Rettet die alten Spiele!

Rettet die alten Spiele!

Onkel Jo

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Bitte seht mir den längeren Text nach, es ist ein Weckruf! Es geht um Computerspiele. Mir liegt an dem Thema. Vor 40 bis 50 Jahren war die Spielebranche wie der Wilde Westen. Doch die Erinnerung ist in Gefahr!

Es ist toll, sich an die Phase der ungezügelten Kreativität und gefühlt grenzenlosen Möglichkeiten zu erinnern. Wer unter historischen Aspekten genauer hinsieht, dem fällt jedoch auch eine Schattenseite dieser ungeordneten Explosion des Computerspiele-Zeitalters auf: Die damaligen Spiele, besonders die, die vor der Zeit von Fachzeitschriften, Online-Magazinen oder YouTube erschienen sind, verschwinden aus dem kollektiven Gedächtnis. Wer kann etwa alle Spiele aufzählen, die im Fahrwasser der großen Hits 1981 auf den Markt gekommen sind? Vermutlich keiner. Sind sie deshalb unwichtig? Mitnichten! Sie sind Kulturgut. Zum Teil ist es gerade mit dem heutigen Wissen äußert spannend, solche alten Programmschätze zu heben. Wer es darauf anlegt, könnte jeden Tag neu Spiele wiederentdecken.

Ich stufe mittlerweile allerdings rund 60 bis 70 Prozent der 8-Bit-Generation mit ihren kleinen und oft lokal beschränkten Auflagen bereits als verschollen oder sehr, sehr schwer zugänglich ein. Gerade im Heimcomputer-Bereich. Denn viele der Datenträger sind seither im Müll gelandet, Herstellerfirmen existieren meist nicht mehr und die ehemaligen Spieler erinnern sich allenfalls dunkel.

Verlorene Spiele und mangelhaftes Engagement

Schade, dass Deutschland und auch die Spieleindustrie selbst mit ihrem Game Verband es irgendwie scheinbar nicht geregelt bekommen, dem entgegenzuwirken und hier langfristig eine gut sortierte, umfassende Bibliothek aufzubauen. Ich kenne nur private Initiativen, die in dem Bereich überhaupt Expertise und Teilergebnisse an den Tag legen.

Für die Branche selbst scheint all das keinen gesteigerten Wert zu besitzen, gemessen daran wie halbherzig bei dem Thema vorgegangen wird. Das finde ich schade. Ein entsprechendes, ernsthaft verfolgtes Projekt würde dem Spielestandort Deutschland gut zu Gesicht stehen, denn hierzulande wurde auch früher schon mehr gespielt als in vielen anderen Ländern. Neben den internationalen Werken waren sogar deutsche Spiele damals durchaus relevant.

Stattdessen vernehme ich, dass selbst bei weniger ambitionierten Projekten mit ähnlicher Ausrichtung auf der Stelle getreten wird. Zum Beispiel haust das Computerspielemuseum nun notgedrungen doch weiter in ihren als Lager eher ungeeigneten Räumlichkeiten. Auch die sogenannte „Internationale Computerspielesammlung“ kommt nicht wirklich voran. Das wirft kein gutes Bild auf das Berliner Leuchtturmprojekt „House of Games“, das erst vergangenes Jahr noch groß als eierlegende Wollmilchsau angepriesen wurde und von dem beides ein Teil werden sollte. Scheitern die Ambitionen am Geld oder am Willen?

Ich möchte hier den Schwarzen Peter gar nicht bloß der Politik zuschieben – dort entscheiden nun mal alle paar Jahre andere (mehr oder weniger fähige) Politiker über Fördergelder, die bei knappen Kassen natürlich auch anderenorts gebraucht werden können. Doch was ist mit der Spielebranche selbst? Stehen hier nur harte kommerzielle Interessen im Vordergrund und es genügt, wenn sich jedes Jahr 15.000 Besucher mehr über die gamescom quetschen als im Vorjahr? Ein höherer und idealistischerer Anspruch wäre aus meiner Sicht wünschenswert. Wieso finanzieren die Mitglieder des Game Verbandes das Vorhaben nicht aus eigener Tasche? Ich denke, es würde sich lohnen.

Falls ernsthaft Interesse besteht, das Wissen um alte Spiele zu konservieren, sollte man jedenfalls langsam zu Potte kommen und konstruktiv handeln – bevor es zu spät ist! Es bräuchte einen langen Atem, der auch eine dauerhafte Finanzierung für Exponate, Archivierung und entsprechendes Fachpersonal gewährleistet. Irgendwo eine große physische und digitale Sammlung einzurichten bringt nichts, wenn dort nach zwei Jahren der Strom abgeschaltet würde und die Miete nicht mehr bezahlt werden könnte. Sind Spieleindustrie und gerne auch Politik bereit so etwas zu stemmen? Die Frage sollten sich die Entscheidungsträger schleunigst stellen und ehrlich beantworten.

Heldinnen oder Helden gesucht

Die Lage wird in Zukunft nicht leichter, denn Entwickler und andere Zeitzeugen sterben mittlerweile langsam weg und die alten Spiele sind in physischer Form bereits rar und selbst digital oft schwierig aufzutreiben. Es kennt sie keiner mehr, sie sind nicht dokumentiert. Ich drücke die Daumen und formatiere innerlich eine Diskette zur Rettung unserer Pixelvergangenheit. Es wäre doch bedauerlich, wenn das schönste Hobby der Welt sein Gedächtnis verliert, oder?

#StopKillingGames

Videospiele prägen seit Jahrzehnten die Erinnerungen und Erfahrungen von Millionen Menschen. Sie sind längst mehr als reine Unterhaltung – sie sind Teil unserer Kulturgeschichte. Doch wie bewahren wir digitale Spiele, wenn ihr kommerzieller Lebenszyklus endet? Während Bücher, Filme oder Musik oft noch Jahrzehnte später zugänglich sind, stellt sich diese Frage bei vielen modernen Videospielen zunehmend.

Die Initiative „Stop Killing Games“ setzt sich für die langfristige Bewahrung digitaler Spiele als Kulturgut ein. Falls euch die Bewahrung von Videospielen als Kulturgut wichtig ist, werft einmal einen Blick auf die Initiative.

👉🏻 https://www.stopkillinggames.com/de

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6 Kommentare zu „Rettet die alten Spiele!“

  1. Avatar von MrBensonMum
    Abonnent

    Finde ich ein mehr als wichtiges Thema, denn Videospiele sind nicht nur ein Kulturgut, sie dienen auch als eine Art von Zeitstempel. Daran kann man erkennen bzw. ableiten, was zum Erscheinen des Spieles in einer Kultur, sei es lokal ober global, an Vorstellungen, Werten und Themen vorhanden bzw. gerade aktuell war. Dies gilt natürlich nicht für alle Videospiele, aber unter diesem Gesichtspunkt sollten Videospiele erst recht gesichert, aufbewahrt und zugänglich gemacht werden.

  2. Avatar von Marc
    Gast

    @blog Auch das ganze "Drumrum" geht verloren. Wer hat unter welchen Umständen die Spiele entwickelt? Welche Firmen haben die Spiele veröffentlicht? Zu britischen Entwicklern und Firmen gibt es immerhin ein paar Bücher, aber in Deutschland ist mir da nichts bekannt. War es hier so langweilig, dass es nichts zu berichten gibt? Wer waren denn z.B. Rainbow Arts, Kingsoft, Ariolasoft, CP Verlag, Softgold, Rushware, Brilliant, reLINE, Golden Games, Magic Bytes, Multisoft, Blue Byte?

    André Eymann
  3. Avatar von Christian Harms
    Christian Harms
    Gast

    Begründet sich deine Forderung auf der Tatsache, das Videospiele ein Kulturgut ist, und deswegen eine Verantwortung des Staates daraus resultiert? Willst du Kuluretas und Verantwortliche mobiliieren, das da Ziel des Erhalts der Videospielkultur mit langjährigen Strategien verfolgt wird?

    Oder siehst du in der Verknüpfung der vielen Vereine / Museum, Privater Leute und Spiele-Firmen eine Option, das Ziel eher voranzubringen?

    Mein Fazit aus deinem Artikel: Gefordert wird, die Erhaltung von Spielen nicht nur Entwicklern zu überlassen, sondern gezielt zu archivieren und zugänglich zu machen, etwa über Museen, Bibliotheken, Archive und ähnliche Bewahrungsprojekte. Welche gibt es überhaupt und wo siehst du die meisten Chancen?

    Außerdem wird gefordert, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu ändern, damit solche Einrichtungen alte Spiele überhaupt legal sichern und nutzbar machen können. Welche Einschränkungen sind für Institutionen am hinderlichsten, die z,B, private Sammler nicht haben? Ist es die Öffentlichmachungen?

    Nico NoldenAndré Eymann
  4. Avatar von RainerLT
    Abonnent

    Museen zu diesem Thema würde ich ebenfalls begrüßen. Das einzige das ich manchmal besuche ist das Computerspielemuseum in Berlin. Und da komme ich nicht oft hin.
    Problem ist auch die Akzeptanz. Ich bin Mitglied in einem Elektronikmuseum. Dort stehen einige Homecomputer.
    Ich habe mal den Vorschlag gemacht, man sollte am Atari ST keinen Monochrom- sondern ein Farb-Monitor verwenden.
    Das wäre dann auch für jüngere Besucher interessanter.
    War nicht gewollt. Begründung: Mit Monochrom-Monitor und hoher Auflösung sei der Atari ST ein seriöses Arbeitsgerät.
    Mit Farb-Monitor mutiert er zur „albernen Daddelkiste“.
    Leider ist die Kenntnis nicht gereift, dass Spiele schon lange Teil der Popkultur sind. Sehr schade.

    Einer Sache muss ich allerdings widersprechen: die Arbeit der Cracker damals hatte den Nebeneffekt, dass
    sich bis heute die alten Spiele losgelöst von ihren Datenträgern die Zeiten überstanden haben. Und durch das
    Internet hat man gerade auf Spiele von vor 40-50 Jahren Zugriff wie nie.
    Man kommt leichter an Spiele von vor 40 Jahren, als an Spiele von vor 15-20 Jahren.
    Es gibt unzählige Archive die nahezu alle Spiele aus der damaligen 8/16-Bit bieten. Für unzählige Systeme.

    Die heutigen Spiele, abgesehen mal von GOG-Downloads, lassen sich übrigens nicht archivieren.
    Ich spreche da Anbieter wie Steam an. Da geht nichts. Zumindest nichts legales.
    Deshalb greife ich zu Steam nur, wenn ich das Spiel nicht auf GOG bekomme.

    André EymannKevin Puschak
  5. Avatar von Alexander Strellen
    VSG-Autor

    Sehr interessantes Thema! Und für die Welt der Videospiele auch ein wichtiges Thema. Die Archivierung von digitalen Medien ist eine Herausforderung. Einfach eine Kopie irgendwo ablegen ist ja nur der eine Teil. Es muss ja auch in 20 Jahren ein Abspielgerät für die Kopie vorhanden sein. Ein Spiel, zum Beispiel Turrican, lässt sich schlecht auf Mikrofilm archivieren.
    Was soll man also machen? Keine Idee. Ich weiß nur das es viel Zeit, Geld, Disziplin und gute Organisation benötigt, um ein ordentliches Archiv aufzubauen und zu pflegen.

    André Eymann
  6. Avatar von Thomas Ricke
    Thomas Ricke
    Gast

    Ein sehr wichtiges Thema. Videospiele sind Kulturgut und sollten auch so behandelt werden. Sie sind genauso wichtig wie Bücher oder Filme

    Danke für den Beitrag Jo!

    André Eymann

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