1983 brachte Atari mit Jungle Hunt einen weiteren Spielhallenhit auf das VCS. Das Spiel basiert auf dem gleichnamigen Arcade-Titel des japanischen Herstellers Taito und schickt uns mitten hinein in ein Abenteuer voller Seile, Krokodile und anderer Gefahren.
Doch hinter Jungle Hunt steckt eine durchaus kuriose Geschichte. Denn ursprünglich sollte hier ein ganz anderer Held durch den Dschungel schwingen: Tarzan. Warum daraus schließlich ein britischer Großwildjäger wurde – und weshalb dieser weder eine Stimme noch ein richtiges Gesicht bekam –, ist eine Geschichte für sich.
Wie aus Jungle King Jungle Hunt wurde
Das Vorbild von Jungle Hunt heißt Jungle King und wurde 1982 von Taito für die Spielhalle entwickelt. Darin schlüpfen wir in die Rolle eines jungen Tarzan, der sich auf den Weg durch den Dschungel macht, um seine Geliebte aus den Händen gefräßiger Kannibalen zu befreien.
Allerdings musste Taito das Erscheinungsbild des jungen Tarzan nach einer rechtlichen Auseinandersetzung mit den Rechteinhabern der von Edgar Rice Burroughs geschaffenen Figur vollständig verändern. Aus Tarzan wurde ein britischer Großwildjäger – und aus Jungle King schließlich Jungle Hunt.
In der Atari-VCS-Version bekam unser neuer Dschungelheld sogar einen Namen: „Sir Dudley Dashly“. Aus seiner Geliebten wurde kurzerhand seine Ehefrau „Lady Penelope Dashly“. Und aus den Lianen wurden kurzerhand Seile.
Doch damit nicht genug: Auch sämtliche Artworks und die Gestaltung der Spielautomaten wurden angepasst. Selbst der berühmte Tarzan-Schrei, der in der ursprünglichen Arcade-Version an verschiedenen Stellen zu hören war, wurde ersatzlos gestrichen.
Man kann sich vorstellen, dass mit diesen Änderungen auch ein Stück der ursprünglichen Atmosphäre verloren ging. Aus Jungle King wurde schließlich Jungle Hunt – zunächst 1982 in den Spielhallen und ein Jahr später auch auf dem heimischen Bildschirm.
In der folgenden Abbildung könnt ihr die unterschiedlichen Spielfiguren der beiden Taito-Arcade-Versionen miteinander vergleichen.

Wer steckt hinter Jungle Hunt?
Wer die Atari-VCS/2600-Version von Jungle Hunt programmiert hat, war lange Zeit nur schwer nachzuvollziehen. Atari verzichtete damals häufig darauf, die Entwickler seiner Spiele namentlich zu nennen. Heute wissen wir jedoch, dass John Allred und Michael „Mike“ Feinstein von der General Computer Corporation (GCC) für die Umsetzung verantwortlich waren.
Die fehlende Anerkennung der Entwickler sorgte bei Atari immer wieder für Unmut. Ende der 1970er-Jahre gehörte dieser Umgang – zusammen mit der Forderung nach einer finanziellen Beteiligung am Erfolg ihrer Spiele – zu den Gründen, warum David Crane, Alan Miller, Bob Whitehead und Larry Kaplan Atari verließen und Activision gründeten.
Doch Jungle Hunt erschien nicht nur für das Atari VCS. Werfen wir also einen Blick auf die verschiedenen Umsetzungen und ihre bekannten Entwickler.
Die ursprüngliche Arcade-Version von Jungle King beziehungsweise Jungle Hunt wurde 1982 von Taito entwickelt. Ab 1983 folgten zahlreiche Umsetzungen für Heimcomputer und Konsolen. Die Versionen für Ataris eigene Systeme erschienen direkt unter Atari, während die Fassungen für andere Plattformen unter dem Label Atarisoft veröffentlicht wurden.
Jungle Hunt – Versionen und bekannte Entwickler
- Arcade (1982) – Taito
- Atari VCS/2600 (1983) – John Allred und Michael Feinstein
- Atari 8-Bit (1983)
- Atari 5200 (1983) – Allen Merrell; Grafik: Jerome Domurat
- Commodore 64 (1984) – Bill Bogenreif
- Texas Instruments TI-99/4A (1984) – Jim Dramis und Paul Urbanus
- ColecoVision (1984) – David Cartt
- Commodore VIC-20 (1984)
- Apple II (1984) – Synergistic Software
Im Dschungel der Gefahren
Schon die Arcade-Vorlage gehörte zu den frühen horizontal scrollenden Action-Spielen mit Jump-’n’-Run-Elementen. Bemerkenswert war für die damalige Zeit auch ihr Einsatz von Parallax Scrolling, bei dem sich verschiedene Ebenen des Hintergrunds unterschiedlich schnell bewegen und so ein räumlicher Eindruck entsteht.
Das Spiel besteht aus vier unterschiedlichen Abschnitten, in denen unserem Helden allerlei Gefahren begegnen. Sein Ziel: Lady Penelope aus den Händen ihrer Entführer zu befreien.
Dabei sind vor allem Geschick und das richtige Timing gefragt.
Level 1: Der Wald
Im ersten Level muss sich unser Held von Seil zu Seil schwingen, ohne in den tödlichen Sumpf zu fallen. Da seine Sprungweite begrenzt ist, kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an: Mit einem Druck auf den Feuerknopf lässt Sir Dudley Dashly ein Seil los und versucht, das nächste zu erreichen.
Dabei stößt er sich mit solcher Kraft ab, dass man beinahe glauben könnte, im Dschungel seien die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft gesetzt.

Level 2: Der tödliche Fluss
Im zweiten Abenteuer muss sich unser Großwildjäger durch einen Fluss voller hungriger Krokodile kämpfen. Mit dem Feuerknopf zückt er sein Messer, um die Tiere im richtigen Moment auszuschalten. Doch dabei darf er nicht zu lange unter Wasser bleiben: Von Zeit zu Zeit muss Sir Dudley an die Oberfläche schwimmen und Luft holen.
Besonders gefährlich sind die Krokodile in der Version für das Atari VCS.

Level 3: Der Steinschlag
Im dritten Abschnitt wird es steinig: Sir Dudley muss sich durch einen gefährlichen Steinschlag kämpfen. Kleinere Felsbrocken lassen sich mit einem gut getimten Sprung überwinden, während die größeren Brocken über den Boden springen. Unter ihnen kann sich Sir Dudley im richtigen Moment hinwegducken – oder mit etwas Geschick sogar über sie springen.
Interessanterweise scheint im Dschungel ausgerechnet hier die Schwerkraft wieder zu funktionieren. Dabei geht es in der VCS-Version nicht einmal bergauf: Anders als im Arcade-Original wurde der Hang für die Umsetzung kurzerhand eingeebnet.

Level 4: Die Kannibalen
Im letzten Abschnitt wartet die finale Gefahr: Zwei mit Speeren bewaffnete Gegner versperren Sir Dudley den Weg zu Lady Penelope. Anders als im Arcade-Original treten sie in der VCS-Version allerdings nicht gleichzeitig auf, sondern müssen nacheinander überwunden werden. Im richtigen Moment gilt es, über ihre Speere hinwegzuspringen und den Weg zur Angebeteten fortzusetzen.
Auch Lady Penelopes missliche Lage wurde für das VCS etwas entschärft. In der Arcade-Version hängt sie noch an einem Seil über einem großen Kochtopf. Auf dem VCS wurde der Topf kurzerhand gestrichen – hier wartet sie einfach am Bildschirmrand auf ihre Rettung. Auch schön.
Fazit: Zurück in den Dschungel

Insgesamt ist die Umsetzung für das Atari VCS erstaunlich gut gelungen. Die vier unterschiedlichen Abschnitte sorgen für Abwechslung, die Animationen sind für die Möglichkeiten der Konsole schön anzusehen und jede Herausforderung verlangt ein etwas anderes Timing.
Auf den berühmten Tarzan-Schrei aus Jungle King muss die VCS-Version zwar verzichten, dafür begleiten eine kleine Melodie und passende Soundeffekte das Abenteuer. Wer die einzelnen Abschnitte erst einmal verinnerlicht hat, kann mit gutem Timing ordentlich Punkte sammeln.
Für mich hat Jungle Hunt auch heute noch einen hohen Wiederspielwert. Vielleicht liegt es gerade an dieser Mischung aus einfachen Regeln, abwechslungsreichen Herausforderungen und dem ständigen Versuch, beim nächsten Durchgang noch ein bisschen besser zu sein. In meiner persönlichen Top 10 der Atari-VCS-Spiele hat sich Jungle Hunt jedenfalls seinen Platz verdient.
Die Abbildung aus der Originalanleitung von Jungle Hunt zeigt noch einmal alle vier Herausforderungen auf einen Blick. Wer auf Punktejagd gehen möchte, sollte sich vor allem an die besonders gefährlichen Krokodile wagen: Ein sogenanntes „Rogue Crocodile“ bringt stolze 300 Punkte. Wer lieber auf Nummer sicher geht, kann den Tieren allerdings auch einfach ausweichen.
Nach der Rettung von Lady Penelope ist das Abenteuer noch lange nicht vorbei. Das Spiel beginnt von vorn – allerdings mit einem höheren Schwierigkeitsgrad. Wer weiterspielen möchte, muss die vier Abschnitte also immer wieder meistern.
Jungle Hunt ist für mich eines dieser VCS-Spiele, die im Gedächtnis bleiben. Tarzan mag aus dem Dschungel verschwunden sein und mit ihm sein berühmter Schrei – doch Sir Dudley hat sich für mich trotzdem seinen Platz unter den großen Abenteuerhelden dieser Zeit verdient. Direkt neben Harry aus Pitfall! und Panama Joe aus Montezuma’s Revenge.
Das Aufmacherbild mit Box, Anleitung und Modul von Jungle Hunt wurde uns von André Körnig zur Verfügung gestellt. Der verwendete Waldhintergrund stammt von David Riaño-Cortés. André hat außerdem den Beitrag Mein CPC464 – zu spät und doch genau richtig für Videospielgeschichten geschrieben. Herzlichen Dank für die Unterstützung!






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