Für jemanden, der den Output von WASTED nur so aufsaugte, war ich wirklich sehr fasziniert von diesem freien, fantasievollen und sich selbst auf die Schippe nehmenden Magazin. Als mit dem Format „Redebedarf“ dann aufgerufen wurde, einem für uns bemerkenswerten und mittelaltem Spiel die Mikrophone zu stutzen, musste ich einfach hin und das für mich prägendste Stück Software bereden, welches mein Spielersein auf den Kopf stellte: Arkanes 2017er Prey!
Kurz vorweg: Geschlechtsneutral zu schreiben ist nicht immer einfach und möglich, deshalb habe ich mal das eine dann das andere Pronomen verwendet. Toll seid ihr alle!
Liebe Lesenden,
Jopp, der Text könnte etwas persönlicher werden, wenngleich es um WASTEDs Format Redebedarf und in diesem Zusammenhang mal wieder um Christian Schiffer und Arkanes 2017er Schöpfung Prey gehen soll. Aber um das persönliche Erzählen komme ich nicht herum. Mit meinem Besuch bei Redebedarf, war mein erster Podcast geboren. Und mit ihm die Erkenntnis, wie sehr mich das Medien machen und -füllen, bereichert.
Podcast-Folge zu Prey
Wir erinnern uns (hoffentlich), das kreativ/selbstironisch/journalistisch/erfahrene Magazin „WASTED“ war gegründet von Jagoda Froer, Christian Schiffer und Stephan Günther.
Drei Erdenbürger mit viel Erfahrung zwischen Mensch und Inhalt. Leider nur von 2021 bis 2023, hat das Magazin viel Eindruck und Abdruck und sein Dichtmachen viel, von nun ab unerfüllten, Raum hinterlassen. Autor*innen wie Dom Schott, Lea Irion und Rainer Sigl, verfassten regelmäßig kreativen und mit Arbeit geschaffenen Content für WASTED. Das Magazin ist aber jetzt ein anderes Thema (notiere: WASTED-Beitrag machen), sondern es soll um die Podcastfolge Redebedarf und vor allem Prey gehen.
Kompatibles Geplapper
Redebedarf war gerade an den Start gegangen, da traute ich mich, nach einer Folge, die alten Bühnenmikrophone aus dem verstaubenden Musikschrank zu holen. Der Gedanke, früher bereits vor Menschen Musik gemacht zu haben, sorgte dafür, dass ich nicht mit der üblichen Nervosität zu kämpfen hatte. Stattdessen konnte ich erstaunlich entspannt bleiben und den Moment genießen. Im Gegenteil freute ich mich, mit Prey eines meiner persönlichen Lieblings-Computerspiele diskutieren zu können.
Schnell stellte sich raus, dass Christian ebenso schnell angetan war, und Prey auch bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte… und als Politikjournalist ebenso Wolfgang Bosbach, aber das vertiefen wir jetzt hier mal nicht, das werdet ihr in der ersten Viertelstunde hören. Zwar vernommen aber nicht so wirklich als wichtig bei Prey 2017, wurde schnell zum Thema, dass es bereits ein, mäßig erfolgreiches, Prey (2006) gab. Mitte der 00er lösten wir dort Rätsel in der Doom III-Engine und stellten die Welt auf den Kopf.

Arkanes Studio in Austin kletterte mit diesem Werk an die Spitze von dem, wofür sie zu der Zeit standen. Dishonored und so weiter mögen bereits originell sein, aber Prey entnimmt das wirklich, naja, Beste und bindet es klug ein. Mit Deathloop und vor allem dem fast unterirrdischen Redfall, schafften sie dies nicht mehr. Prey aber belohnt Neugierde und das Denken über alternative Pfade. Von außen vereinen sich hier potent zwei große Spielegenres. Schon gesehen, aber nicht so vermengt – qualitativ, nicht quantitativ.
Das RPG in Prey ist natürlich die eigentliche wichtige Sache. Rollenspiele waren mir immer zu statisch und langwierig, ohne Drive und schafften es nicht, mich als Beteiligter zu fühlen. Eine Party verkommt doch eher einem Strategiespiel als zu etwas Immersivem. Aber hier hatte selbst ich Spaß. Geschildert sein von einem totalen RPG-Noob, wir leveln uns mit einem Skill Tree auf, Bekommen Fähigkeiten die uns unterstützen, essen Äpfel die Gesundheit regenerieren und treffen NPCs. Die führen zu unfassbaren, rührenden, komischen, beängstigenden Geschichten, die ein weiterer Höhepunkt sind. Hach Prey…. Soviel also zu Rollenspielen.
Das Waffenarsenal beinhaltet neben der konventionellen Pistole, Schrotflinte, einer Armbrust mit Schaumstoffmunition um Schalter in versperrten Räumen zu drücken und weiteren konventionellen Flinten, ebenfalls Alienwaffen wie eine Strahlenwaffe, die Gegner aufläd und von innen grillt, oder Granaten, die Gegner in Einzelteile zerlegen, diese dann wieder zu Ausrüstung zusammengebaut werden kann, und, das muss erwähnt werden, eine Kanone welche feste, weisse Wölken an Wände schießt, auf denen man dann in Räumen auf zuvor unerreichbare Bereiche klettern kann – sofern man auf die Idee kommt.
Der Unterschied von Amateur und Experte
Zu unserer Diskussion, welche Eckpunkte die tolle Symbiose aus vielen, sehr komplimentären Elementen beinhaltet, werde ich hier mal nicht groß schreiben. Alles ist toll ausgearbeitet und ist einfach ein langweiliger Raum. Unterlegt von den sphärischen Klängen des luftleeren Raumes zwischen den Planeten, erzählen wir von Gameplay, Umgebung, Geschichte und den intensiven und den wirklich unkonventionellen („kopf*ickenden“) Momenten, von Anfang bis Ende des Spieles. Beziehungsweise deuten wir sie an, sodass ihr immer noch neugierig die Welt von Prey auch beim 10ten Durchspielen betreten könnt.
Neugierde ist, glaube ich, eine wirklich gute Herangehensweise, wenn man Prey spielt. Seid neugierig, wie der Gegner von dem Kletterrohr wegzulocken ist, wie ihr die große Kiste endlich wegbewegen könnt (Spoiler: Durch mehr als Stärke skillen) und wie ihr am besten zum nächsten Abschnitt der offenen Raumstation kommt. Durch die normalen Bereiche? Durch einen Flug im Weltraum, zudem Leck an der Außenhülle der Abteilung, wo es es hingehen soll? Oder doch über das Förderband, das die verschiedenen Abschnitte und Bereiche der Station versorgt?

Prey kann frau aus vielen Blickwinkeln, auf viele Arten und Weisen spielen und löst viel Inspiration aus. Es belohnt sehr unkonventionelles Überdenken. Das Spiel wird häufig betrachtet als geistiger Nachfolger von System Shock oder Deus Ex. Wer hier Spaß hatte, wird auch Prey lieben, immersiv mit Skilltree und vor allem Köpfchen. Arkane vereinte hier Roleplaying mit Shooter, auf wuchtige Art und Weise und lässt, wie wir auch bereden, den Schluss zu, dass es mehr ein RPG als Ballerbude ist. Ein weiteres Beispiel: Skillen wir zuviele Alien-Fähigkeiten und -Werte, erkennen uns Geschütze und anderes Gerät als außerirdisch an – und eröffnen das Feuer!
Die überragende Stärke aber ist die Welt und das Eingebunden werden. Immer wieder Fragen nach Realität und dem eigenen Sein sowie ob das Ding nicht vorher schon woanders lag, und das von GANZ-ANFANG-AN. Die anfängliche Szene ist, wie wir aus dem Bett steigen und unseren Raumanzug anziehen. Unser Bruder Alex empfängt uns in einer Sprachnachricht im neuen Tag. Wir sind Morgan Yu und unsere Rolle erklärt sich etwas später im Spiel. Mit dem wartenden Helikopter auf der Terasse, sollen wir zu Tests geflogen werden. Gemacht getan. Nach einer der tollsten Intros der Videospielgeschichte, fangen wir an, unter Beobachtung von drei Wissenschaftlern, die Räume zu absolvieren – und dann beginnt das Spiel.
Ab hier: SPOILER!!!
Nach einigen Tests bittet der Oberwissenschaftler nach einem Kaffee, dieser verwandelt sich in ein krakeliges, kleines, schwarzes Ding, dass ihm ins Gesicht springt. Unser Raum füllt sich mit Gas, wir nicken weg. Nächste Szene: Wieder wachen wir in unserem Appartment auf und holen den Anzug. Irgendwas aber ist anders. Wir verlassen das Zimmer und die Lichter flackern, eine tote Servicemitarbeiterin hat eine Rohrzange dabei, praktisch. Nachdem wir alle Vasen zerschlagen haben, schlagen wir au Verzweiflung auf ein Fenster.
Das Fenster berstet, die Welt fällt zusammen. Wir sind in einer riesigen Halle, unser Appartment ist ein Labor und wir unter Beobachtung. Wir stromern rum und finden auch die Aliens. Diese verwandeln sich in Tassen, Stühle, und weiteres, was uns immer wieder spannende Momente beim Gang in neue Räume eröffnet, oder altes, wo man sich schon bewegt hat, nochmal aufläd, wirklich tolle Idee!
Bald finden wir auch unseren Helikopter aus dem Intro. Auch dieser ist Fake. Unter ihm gibt es Gerät um ihm zu bewegen, neigen. Die Scheiben sind Bildschirme und gaukeln uns den Flug vor.
Eben diese Momente sind es, die Prey so, so, so stark machen. Immer wieder sind wir erstaunt, zu wem halten wir, wer sind wir wirklich, und wer Morgen Yu, welche aus dem sehr privaten Video zu uns spricht und versucht uns eine Realität zu schildern? Nur eine Sache noch: Backtracking. Ja. ABER: Die Welt verändert sich stetig. Räume verändern sich, unsere Aktionen haben Konsequenzen. Die Aliens entwickeln sich und jede neue Gattung muss anders behandelt werden. Ihre Nester sind goldene Gewebe, die mehr und mehr werden, und schließlich die Welt……….. Seht selbst, ich hab schon viel zu viel verraten, hört den Podcast, wo Christian Schiffer und ich dem ganzen wirklich noch einmal nahe treten.
(Spoiler Ende)

Überzeugtes Schaffen
Solltest du, lieber Lesende, also gerade ein paar Euro zuviel haben oder auf eine neue Perle aus sein, dann guck dir bitte, bitte Prey (…und noch mehr bitte das von 2017!) an. Wie geschrieben, für mich der Höhepunkt von Arkane und allem wofür sie eigentlich stehen/standen. Spannende, unkonventionelle Singleplayer-Abenteuer, in denen man sofort losspielt und sich zurecht findet, und Systeme, die trotzdem so tief sind breit sind, dass man auch im dritten Durchgang noch einmal anders spielt, aber nicht gleich.
Mein Ausflug zu Redebedarf und die Erfahrung des Betretens von WASTED, sowie der bislang unantastbaren Heldschaft, war für mich ein Einschlag ins Spielersein. Von da an wollte ich mehr davon. Ebenfalls noch einmal ein Riesendanke für WASTED, die unkonventionellen Formate und die Menschlichkeit, die ihr immer überbracht habt.
Und, Jagoda, Christian und Stephan, vielleicht lest ihr ja sogar diese Zeilen, egal wie es geendet ist, und stellt Prey im Spieleregal ganz nach vorne 😉
Euer
Alienskill-und-Blubberleitern-Marcel







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