LAKE ist ein ungewöhnliches Videospiel. Manche würden es als Walking Simulator bezeichnen. Ich möchte es eher als Adventure – im Sinne des Erlebens – einordnen. Denn LAKE kann etwas, das andere Spiele nicht können.
Pim und Jos Bouman aus Haarlem in den Niederlanden gründeten ihre Firma Gamious im Jahr 2011. Seitdem haben sie im Schwerpunkt Puzzle- oder Simulationsspiele veröffentlicht. 2021 erschien LAKE, das vom Indie-Studio Whitethorn Games entwickelt und durch Gamious vertrieben wurde.
Whitethorn Games aus Erie (Pennsylvania, USA) beschreiben sich selbst so: „Wir sind ein Indie-Game-Publisher mit Fokus auf angenehme, entspannte Spiele, die man auch gut in kleinen Etappen spielen kann, die keine besonderen Fähigkeiten oder Vorkenntnisse erfordern und bei denen jeder einfach einsteigen und losspielen kann. Wir glauben an Barrierefreiheit, Inklusion und daran, Spiele einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen. Wir verstehen uns gern als die Verteidiger einfacher Spiele.“
Weiter schreiben sie auf ihrer Webseite: „Stressfrei: Im restlichen Leben gibt es schon genug Stress. Unsere Spiele bieten Herausforderungen – ganz ohne Frust oder das Gefühl, sich dafür schämen zu müssen.“
Aha. Stressfrei. Das ist mein Stichwort!
Spiele und Bedürfnisse
Vor einiger Zeit tauschte ich mich mit einem Freund über das Thema aus, wann man Lust auf das Videospielen hat und wann eher nicht. Dabei fiel von seiner Seite aus der Satz: „Spiele erfüllen Bedürfnisse. Sie können einem beispielsweise guttun.“
Dieser Satz hat mich nicht mehr losgelassen.
Wer kennt es nicht: Man sitzt vor seinem PC oder seiner Konsole und weiß gerade nicht, welches Spiel für den Moment das richtige ist. So ging es mir im Mai 2026.
Dann entdeckte ich LAKE auf meiner Steam-Wunschliste. Ich hatte das Spiel vor Monaten dort einsortiert, nachdem ich – wo auch immer – davon erfahren hatte.
Gekauft, installiert und schon beim Startbildschirm wusste ich: Wir werden Freunde.
Hallo Meredith!
Worum geht es in LAKE?
Ich spiele Meredith Weiss, eine Softwareentwicklerin, die im Jahre 1986 in Providence Oaks (Oregon, USA) für ein paar Wochen den Job einer Postbotin übernimmt. Providence Oaks liegt an einem großen See, der dem Spiel den Namen gibt.
Während man mit dem Postauto herumfährt und Briefe oder Pakete an die Anwohner verteilt, kommt man mit den Menschen ins Gespräch und kann mit ihnen interagieren. Dabei erzählt das Spiel viele kleine Geschichten, deren Verlauf man durch auswählbare Dialoge beeinflussen kann.
LAKE stellt sein Geschehen dabei in der Third-Person-Perspektive dar und hat einen wunderbaren visuellen Stil, der ein wenig an Firewatch oder Virginia erinnert.
Akustisch läuft im Postauto ein federleichter Country-Soundtrack, der nicht besser zur Umgebung und der Atmosphäre des Spiels passen könnte.

Das Wesentliche zählt
Zur Orientierung in der Stadt dient eine Karte der Umgebung, die angenehm übersichtlich ist. Überhaupt ist LAKE erfreulich reduziert. Durch das überschaubare Design entschleunigt das Spiel von der ersten Minute. Außer die Post zu verteilen und die Gespräche mit den Anwohnern zu führen, gibt es nicht viel zu tun.
So kann ich mich voll und ganz auf das Erlebte und die Dialoge fokussieren, die oft nachhallen. LAKE vermeidet sämtliche Ablenkungen und lässt einem den Raum, Worte und Gedanken wirken zu lassen.

Raum für Gedanken
Abgesehen davon, dass mich das Spiel sehr entspannt hat und ich es genau deshalb immer wieder gern weitergespielt habe, konnte LAKE aber noch etwas anderes mit mir machen.
LAKE erzählt durch die Begegnungen mit den Bewohnern von Providence Oaks viele Geschichten. Dabei geht das Spiel sehr behutsam vor und gibt den Zwischentönen viel Raum. Das liegt auch an der großartigen Synchronisation und daran, wie die Figuren geschrieben sind.
Verschiedene Gefühle und Entscheidungen, Reue oder Trauer werden thematisiert und direkt durch mich erlebbar. Meredith ist dabei ein Spiegel meiner selbst. Ich bin mehrfach sehr vom Spiel berührt worden. Gleichwohl hält LAKE großartig die Waage zwischen Tiefgründigkeit und Leichtigkeit.
Die Geschichte von Meredith und den Menschen um sie herum konnte mich nachdenklich machen über den Verlauf von Entscheidungen und verpasste Chancen. Damit hat sie nicht nur mein Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung erfüllt, sondern vor allen Dingen mein Herz berührt.
Und das macht LAKE aus: Es hat die Eigenschaft, einen zum Nachdenken und Innehalten anzuregen.
Ich kann es euch nur ans Herz legen.







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