonflikte und Deadlines und alles, was ein Leben so ausmacht, war dann plötzlich Februar und kein Text fertig, kein Coverbild gemalt, kein technisches Problem, das uns bei der ersten Aufgabe aufgefallen war, gelöst. Zwischen Vollzeitjob und Familienleben sind Spiele vielleicht ein Hobby, das noch Raum hat, aber Journalismus über sie ist dann doch noch etwas mehr: Es ist Arbeit. Leidenschaft und Überzeugung können motivieren, aber geben dem Tag auch nicht mehr Stunden. (Außer man erkauft sich mit Schlafmangel etwas mehr Zeit: Die Coverbilder von Ausgabe 2 baute ich in der Nacht vor der Veröffentlichung.)
Manchmal merkt man dann aber doch, wie einfach es noch immer sein kann. Mein eigener Beitrag zu dieser Ausgabe von Debuff, das Portrait einer 2025 bei King Art Games entlassenen Spieleentwicklerin, startete mal als simples Interview. Monatelang kreisten meine Gesprächspartnerin und ich um Termine, fanden keine Zeit zusammenzukommen. Auf den Tag eine Woche vor der geplanten Veröffentlichung klappte es dann doch. Das Gespräch, glücklicherweise nicht über Zoom, sondern persönlich in einem Café, inspirierte mich. Einen Tag später war ein ganzer Text fertig – einer, auf den ich stolz bin.
Trotz des immer wieder mal holprigen Weges machen wir deshalb weiter. Natürlich knirscht es auch im befreundeten Redaktionsteam mal, wenn Aufgaben liegenbleiben, Termine nach hinten rutschen und über allem die Frage hängt, ob wir unseren eigenen Ansprüchen gerecht werden. Ansprüche, dir wir aus unsere professionellen journalistischen Arbeit mit in ein Hobbyprojekt nehmen. Das Ergebnis ist dann plötzlich doch mehr als die Summe von ein paar Blogposts – nämlich ein digitales Spielemagazin, wie es das so nicht gibt. Und das ist unsere Motivation: Mit unseren Texten Perspektiven auf Spiele und Spielkultur zu eröffnen, von denen es uns zu wenige gibt – Videospielgeschichten, wenn man so will.
Genau das erinnerte mich persönlich am Ende daran, warum wir mit Debuff überhaupt angefangen haben. Nämlich eben, weil wir finden, dass es so ein Magazin geben sollte, das Spiele auf die Art sieht, auf die wir sie sehen. Deshalb leisten wir ehrenamtliche Arbeit für etwas, das wir selber toll finden. Wir arbeiten mit tollen Menschen zusammen und bezahlen sie für ihre Texte. Erreichen wir ein großes Publikum, decken wir große Skandale auf, verändern wir den öffentlichen Blick auf Spiele? Eher nicht. Aber wäre das unser Ziel, könnten wir es ja gleich sein lassen. Und das ist nun wirklich keine Option.
Aber wem erzähl ich das. Videospielgeschichten ist genau so ein Ort, der seit fast zwanzig Jahren (großzügig gerundet) genau das tut. Debuff steht auf den Schultern von solchen Projekten – sei es das Blog-Urgestein Superlevel (unter dessen Namen der Vorläufer von Debuff noch lief) oder Community-Projekte wie M10Z, die aus dem Forum des mittlerweile eingestellten Magazins WASTED hervorgegangen ist.
Schau mal bei Debuff rein – vielleicht findest du einen weiteren Ort für spannende Geschichten über Spiele im Netz. Und wenn du Fragen hast: frag! Es würde uns freuen, dich kennenzulernen.







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