Im Auge des Betrachters – Might & Magic X: Legacy (Teil 2)

Gerid Utopia

2 Beiträge·3 Kommentare·neu in der Community
28.09.2026·6 Minuten
Gerid Utopia

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Jetzt gibt es nach meinem ersten Artikel zu Might & Magic X sogar einen zweiten Teil. Für mich ist es eben pure Freude, nur an das Spiel zu denken. Gerade beende ich meinen neunten Durchgang seit 2015. Verrückt!

Ich möchte heute darauf eingehen, wo die Hauptkritikpunkte an M&M X lagen und was man hätte besser machen können. Dann gibt es auch einen kleinen Ausblick auf die vorhandene Fan-Unterstützung (Mods).

Von den Kritikern, die diese Art von Spielen wegen Rundenkampf und Gruppenerstellung sowieso nicht mögen, erzähle ich von vornherein nichts. Ich mag Rollenspiele mit einer einzigen mit dem Schwert fuchtelnden Figur auch nicht … So wie ich die Finger von Action-Rollenspielen allermeist lasse, so sollten die Liebhaber dieser Spiele auch keine Kommentare über M&M X abgeben.

Natürlich kenne ich die Meinungen aus den globalen Foren der letzten 13 Jahre und mir fällt auch auf, dass sehr viele Beurteilungen abgeschrieben wurden, ohne dass diese Kritiker das Spiel je gespielt haben. Abgesehen davon bevorzugen natürlich jüngere Gamer oft von vornherein mehr Action. Ich kam eher aus dem Genre Strategie und liebe die Old-School-Mechaniken in moderner Form (Wizardry 1 Remastered oder The Bard’s Tale IV).

Grafik und andere „Ärgernisse“

Die Grafik wurde schon damals als nicht zeitgemäß kritisiert, aber ich zeige hier am besten mal zwei Fotos.

Heute muss man berücksichtigen, dass es sich bei dieser Grafik von 2013 um einen Low-Budget-Titel handelt. Für mich ist es unfassbar, was man daraus gemacht hat. Besser als manche AA-Titel. Mir reicht es im Jahr 2026 immer noch (s. das Foto mit dem Dungeon z. B. aus der Burg Portmeyron). 15 % der Dungeons sind mir allerdings mittlerweile auch zu dunkel bzw. texturarm.

Mit den Landschaften war ich auch zufrieden und habe mich allermeist wohlgefühlt.

Bei vielen „Kleinigkeiten“ hatte ich das Gefühl, dass man Argumente sucht, weil man eben zur Fraktion Action, Einzelfigur und Open-World-Gedöns (Mainstream) gehört. Ja, dieses Spiel ist durchaus nur für einen bestimmten Personenkreis konzipiert.

Wie kann man sich über die fehlende Open World erregen, aber über die angeblich zu langen Wege klagen? Für die weiteste Strecke zwischen Sorpigal und dem Pao-Kai-Nest benötige ich zu Fuß nur zwei bis drei Minuten bei Kenntnis der Strecke, und mit zunehmendem Spiel gibt es Schiffe, Pferde, Obelisken und Zauber zu vielen Orten.

Es gibt genügend Erkundungsmöglichkeiten und Rätsel (für manche zum Glück weniger als bei dem sehr guten Legend of Grimrock II). Das Spiel dauert für einen nicht so erfahrenen Spieler bei Erfüllung aller Quests zwischen 50 und 80 Stunden. Bei mir war es aber länger, da ich so gerne in den Menüs war und mir Gedanken über die Entwicklung der Figuren gemacht habe.

Das Nächste war noch wahnsinniger: Es gibt keinen Respawn von Gegnern und das würde das Grinden erschweren. Wie oft habe ich gelesen, dass eigentlich genau dies manchen Spielen vorgeworfen wird: dass dauernd Gegner erneut auftauchen. An den Haaren herbeigezogen!! M&M X ist eben gut ausbalanciert!!! Ich fand es auch nicht störend, dass natürlich hier und da M&M X etwas linear war und die Gegner bzw. der Weg schon erkundet werden mussten, weil man nicht für alles schon stark genug war. Ist das in den Open-World-Spielen nicht auch so?

Handlung und Personen

Schon nach dem zweiten Durchspielen konnte ich die allgemeine Kritik an der Handlung endgültig nicht mehr nachvollziehen. Vor allem Fachjournalisten meinten, hier „schriftstellerische“ Defizite erkennen zu müssen???

Es gibt eine Haupthandlung mit einer Verschwörung, überraschenden Erfahrungen und Wendungen, viele Nebenquests, interessante Missionen, eine herzzerreißende Liebesgeschichte, eine gruselige Familiengeschichte usw.

Auch eine Liebesgeschichte gehört zu Might & Magic X: Legacy: Zwei Geister erzählen von einem Schicksal, das weit über den Tod hinausreicht.
Auch eine Liebesgeschichte gehört zu Might & Magic X: Legacy: Zwei Geister erzählen von einem Schicksal, das weit über den Tod hinausreicht.

Leblose Städte wurden kritisiert, weil die Personen nicht durch die Gegend wuseln und man sie dauernd suchen muss, weil sie je nach Tages-, Nacht- und Jahreszeit immer woanders sind. OK, das ist polemisch, aber ich kann darauf schon verzichten. Wobei ich zugebe, dass die Kommunikation mit den eigenen Figuren und den NPCs eher knapp war.

Ubisoft

Vielleicht haben sogar die Fehler von Ubisoft endgültig verhindert, dass die Bewertungen über 85 % erreichten. Weltweit gab es Wertungen zwischen 70 und 80. Die beste Wertung kam sogar von der deutschen Zeitschrift GameStar mit 81. In den osteuropäischen Ländern war M&M X sehr beliebt. Von dort kommen auch die meisten Mods, die ich erst ab 2023 entdeckt bzw. berücksichtigt habe.

Als Titel mit einem begrenzten Budget gab man dem Spiel nicht die Zeit, fertig auf den Markt zu kommen. Starke Performance-Mängel und Bugs waren bei Erscheinen noch vorhanden. Ich hatte das „Glück“, das Spiel erst 2015 zu spielen, und habe 90 % der Probleme nicht mehr erlebt.

Das Gejammer über Ladezeiten kann ich nicht mehr hören. Manchmal dauert es eben 20 Sekunden. Na und?? Questitems müllen das Inventar zu?? Stimmt nur nicht. Diese haben einen Extra-Ordner.

Ein zu schwieriger Einstieg wurde dem Spiel vorgeworfen. Für Einsteiger gab es den einfacheren Abenteuergrad, viele In-Game-Hilfen und in der Deluxe-Box sogar eine Anleitung. Bei modernen Spielen gibt es doch keine Anleitung mehr usw. … Nicht verstanden …

Die Deluxe-Box von Might & Magic X: Legacy aus der Sammlung des Autors. Darin befand sich unter anderem auch eine gedruckte Anleitung und eine schönen Landkarte.
Die Deluxe-Box von Might & Magic X: Legacy aus der Sammlung des Autors. Darin befand sich unter anderem auch eine gedruckte Anleitung und eine schönen Landkarte.

Als überraschend großer „Punktabzug“ wurde die Online-Bindung wegen des Uplay-Zwangs seitens Ubisoft bewertet. Dies hat auch mich geärgert, und zwar bis heute. Man hat ja dann 2021 bei der Abschaltung der Ubisoft-Server gleich das Problem gehabt, dass bei einer internen Abfrage nach Akt 1 das Spiel nicht mehr weitergespielt werden konnte. Fünf Monate hat Ubisoft an einem Patch gearbeitet, damit man es wieder spielen konnte, aber die Online-Bindung ist geblieben. Warum auch immer?? Jetzt erhält man bei Steam den DLC „Der Falke und das Einhorn“ kostenlos dazu, aber ein Dungeon (Miau-Miau-Tempel) und wenige Extraitems sind nicht mehr vorhanden. Dies kann man aber durch einen Mod umgehen.

Aus verschiedenen Gründen, die hier den Rahmen sprengen würden, gab es keine besondere Unterstützung für Modder. Das wurde Ubisoft natürlich zusätzlich von der Community übel genommen. Mittlerweile gibt es einige gute Mods, die ich aber erst nach meinem siebten Durchgang verwendet habe.

Für den Anfänger empfehle ich erst die einfache Normalversion und dann beim zweiten Mal den Kriegermodus mit dem „AcidCave“-Mod, aber es gibt auch Argumente, den „AcidCave“-Mod gleich zu verwenden. Es müssen ja nicht alle so verrückt sein, dieses Spiel so oft zu spielen.

Ferner kann man auch den „Legends of Ashan“-Mod empfehlen, aber nur für absolut Wahnsinnige, da er den Schwierigkeitsgrad „Gladiator“ einführt usw. Das habe ich nur geschafft, weil ich das Spiel so gut kenne!

Als Nächstes werde ich in drei Jahren (halte ich mal so lange durch?) den „Custom and Prestige Classes“-Mod spielen (Einführung z. B. neuer Klassen).

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Kommentare

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Ein Kommentar zu „Im Auge des Betrachters – Might & Magic X: Legacy (Teil 2)“

  1. Avatar von André Eymann
    VSG-Autor

    Ich kenne das Spiel nicht. Was mir aber sehr gefällt, ist, wie sehr man Deine Leidenschaft zu diesem Titel herauslesen kann. Da schwingt so viel Liebe und Empathie für das Spiel mit. Deshalb finde ich es auch nachvollziehbar, wie sehr Du „objektive Kritik“ aus Deinen Augen kommentierst.

    Schon lange bin ich der Meinung, dass es keine schlechten Spiele gibt. Wenn jemand ein Spiel liebt, kann es nicht schlecht sein. Egal wie andere das sehen. In meiner Welt ist das immer subjektiv und niemals objektiv.

    Danke für Deinen Beitrag Gerid!

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