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Der Retro-Spiele-Club: Hamburgs kleines Videospielparadies

Kevin Puschak

29 Beiträge·52 Kommentare·tragende Stimme der Community
02.09.2026·7 Minuten
Kevin Puschak

29 Beiträge·52 Kommentare·tragende Stimme der Community
02.09.2026·7 Minuten

Das Sommerfest 2026 im Retro-Spiele-Club stand an. Eine günstige Gelegenheit, sich das schicke bespielbare Museum voller Videospielgeschichte vor Ort anzusehen.

21. August 2026. 16 Jahre nach meinem Hamburg-Ausflug als Schüler besuchte ich – dieses Mal allein – wieder einmal die Hansestadt im Norden Deutschlands. Auf dem Weg zu meiner kleinen temporären Unterkunft im Stadtteil Steilshoop durfte ich dann auch mal den äußerst wilden Innenstadtverkehr von Hamburg kennenlernen. Keine 20 Gehminuten von der Unterkunft entfernt: der Retro-Spiele-Club.

Seit 2025 hat das Museum seinen Platz an der Fuhlsbüttler Straße 490. Insgesamt gibt es das Museum allerdings seit 1995. Herausgegangen aus einem An- und Verkauf für Hardware und Spiele wurde daraus eine kleine Entdeckungstour von über fünf Dekaden Videospielgeschichte. Und von Anfang an kümmern sich die beiden Betreiber Patrick Becher und Robin Lösch darum.

Am 22. August 2026 stand das Sommerfest auf dem Plan. Neben einem regulären Besuchertag gab es kleine Extras, die die Spiellaune konstant nach oben halten sollte. Und da ich mir das Museum schon immer mal ansehen wollte, dachte ich mir: Warum fährst du da nicht einfach mal hin?

Alte Konsolen vermischt mit neuen Möglichkeiten

Schon am Eingang kann man eine Vitrine voller Hardware und Spielzeug begutachten. Ich als alter PC-Liebhaber erblickte direkt die originalverpackte alte Microsoft-Maus und das IBM ThinkPad 755 aus den 90er Jahren. Aber auch Kuriositäten wie ein gegradetes Wimmelbildspiel waren zu sehen. Scherzhafte Aktionen seitens der Community, wie mir Patrick einst berichtete. Normalerweise sind die Betreiber keine Freunde des VGA-Gradings. Eine Methode, die Videospiele zu unbenutzbaren Kunststücken verramscht.

Für den Eintritt bekommt man ein Lanyard mit Chip ausgehändigt. Den Chip hält man an einer Art elektronischen Einlasskontrolle. Dann kann man sich – je nach ausgewähltem Ticket – drei Stunden oder den ganzen Tag mit zahlreichen Konsolen beschäftigen.

Vom Atari 2600 über dem Commodore 64 bis hin zur Playstation 3 sind sämtliche Heimcomputer- und Konsolengenerationen vertreten. Ab und an lässt sich der Inhalt auf zeitgemäßen Röhrenfernsehern erblicken. Meistens starrt man aber doch eher auf 4:3-Flachbildgeräten.

Entweder greift man auf Originalmedien wie Cartridges, Disketten oder DVDs zurück oder es werden moderne Möglichkeiten mit Flashspeicher eingesetzt. Diese Möglichkeiten erblickte ich etwa an einem Commodore 64 oder einem Schneider CPC. Die heutigen Flashspeicher machen es möglich, quasi den kompletten Spielkatalog der Heimcomputer zur Verfügung zu stellen. Schnell, unkompliziert und schonend zur ursprünglichen Distribution.

Konsolen en massé

Die Palette an Videospielgeräten ist wahnsinnig breitgefächert. Eine Tischreihe beherbergt sämtliche Konsolen von Nintendo und Sega, etwa das Nintendo Entertainment System, den Nintendo 64, das Sega Master System oder den Sega Dreamcast. Wer will, kann auch den kommerziell gefloppten Nintendo Virtual Boy ausprobieren.

Für Fans von Heimcomputern bietet eine Tischreihe direkt gegenüber vom Eingang die ganze Palette an Commodore-Computern an. C64, Amiga und sogar Seltenheiten wie das SX64. Natürlich mit dem Competition-Pro-Joystick, dem De-Facto-Standard-Joystick dieser Klassiker-Brotkästen.

Wer weit in die Zeit der zählbaren Pixel zurückgehen möchte, hat ebenfalls eine Tischreihe für sich. Konsolen aus den 70ern und 80ern tummeln sich hier an einem Platz. Aber auch Miniatur-Arcademaschinen der Moderne haben sich darin eingeschlichen.

Sogar eine Tischreihe mit eher exotischen Heimcomputern oder Konsolen findet sich hier. Etwa der 3DO von GoldStar oder der Kleincomputer aus der DDR, der KC-87 von Robotron.

Natürlich finden sich auch Handhelds im Retro-Spiele-Club. Neben dem Game Boy findet sich der Nintendo DS, der Sega Game Gear, die Sony PSP und sogar Noname-Dritthersteller-Handhelds an einem Platz.

Liebhaber von PC-Spielen fanden entweder am Pinball-Platz mit dem Philips Virtual Pinball Controller oder an den PC-Stationen mit den gigantischen DOS- und Windows-Spielesammlungen der eXo-Gruppe ihre Freude. Direkt daneben konnte man sich mit zwei Lenkrädern in OutRun 2006 duellieren.

Multiplayer-Partien gab es ebenfalls in Form von Trackmania United. Hier konnten sich an mehreren PC-Plätzen die Spieler gegenseitig um die beste Rundenzeit herausfordern. Oder holten aus einer Partie Moorhuhnjagd die meisten Punkte raus.

Meine insgeheimen Highlights: Die Fernsehecke mit Spielen, die man mit Light Guns an Röhrenfernsehern spielen konnte. Und ein Tisch mit alten Macintosh-Computern. An denen man direkt daneben einen überdimensionierten NES-Controller erblicken durfte.

Man sehe und staune

Ich als primärer PC-Spieler habe neben der schier großen Anzahl an spielbaren Konsolen noch eine weitere Besonderheit bestaunt: die mit Big Boxen „zugepflasterten“ Wände.

Das Museum profitiert von einer großen Menge an Spieleboxen für Heimcomputer oder PC. Diese dienen als Wanddeko an einigen Stellen im Museum. Zwar sind überwiegend die in Deutschland vertriebenen Spiele an den Wänden zu entdecken, doch auch einige Übersee-Exemplare wie die Trapez-Boxen der Eidos-Spiele sind zu erblicken. Gerade als Entdecker obskurer und wenig bekannter Titel ein absoluter Blickfang. Auch wenn man diese nicht anrühren durfte und teilweise nicht im besten Zustand waren.

Eine Wand in einer Ecke des Museums dient als Shop. Was hier definitiv auffallen wird, ist die große Anzahl an Keep Cases. Nicht nur die konnte man käuflich erwerben, sondern auch ein paar Big Boxen, Jewel Cases, Hefte, Konsolenspiele und so weiter. Meistens jeden zweiten Mittwoch werden diese Sachen im Rahmen eines Twitch-Livestreams etwas günstiger angeboten als regulär. Dann aber auch nur im Rahmen der Sendung.

Extra-Ratespaß beim Sommerfest

Das Sommerfest hatte noch ein kleines Dessert on top. Und dabei rede ich nicht von den Snacks am Eingang. Nein, man konnte sich durch einige Rätsel über den Tag verteilt Goldmünzen verdienen. Diese konnten in kleine Preise investiert werden. Oder in Rabatte für Produkte aus dem Shop. Bis zu 30% Preisnachlass wären drin gewesen.

Das erste Rätsel begegnete einem direkt am Eingang: eine unscheinbare Kiste mit zwei Löchern an den Seiten, bei denen man erfühlen sollte, was sich in der Kiste befand. Das konnte ich etwa wunderbar erraten. Auch wenn ich selbst darüber überrascht war, ausgerechnet den Gamecube-Controller darin erfühlt zu haben.

Ein weiteres Rätsel: Cover-Raten. Man bekam einen Ausschnitt eines Covers ausgehändigt und durfte im Museum suchen, zu welchem Spiel es gehört. Wer genau geschaut hat, hat sich dadurch auch Münzen verdient.

Weitere Rätsel:

  • „Wer bin ich?“: Die Person musste anhand von Fragen erraten, was sie ist. Das konnte entweder eine Konsole, ein Retro-Gegenstand oder eine Spielfigur sein.
  • „Retro-Tabu“: Die Person muss einen Begriff ohne gängige Buzzwords erraten. Man durfte etwa nicht sagen, dass Sonic blau und/oder ein Igel ist.
  • Preise raten: Man musste den Einführungspreis eines Heimcomputers oder einer Konsole in Deutschland schätzen. Wer nah genug dran lag, bekam eine Münze.

Bei den kleinen Preisen handelte es sich um Anhänger oder Sticker.

Fazit zum Sommerfest: tolle Location und gute Stimmung

Der Retro-Spiele-Club ist einen Ausflug wert, wenn man ohnehin in Hamburg ist. Gerade für Videospielliebhaber wird hier für Groß und Klein sämtliche Facetten geboten. Eltern können ihren Kindern proaktiv zeigen, an welchen Konsolen sie damals gerne gespielt haben. Oder man entdeckt genau die Konsolen, die man überhaupt nicht erlebt hat. Wie man schon aus dem Text rauslesen konnte: Jede Station – sofern nicht gerade ein „Leider außer Betrieb“-Schild steht – kann bespielt werden. Anfassen statt nur Gucken.

Und auch beim Sommerfest war die Stimmung außerordentlich gut. Auch wenn das Museum gut gefüllt war, war es trotzdem nicht beengt oder gar stickig. Man kam mit den Leuten gut ins Gespräch und man hatte viel Spaß. Die Zeit wurde wahnsinnig schnell außer Blick gelassen. Sogar nach dem offiziellen Ende waren genug Besucher übrig, um noch ein paar Spielpartien mit den Betreibern durchführen zu können. Patrick bei Dyna Blaster, Robin bei Unreal Tournament.

Da das Museum privat und ohne jegliche Förderung betrieben wird, sind die Eintrittspreise entsprechend. Je nach Wochentag und Personengruppe liegt die Preisspanne zwischen 10 und 35 Euro. Besitzer einer Retro Card oder Schüler/Studenten kommen günstiger rein. 10 Euro Aufschlag ermöglichen einen Blick ins erweiterte Archiv. In Anbetracht der Tatsache, dass man mit jeder sichtbaren funktionierenden Konsole spielen kann, gehen die Preise aber voll in Ordnung. Und unterstützen ohnehin den Weiterbetrieb.

Ich kann auf jeden Fall sagen: das wird garantiert nicht mein letzter Besuch gewesen sein. Wer auch eines der Feste erleben möchte, sollte sich den 12. Dezember 2026 notieren. Da findet von 13 bis zirka 22 Uhr die Weihnachtsfeier statt.

Wart Ihr schon mal im Retro-Spiele-Club in Hamburg? Und wenn nein, wäre das ein Ausflugsziel für Euch? Welche Konsole würdet Ihr vor Ort gerne einmal spielen wollen? Diskutiert darüber gerne in den Kommentaren!

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3 Kommentare zu „Der Retro-Spiele-Club: Hamburgs kleines Videospielparadies“

  1. Avatar von André Eymann
    VSG-Autor

    Vielen herzlichen Dank für die Vorstellung des Museums Kevin. Ich schäme mich ein bisschen, dass ich als Hamburger noch nie dort war. Aber dank deines Beitrages habe ich jetzt erfahren, dass ich auf jeden Fall zur Weihnachtsfeier vorbeischauen sollte.

    Ich war ein bisschen geschockt, dass das Museum keinerlei Kulturförderung erfährt. Wenn es sich nur für den Eintrittsgelder finanziert, ist das wirklich eine knappe Kiste. Kann man denn auch spenden? In jedem Fall sollte so ein Ort erhalten werden.

    Ich hoffe sehr, dass aufgrund deines Beitrags noch mehr Menschen vom Museum erfahren.

    Danke für deinen informativen Text und die tollen Fotos!

    avatar
    1. Avatar von Kevin Puschak

      Die beiden sind über jegliche Formen von Spenden dankbar. Seien es Sachspenden (https://www.retrospieleclub.de/002-03-spenden/) oder etwas monetärer Art. Sei es durch Käufe in deren Shop oder Mitgliedschaften auf Twitch. Sind zumindest die Unterstützungsarten, die ich bisher finden konnte. Sponsoren suchen die ebenfalls.

      Will nicht wissen, wie viele im Umkreis von Hamburg wohnen und von dem Retro-Spiele-Club noch wie was gewusst haben. Gut, dank der Baustelle ist der Laden nicht wahnsinnig auffällig. Hat dann zumindest den kleinen Vorteil, dass es an normalen Besuchertagen angenehm luftig wird. 😀

      avatar
      1. Avatar von André Eymann
        VSG-Autor

        Danke für den Link Kevin! Ich schaue mir das mal an.

        Und der Weihnachtstermin ist vorgemerkt. Dann schaue ich dort auch endlich einmal vorbei 😎

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